Wie viel Hessen steckt im Apfelwein?

Einige hessische Keltereien verwenden für ihren Apfelwein die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) „Hessischer Apfelwein“ und dazu meist das entsprechende Logo der Europäischen Union. Was steckt hinter dieser Bezeichnung und dem Logo? Hierbei ist grundsätzlich zwischen marken- und lebensmittelrechtlichen Anforderungen zu unterscheiden.

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Bembel, Becher und Äpfel

Um eine markenrechtlich geschützte geographische Angabe (g.g.A.) tragen zu können, muss mindestens ein Verarbeitungsschritt des Herstellungsverfahrens im Schutzgebiet erfolgt sein. Für den Fall des Hessischen Apfelweins g.g.A. ist dies die Vergärung, Klärung und Abfüllung des Erzeugnisses.

Die Rohstoffherkunft steht hierbei nicht im Vordergrund. Aus markenrechtlicher Sicht kann ein „Hessischer Apfelwein“ g.g.A. auch aus nicht hessischen Äpfeln hergestellt werden. Die Verwendung von Apfelsaftkonzentrat ist bei der Herstellung aus markenrechtlicher Sicht ebenfalls erlaubt.

Da es sich hierbei um Mindestanforderungen handelt, können natürlich auch Hersteller, die strengere Maßstäbe anlegen und beispielsweise ausschließlich hessische Äpfel verarbeiten, diese Bezeichnung nutzen. Wieviel Hessen in einem „Hessischen Apfelwein“ g.g.A. tatsächlich steckt, ist daher allein an der Bezeichnung „Hessischer Apfelwein“ g.g.A. nicht zu erkennen.

Neben diesen markenrechtlichen Anforderungen gilt wie bei allen Lebensmitteln die lebensmittelrechtliche Vorgabe, dass durch Angaben über Herkunft, Zusammensetzung und Herstellungsverfahren die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht getäuscht werden dürfen. Vor diesem Hintergrund müssen über die Bezeichnung „Hessischer Apfelwein“ hinausgehende Auslobungen in Form von Etikettierung oder Bewerbung zur Herkunft den lebensmittelrechtlichen Vorgaben zum Täuschungsschutz genügen.

Im Vergleich zur markenrechtlichen Angabe „Hessischer Apfelwein“ g.g.A. garantiert die Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität - HESSEN“ den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine nachvollziehbare Herkunft der Produkte. Ein Unternehmen, das dieses Qualitätssiegel verwendet, ist verpflichtet, Qualitätsanforderungen, die über dem gesetzlichen Maß liegen, zu erfüllen. Bezüglich der Herkunft der Rohstoffe bedeutet dies, dass die Herkunft nachvollziehbar sein und die Hauptzutat grundsätzlich aus Hessen stammen muss. Daraus folgt, dass für einen Apfelsaft oder Apfelwein, der das Qualitätssiegel „Geprüfte Qualität - HESSEN“ trägt, grundsätzlich nur Äpfel aus Hessen verwendet werden dürfen. 

Stand: Februar 2019

Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz