Weg mit dem Plastik: Hier kommt das Natural Branding

Verpackungen um Obst und Gemüse machen den größten Teil des Verpackungsmülls in Deutschland aus. Inzwischen haben einige große Supermarktketten ein innovatives Verfahren entwickelt, das jegliche Form der Verpackungen überflüssig machen soll. Die Rede ist vom Natural Branding.

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Gemüsetheke im Supermarkt

In Plastik eingeschweißte Gurken, Bananen, Tomaten und Brokkoli

Laut Umweltbundesamt (2017) fallen jährlich etwa 18 Millionen Tonnen Verpackungsmüll in Deutschland an. Obst und Gemüseverpackungen machen den größten Anteil des Verpackungsmüllbergs aus.

Der Naturschutzbund (NABU) stellte in einer Untersuchung fest, dass 63 Prozent des Obstes und Gemüses im Supermarkt dem Kunden vorverpackt angeboten werden. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Schalen mit und ohne Deckel, Netze oder Folien. Die Kunden haben so keine Chance sich das Gemüse selbst auszusuchen, es lose in mitgebrachte Tüten, Beutel oder Gläser oder in supermarkteigene Servicebeutel einzupacken. Laut NABU ist Kunststoff zudem das vorherrschende Packmittel.

Große Einsparungen an Verpackungsmüll im Supermarkt möglich

Besonders beim Obst und Gemüse besteht ein großes Einsparpotenzial für Verpackungen. Viele Handelsketten argumentierten bisher häufig damit, dass die Verpackungen vorwiegend der Lebensmittelkennzeichnung dienen. So soll anhand der Etiketten nachvollziehbar sein, ob es sich bei dem Obst und Gemüse um ein Bio-Lebensmittel handelt oder ob und woher das Lebensmittel importiert wurde. Außerdem schützen Verpackungen vor Keimen auf den Lebensmitteln und vorm schnelleren Verderb. Schließlich fassen Verbraucher die Ware gerne an oder drücken diese in der Hand.

Einige große deutsche Supermärkte haben das Verpackungsproblem erkannt und versuchen mittels innovativen und umweltfreundlichen Lösungen dagegen vorzugehen.

Recht neu ist das „Natural Branding“ für die individuelle Kennzeichnung von Obst und Gemüse.

Natural Branding – was ist das?

Beim Natural Branding („natürliches Markieren“) werden Lebensmittelkennzeichnungen, Siegel und Markenlogos statt mit Aufklebern oder Plastikverpackungen durch ein Laserverfahren auf die Schale von Obst und Gemüse aufgebracht.

Eine Software ermittelt vorab Form, Größe, Farbe und Konsistenz der Frucht. Der hochkomplexe Laser trägt die oberen Schalenpigmente ab und „tätowiert“ so Logo, Siegel oder Kennzeichnung in die Schale. Dabei wird die Schale nicht verletzt, sodass Haltbarkeit, Geschmack und Konsistenz der Lebensmittel ebenfalls nicht beeinträchtigt werden. Einmal in die Schale eintätowiert, ist das Branding nicht mehr entfernbar.

Kann jedes Gemüse gebrandet werden?

Die Laser-Technik eignet sich nicht für jede Obst- und Gemüsesorte. Besonders kleine Produkte mit dünnen Schalen wie beispielsweise Trauben lassen sich nicht gut kennzeichnen. Auch bei Zitrusfrüchten gestaltet sich das Verfahren schwieriger. Hier ist zusätzlich ein Kontrastmittel nötig, damit das eingebrannte Logo sichtbar wird.

Ist das Lasern gesundheitlich unbedenklich?

Da es bei der Laser-Technik weder Chemikalien noch Farben bedarf, sondern das Lebensmittel lediglich erhitzt wird, hat die EU die Laser-Technik bereits 2013 als unbedenklich erklärt. Die aufgebrannten Logos können problemlos mitverzehrt werden. Verbraucherschützer fordern dennoch weitere Untersuchungen für die Unbedenklichkeit.

Wo kann ich das gelaserte Obst und Gemüse kaufen?

Mittlerweile bieten einige große deutsche Supermärkte Obst und Gemüse mit der tätowierten Kennzeichnung in ihrem Sortiment an oder wollen es an ausgewählten Sorten testen. So beispielsweise Rewe, Penny, Edeka oder Aldi. Hier werden bereits Bio-Lebensmittel wie Süßkartoffeln, Avocados, Melonen, Kiwis, Ingwer, Kokosnüsse oder Gurken mit einem eingebrannten Etikett versehen.

In den USA bekommen Obst und Gemüse bereits seit etwa zehn Jahren ein Branding verpasst. Auch in Schweden und den Niederlanden wird das Verfahren eingesetzt.

Ist das Branding sinnvoll?

Das Natural Branding spart nicht nur Plastik- und Verpackungsmüll, sondern auch Papier, Tinte und Kleber.

Ganz billig ist die Laser-Methode nicht. So kostet ein Lasergerät ab 10.000 Euro und kann, je nach Zusatztechnik und Ausstattung auch noch wesentlich höhere Summen erzeugen. Zwar kann auch viel Geld eingespart werden, wenn keine Plastikverpackungen und Etiketten mehr gedruckt werden müssen, allerdings ist es vorab wichtig, dass sich die gebrandmarkten Lebensmittel bei den Verbrauchern etablieren.(sie)

Stand: April 2019