Wie uns Farben beim Lebensmitteleinkauf verführen

Warum sind Verpackungen von Light-Produkten hellblau und Geflügelverpackungen häufig grün? Warum wird bei Kartoffelchips die Farbe Rot erwartet und bei abgepacktem Brot auf Braun gesetzt? Farben wecken Emotionen und beeinflussen natürlich auch unsere Kaufentscheidung. Und das wird gezielt ausgenutzt. Welche Farben Sie zum Kaufen welcher Produkte animieren, erfahren Sie hier.

Gezeichnete Saftpackungen Pilgrim Artworks - Fotolia.com_.jpg

Zeichnung Tetrapacks für Saft in verschiedenen Farben

Bei unserem Einkauf im Supermarkt oder Discounter greifen wir oft zu Produkten, die wir eigentlich gar nicht kaufen wollten. Dass wir es doch tun und auch noch mit absoluter innerer Überzeugung, dahinter steckt die Arbeit von Marketingstrategen und Psychologen, die die Lebensmittelindustrie nach den Erkenntnissen des sogenannten "Neuromarketing" beraten. Wenn wir uns also beim Einkaufen für die eine, anstatt für die andere Packung entscheiden, dann hat das oft wenig mit dem Geschmack des Produktes, sondern mehr mit dem optischen Eindruck der Verpackung zu tun.

Produkte-typischen Farben

Rot

  • Rot ist Signalfarbe schlechthin, die spontan viele Empfindungen auslöst: Blut ist rot, Fleisch ist rot, unsere Aufmerksamkeit ist erhöht, wenn wir Rot sehen. Deshalb ist die Farbe bei Produkt-Verpackungen sehr gefragt.
  • Beispiel Kartoffelchips: "Nachdem wir die Aufmerksamkeit über Rot bekommen haben, ist es so, dass wir diese Farbe bei Chips mit Würzigkeit und kräftigem Geschmack verknüpfen und deswegen lieben wir diese Produkte, deren Verpackungen so kräftig rot glänzen. Sie signalisieren uns: Da musst du zugreifen, das schmeckt besonders toll“, so Stepan Lück.
  • Beispiel Nudeln: Das Rot auf der Nudel-Verpackung soll die Nudeln gelber erscheinen lassen. Das bedeutet für den Verbraucher: Hier sind mehr Hühnereier drin und das deutet auf eine (vermeintlich) bessere Qualität hin.
  • Beispiel Schinken: Sogar die Farbe des Schinkens wirkt durch die rote Verpackung intensiver.
  • Beispiel Fleisch: Hier geht die Farbpsychologie sogar noch weiter. Ernährungswissenschaftler Dr. Lück weiß: "Gerade bei frischem Fleisch ist es so, dass der Verbraucher die Farbe Rot erwartet. Das Fleisch muss kräftig rot sein, dann haben wir das Gefühl von Frische und Wertigkeit.“ Bei Fleisch in transparenter Folien-Verpackung wird mit Gas gearbeitet, das auf der Rückseite im Kleingedruckten als sogenannte "Schutzatmosphäre" deklariert wird. „Das ist Sauerstoff, der das Fleisch ständig rot hält. Das heißt aber nicht, dass dieses Fleisch eine gute Qualität hat", so Dr. Stephan Lück. "Im Gegenteil - hochwertiges Fleisch muss nicht knallrot sein, sondern kann auch leichte graue Stellen haben.“ Wichtiger ist, ob das Fleisch gut gereift ist, denn dann ist es auch sehr zart und von hoher Qualität.

Grün

  • Grün wird gerne bei Geflügelverpackungen eingesetzt. "Das Image von Geflügelfleisch ist durch diverse Skandale etwas angekratzt und viele Hersteller haben darauf mit neuen Farbkonzepten reagiert. Sie benutzen die Farbe Grün, weil wir damit assoziieren, da ist Natur drin, da haben die Hühner glücklich gelebt und sind gesund aufgewachsen", so Dr. Stephan Lück. Die Verpackungen ähneln nicht ohne Grund farblich dem Bio-Label, ein weiterer verkaufsfördernder Trick.
  • Ebenfalls oft grün verpackt sind Gemüsekonserven. Hier steht Grün für das "Frisch vom Feld-Gefühl".

Hellblau

  • Wussten Sie schon, dass Hellblau schlank macht? Deshalb setzen Light-Produkte immer auf diesen Farbcode. Dr. Stephan Lück verrät: "Eine gedämpfte Farbe, also eine nicht kräftige Farbe deutet darauf hin, dass das so verpackte Produkte sozusagen nicht mit voller Kraft, in diesem Fall nicht mit vollem Fettgehalt angeboten wird."

Gelb

  • Gerade bei Käse ist Gelb eine wichtige Farbe. "Bei Käse erwartet der Verbraucher, dass er leicht oder stark gelb ist, als Zeichen dafür, wie kräftig der Käse ist. Tatsache ist aber, dass eigentlich Käse erst einmal weiß aussieht und der Käse gefärbt wird.“ Lück erläutert, dass die Farbe, zum Beispiel hier das natürliche Betacarotin als Farbstoff, dem Hersteller dazu dient, die Kräftigkeit oder auch die Qualität des Käses besser darzustellen. Die verwendeten Farbstoffe sind zwar nicht gesundheitsgefährdend, aber sie täuschen falsche Tatsachen vor.

Braun

  • Sogar die Farbe Braun beeinflusst unser Kaufverhalten.
  • Beispiel Brot: "Bei abgepacktem dunklem Brot werden fast immer Farbstoffe eingesetzt. Die Farben werden hier beispielsweise mit Malzextrakten oder Zuckerrübensirup erzeugt. „Das ist ein gängiger Trick der Hersteller, solche Brote hochwertig, natürlich oder als wären sie auf Vollkornbasis hergestellt, erscheinen zu lassen“, sagt Lück.
  • Beispiel Hühnereier: „Sogar bei Eiern ist es so, dass wir bei dem brauen Ei eher vermuten, das Huhn sei gesünder aufgewachsen oder es hätte mehr Freilauf gehabt. Wir sehen diese braunen Eier als hochwertiger an.“
  • Fakt ist: Es werden tatsächlich deutlich mehr braune Eier verkauft als weiße.

Quelle: hr-online / service: trends / Sendung vom 08.04.2015