Obst und Gemüse saisonal einkaufen – Darum lohnt es sich

Lohnt sich saisonales Einkaufen überhaupt? Schließlich gibt es viele Obst- und Gemüsesorten nahezu das ganze Jahr über zu kaufen. Wer auf Geschmack wert legt, dazu preisgünstig und klimabewusst einkaufen möchte, weiß, wann ein guter Zeitpunkt zum Kauf von Erdbeeren, Trauben oder Blumenkohl ist. Der Saisonkalender hilft dabei.

RS10615_Frau mit Korb am Gemuesestand © bilderbox - Fotolia.com_.jpg

Frau mit Korb voll Obst und Gemüse

Früher gab es Erdbeeren im Mai, Kirschen im Sommer und Trauben im Oktober. Da viele Obst- und Gemüsesorten mittlerweile fast ganzjährig im Handel erhältlich sind, scheint ein Blick auf den Kalender nicht mehr nötig zu sein.

Wo wird unser gekauftes Obst und Gemüse angebaut?

In Deutschland gekauftes Obst stammt nur zu einem geringen Teil aus heimischem Anbau, denn der Selbstversorgungsgrad für Früchte liegt gerademal bei etwa 20 Prozent. Auch wenn Äpfel und Birnen bei uns wachsen, so sind die klimatischen Bedingungen in südlichen Ländern für den Anbau von vielen Obstarten deutlich besser. Deshalb kann es dort günstiger produziert werden. Aus diesem Grund bevorzugt der Handel gerne importierte Ware, zumal die Transportkosten nur gering sind.

Das meiste im deutschen Handel erhältliche Obst wird aus Spanien, Italien und Frankreich importiert. Dies gilt vor allem für Trauben, Kiwis, Pfirsiche und Süßkirschen.

Beim Gemüsekauf ist der Anteil der deutschen Ware mit 46 Prozent deutlich größer als bei Obst. Es gibt jedoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Gemüsesorten. Aufgrund der klimatischen Bedingungen ist es nicht verwunderlich, dass Möhren und Kohl zu etwa 75 Prozent aus heimischem Anbau stammen, während  Tomaten und Paprika fast komplett importiert werden. Für den deutschen Gemüsemarkt spielen vor allem die EU-Länder Niederlande, Spanien und Italien eine dominierende Rolle, denn knapp 92 Prozent des Gemüseimportes kommt von dort.

Informationen über die einzelnen Obst- und Gemüsesorten, die in Deutschland angebaut werden, bietet die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e.V. an.

Darum lohnt sich saisonaler Einkauf

  • Gute Qualität
    Kurze Wege sind gerade bei leicht verderblichen Früchten wie Erdbeeren wichtig, aber auch bei Obstsorten, die nach dem Ernten nicht mehr nachreifen und deshalb reif geerntet werden müssen. Hierzu gehören heimische Obstarten wie Beerenobst (Brombeeren, Erdbeeren und Himbeeren), Kirschen und Trauben aber auch exotische Früchte wie Zitronen, Grapefruit, Mandarinen, Orangen und Limetten.
    Importierte Ware kann aufgrund langer Transportzeiten nicht immer zum optimalen Zeitpunkt geerntet werden. Die Früchte sehen dann zwar optisch gut, doch sind relativ geschmacksarm.
     
  • Gute Ökobilanz
    Ware aus der Region verursacht aufgrund der kurzen Wege weniger Energiekosten als Transporte von weit her. Regionale Produkte müssen jedoch nicht immer aus Deutschland stammen. Wer grenznah wohnt, kann auch auf das Obst- und Gemüseangebot der Nachbarländer zurückgreifen.

    Auch die Anbauform spielt bei der Energie- und CO2-Bilanz eine große Rolle. So wird beim Anbau von Salat unter Glas im Vergleich zum Freilandanbau ein Vielfaches an CO2 produziert.

    In die Ökobilanz fließen auch die Lagerungskosten ein. Wird ein heimischer Apfel im Herbst bis zum Frühsommer des nächsten Jahres eingelagert, dann kann er eine schlechtere Ökobilanz haben als ein aus Neuseeland importierter Apfel. Wer umweltbewusst denkt, müsste seinen Obstkonsum im Sommer eher aus dem reichlichen Angebot an heimischem Beerenobst und Kirschen decken.
     
  • Günstige Preise
    Da zu Saisonzeiten von Obst und Gemüse das Angebot groß ist, sind die Preise niedriger. Wer also beim Kauf saisonale Ware bevorzugt, kann qualitativ hochwertige Lebensmittel zu günstigen Preisen einkaufen.
     
