Zuviel versprochen - Gesundheitsversprechen bei Lebensmitteln

In den Supermärkten finden Sie immer mehr Lebensmittel, denen mit zweifelhaften oder sogar verbotenen Werbeversprechen ein gesundes Image verpasst wird. Wo und wie dabei geschummelt wird, erfahren Sie hier.

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Verschiedene Lebensmittel mit Gesundheitsversprechen

Die Verbraucherzentralen haben 46 als besonders gesund beworbene Lebensmittel darauf hin geprüft, ob sie tatsächlich die ausgelobten Gesundheitsversprechen einhalten.  Das Ergebnis: 63 Prozent der untersuchten Produkte locken mit potenziell irreführenden Aussagen.

Gesundheitsversprechen auf Lebensmittelverpackungen

Gesundheitsversprechen auf Lebensmittelpackungen, sogenannte „Health Claims“, halten meist nicht das, was sie versprechen. Das hat ein Marktcheck der Verbraucherzentralen ergeben, bei dem 46 Lebensmittel untersucht wurden, denen durch Zugabe von bestimmten Inhaltsstoffen wie Vitaminen oder Mineralien ein gesundes Image verpasst werden soll.

Kinderlebensmittel schneiden besonders schlecht ab: 75 Prozent tragen aus Sicht der Verbraucherzentralen übertriebene oder falsche Gesundheitsversprechen auf dem Etikett.

Besonders fatal: Die Studie hat belegt, dass solche Gesundheitsversprechen Einfluss auf das Kaufverhalten der Verbraucher haben.

Erlaubt oder verboten – gesundheitsbezogene Aussagen

Für viele Produkt-Inhaltsstoffe wurde die wissenschaftlich belegte Formel mit dem Wortlaut »trägt zur normalen Funktion bei« beschrieben. Änderungen im Wortlaut sind erlaubt. Wenn jedoch Hersteller die Aussagen in »zur Förderung von ... « oder »zur Stärkung von ... « umformulieren, ist die Bedeutung nach Ansicht der Verbraucherzentralen nicht mehr dieselbe. Die Wirkungsaussage von »Erhaltung« zu »Verbesserung von Körperfunktionen« derart zu verstärken, täuscht Verbraucherinnen und Verbraucher. Solche Änderungen im Wortlaut wurden 2014 in einem Marktcheck der Verbraucherzentralen auf vielen Lebensmitteln festgestellt.

Schlupflöcher ausgenutzt

Obwohl die Europäische Union strenge Vorgaben für Gesundheitswerbung auf Lebensmitteln macht und europaweit nur etwa 250 Claims erlaubt sind, nutzen viele Hersteller Schlupflöcher in der Health Claims-Verordnung. Auch die rechtlichen Vorgaben werden häufig nicht beachtet.

Ernährungsphysiologisch ungünstige Lebensmittel dürfen nicht mit gesundheitsbezogenen Angaben beworben werden. Aber ab welchem Gehalt an Zucker, Fett oder Salz das gilt, wurde noch nicht festgelegt. So können Hersteller nach wie vor besonders süßen, fetthaltigen oder salzigen Lebensmitteln durch Zugabe von Vitaminen und Mineralstoffen ein gesundes Image verpassen.

Die sechs häufigsten Tricks der Hersteller

Nicht zugelassen, trotzdem auf dem Etikett:

  • 43 Prozent der Produkte wiesen Werbeaussagen (Claims) auf, die aus Sicht der Verbraucherzentralen nicht zugelassen sind. Beispielsweise wurden probiotische Keime für ein „gesundes Wachstum“ ausgelobt, obwohl es dafür keinen erlaubten Claim gibt.

Erlaubter Wortlaut stark verändert:

  • Auf 22 Produkten wurde der Wortlaut so verstärkt, dass beispielsweise aus dem Hinweis „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ das zweifelhafte Versprechen „leisten einen wichtigen Beitrag zum Aufbau und der Funktionsfähigkeit der körpereigenen Abwehrkräfte" wurde. Das ist jedoch aus Sicht der Verbraucherzentralen nicht zulässig.

Zucker- und Fettbomben mit Gesundheitsversprechen:

  • Vitamin- und Mineralstoffbeimischungen sind billig und verpassen so manchem hochkalorischen Lebensmittel zu Unrecht ein gesundes Image. Hier muss aus Sicht der Verbraucherzentralen die EU mit Nährwertprofilen nachbessern, damit nicht auf einer Kinderwurst, die zu einem Viertel aus Fett besteht, ein Gesundheitsversprechen wie „Calcium wird für die Erhaltung normaler Knochen und Zähne benötigt“ ausgelobt werden darf.

Kein Vitamin-C-Mangel in Deutschland:

  • Die Anbieter nutzen den Mythos „Vitaminmangel“ für ein gutes Geschäft und werben beispielsweise auf angereicherten Lebensmitteln mit dem Claim „Vitamin C leistet einen wichtigen Beitrag zum Aufbau und der Funktionsfähigkeit der Abwehrkräfte“. Vitamin C, das zeigte die Studie, wird am häufigsten zugesetzt, obwohl die gesamte Bevölkerung damit gut versorgt ist.

Überzogene Gesundheitsversprechen bei Kinderlebensmitteln:

  • Die gesondert betrachteten, extra für Kinder beworbenen Lebensmittel schneiden besonders schlecht ab: Dreiviertel der Produkte tragen aus Sicht der Verbraucherzentralen übertriebene oder falsche Gesundheitsversprechen auf dem Etikett.

Fehlende Claims bei Pflanzenstoffen:

  • Für Claims zu Pflanzenstoffen gibt es noch gar keine Regelungen, obwohl diese dringend erforderlich wären.

Tipps der Verbraucherzentralen

Wer sich wirklich gesünder ernähren will, sollte

  • mehr unverarbeitete Lebensmittel in Form von Obst und Gemüse essen
  • Gesundheitsversprechen hinterfragen: Gesundheitsbezogene Werbeaussagen finden sich vor allem bei verarbeiteten Lebensmitteln
  • nicht jeden Werbespruch für bare Münze nehmen: Industriell »optimierte« Lebensmittel sind nicht »gesünder« und können einseitige Essgewohnheiten und einen ungesunden Lebensstil nicht ausgleichen
  • die Zutatenliste lesen
  • auf die Preise achten: Lebensmittel mit Gesundheitsversprechen sind oft teurer, obwohl sie keine Vorteile für Ihre Gesundheit bieten.

Stand: Juli 2017