Werbung für regionale Produkte – oft unspezifisch oder irreführend

Begriffe wie „regional“ oder „aus der Region“ auf Lebensmitteln sind oft zu weit gefasst, wenig spezifisch oder sogar irreführend. Dagegen bieten Lebensmittel mit dem blau-weißen Logo des Regionalfensters auf der Verpackung eine gute Einkaufshilfe. Das ist das Ergebnis eines bundesweiten Marktchecks der Verbraucherzentralen.

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Zeichnung Kuh, Verbraucher und Lebensmittel

Regionalangaben unter der Lupe

Der Marktcheck der Verbraucherzentralen bezog sich auf Milch-, Eier-  und Fleischprodukte sowie auf Obst und Gemüse. Stichprobenartig  wurden im ganzen Bundesgebiet 121 Produkte aus Discountern, Supermärkten und Bioläden untersucht. 63 Produkte waren mit dem Regionalfenster und 58 mit anderer Regionalwerbung ausgezeichnet.

„Das Beste von hier“

Als typische Beispiele für regionale Werbung wurden Bezeichnungen wie „Gutes aus der Heimat“, „Das Beste von hier“ oder „nah“ auf den Produkten, Flyern oder am Regal entdeckt. Nachforschungen ergaben, dass sich hinter diesen Bezeichnungen teils erhebliche Entfernungen verbargen, wie zum Beispiel eine Wurst mit der Auslobung  „aus maximal 30 Kilometer Umkreis“, die aber in einer 130 Kilometer entfernten Wurstfabrik produziert wird.
Solche Hinweise sind für den Verbraucher häufig nicht nachvollziehbar und auch zu unspezifisch, so die Verbraucherschützer.

Großregionen zu groß für regionale Angaben

Wie viel Regionalität Verbraucherinnen und Verbraucher für ihr Geld tatsächlich bekommen, zeigt auch dieses Beispiel: Bei den Angaben zur Region zeigte sich, dass teilweise mehrere Bundesländer, beispielsweise Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen zu einer Region zusammengefasst waren. Auch Obst und Gemüse wurden als „regional“ beworben, obwohl nur die verpflichtende Herkunftsangabe „Deutschland“ zu finden war.

Zu Recht kritisieren die Verbraucherzentralen hier, dass Großregionen und die damit oft verbundenen weiten Transportwege sicher nicht die Erwartungen der Verbraucher an ein heimisches Produkt erfüllen.

Produktion vor Ort – Rohstoffe aus der ganzen Welt

Die Herkunft der Rohstoffe bleibt trotzdem unklar. „Oft bleibt bei unspezifischer Regionalwerbung unklar, ob nur die Verarbeitung der Rohstoffe in der Gegend stattfindet und wie die „Region“ definiert ist“, kritisiert Britta Schautz, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Manchmal ist lediglich der Firmensitz oder die Rezeptur regional, während die Zutaten deutlich weiter reisen mussten. Dies ist für Kunden irreführend.“
Der Marktcheck zeigt, dass der Anteil regionaler Zutaten bei Mischprodukten wie Wurstwaren stark variiert - es müssen mindestens 51 Prozent sein. In einer Stichprobe fanden die Verbraucherschützer beispielsweise bei Sülzfleischwurst nur gut die Hälfte an regionalen Zutaten, bei Bratwurst aber erstaunliche 94 Prozent.

Genauere Angaben im „ Regionalfenster“

Relativ gut weg kamen beim Marktcheck die Lebensmittel mit dem blau-weißen Logo des Regionalfensters auf der Verpackung. Das Logo hat ein freiwilliges Kennzeichnungsfeld, aber mit einheitlichen Vorgaben. Leider ist es noch nicht überall zu finden. Das Regionalfenster gibt Auskunft über die Region, den Ort der Verarbeitung, den Anteil der verwendeten regionalen Zutaten sowie die Kontrollstelle. Dennoch sollte der Kunde das Etikett genau lesen, denn Produkte mit dem Regionalfenster können deutschlandweit vermarktet werden.

Transparenter Einkauf

Das Ergebnis des Marktchecks zeigt, dass die gegenwärtigen Kennzeichnungen nicht ausreichen, um einen transparenten Einkauf regionaler Produkte zu gewährleisten und Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführender Werbung zu schützen. Das Regionalfenster ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wünschenswert wäre, dass Anbieter und Lebensmittelhandel falsche, nicht überprüfbare und unklare Regionalangaben ohne nachvollziehbare Kriterien unterlassen und bessere gesetzliche Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene greifen. Ein erster Schritt wäre es, so die Verbraucherzentralen, wenn die Werbung zu regionalen Produkten dem Regionalfenster vorbehalten wäre, welches klar über Region, Herkunft der Zutaten und Verarbeitungsort informiert.

Wissenstest zu regionalen Produkten

Sind Sie fit in Sachen Regionalkennzeichnung? Testen Sie Ihr Wissen und spielen Sie das Regional-Memory. (Quelle: Verbraucherzentrale)

Klicken Sie zwei Karten an. Wenn diese zusammen gehören, stellen sie sich schräg und bleiben aufgedeckt. Wenn nicht, klickt man die nächsten beiden Karten an und versucht sein Glück erneut.

>> hier können Sie das Regional-Memory online spielen

Stand: Juli 2017
 

Regionalfenster

Freiwillige Kennzeichnung für regionale Lebensmittel in Deutschland
 

Das im Auftrag der Bundesregierung entwickelte "Regionalfenster" soll seit Anfang 2014 für mehr Transparenz bei deutschen Regionalprodukten sorgen. Das freiwillige Informationsfeld auf Regionalprodukten gibt Auskunft über die Herkunft der eingesetzten landwirtschaftlichen Zutaten und über den Verarbeitungsort der Produkte. Für die Vergabe der Lizenzen zur Nutzung des Regionalfensters ist der Trägerverein Regionalfenster e.V. zuständig.
Aus Sicht der Verbraucherzentralen ist das Regionalfenster zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, es ersetzt aber keinen verbindlichen Rechtsrahmen für die Regionalwerbung. Nachbesserungsbedarf wird hauptsächlich bei der Kennzeichnung zusammengesetzter Produkte gesehen, denn zur Zeit müssen nur mindestens 51 Prozent des Gesamtgewichts aus der Region stammen. Ein Lebensmittel, das als „regional“ beworben wird, sollte komplett oder fast vollständig aus der Region stammen.
 

Regionalfenster: Beispiele