  • Unterstützung der regionalen Landwirtschaft
    Wer saisonales Obst und Gemüse aus Deutschland kauft, kauft meist Produkte aus der Region. So erhält man während der Erdbeerzeit die roten Früchte in München von bayrischen Obstbauern, während die Frankfurter die Früchte von hessischen Erzeugern kaufen können. Da die Früchte nur einen kurzen Weg zum Marktstand oder Lebensmittelgeschäft haben, kommen sie frisch, reif und geschmackvoll in guter Qualität zum Kunden.
     
  • Abwechslungsreiches Angebot
    Wer Wert auf saisonale Produkte legt, kauft automatisch im Jahresverlauf immer wieder andere Obst- und Gemüsesorten, da die einzelnen Fruchtarten nur eine gewisse Zeit im Handel sind. Diese Käuferschicht ist meist auch bereit, nicht nur die üblichen Obst- und Gemüsesorten wie Erdbeeren, Möhren und Tomaten zu kaufen, sondern auch nicht so bekannte Sorten wie Mirabellen, Renekloden oder Schwarzwurzeln.  
     
  • Bewussteres Erleben der Jahreszeiten
    Menschen, die saisonal einkaufen, haben meist auch ein Interesse am Anbau und Ernte von Obst und Gemüse. Durch das saisonale Einkaufen entwickeln Sie ein Gespür für das jahreszeitliche Angebot und können auch abschätzen, wie das Wetter das Angebot beeinflussen kann.

Passen exotische Früchte und Ökobewusstsein zusammen?

Heutzutage  gehören  exotische Früchte wie Bananen, Orangen, Mandarinen und Zitronen ganz selbstverständlich zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Sie bringen nicht nur Abwechslung in den Speiseplan, sondern versorgen uns auch reichlich mit Vitaminen und Mineralstoffen. Aber auch für exotische Früchte gibt es ähnlich wie bei heimischem Obst Saisonzeiten, die es zu beachten gilt. So variiert gerade das Angebot an Orangen, Mandarinen oder Feigen je nach Jahreszeit. In den Wintermonaten, in denen diese Früchte Saison haben, ist nicht nur die Auswahl größer, sondern  auch die Qualität besser. Deshalb sollten auch exotische Früchte saisonal gekauft werden.

Wer umweltbewusst einkaufen möchte, kauft möglichst exotische Früchte, die mit dem Schiff transportiert werden wie zum Beispiel Bananen, Ananas, Avocados, Limetten, Mangos und Papayas. Die Ökobilanz bei mit dem Flugzeug transportierten Früchten ist deutlich schlechter. Hierzu gehören unter anderem Baby-Bananen, Guaven, Litchis, Karambolen, Passionsfrüchte, Physalis und Tamarillos.

Manche Südfrüchte wie Zitronen, Orangen und Honigmelonen wachsen nicht nur in Südamerika oder Südafrika, sondern auch in Südeuropa und Israel. Beim Kauf dieser Früchte lohnt ein Blick auf die Kennzeichnung, denn Ware aus Südeuropa ist ökobilanzmäßig günstiger als Obst jenseits des Ozeans.

Saisonal einkaufen – So geht´s

  • Der Saisonkalender hilft
    Wer nicht weiß, wann welches Obst und Gemüse gerade Saison hat, kann sich leicht am Saisonkalender orientieren. Dieser gibt Auskunft, wann welche Obst- und Gemüsesorten Saison haben und in großer Auswahl im Handel erhältlich sind.

    zum Saisonkalender
     
  • Einkauf bei Direktvermarktern und auf Wochenmärkten
    Wer direkt beim Erzeuger kauft, bekommt die Produkte angeboten, die gerade geerntet wurden. Diese können in Hofläden oder auf dem Wochenmarkt erworben werden. Zudem bieten manche Erzeuger einen Lieferdienst an, der einem wöchentlich eine Kiste mit regionalem und saisonalem Obst und Gemüse nach Hause liefert.
     
  • Nicht vor der Hauptsaison kaufen
    Manche Händler bieten schon kurz vor der eigentlichen Hauptsaison Früchte an, die sie dann in der Regel aufgrund des noch geringeren Angebots zu höheren Preisen verkaufen wollen. Ein bekanntes Beispiel sind Erdbeeren im März. Da diese frühen Früchte meist noch keine gute Qualität haben, weil der Geschmack zu wünschen übrig lässt, lohnt sich das Warten auf die Hauptsaison. Lässt sich anhand des Aussehens der Reifegrad nicht beurteilen, kann man im Geschäft nachfragen.

Stand: Juli 2018