Lieferservice und „Take-Away-Food“- geht das nachhaltig?

In Corona-Zeiten leidet die Gastronomie ganz besonders unter dem Lock-Down. Bis zum 15. Mai, wenn Restaurants unter Auflagen wieder öffnen dürfen, versuchen viele Betriebe sich mit einem Liefer- und Abholservice für zubereitetes Essen über Wasser zu halten. Auch darüber hinaus wird der Lieferservice vielerorts Bestand haben. Die Kehrseite dabei ist die erhebliche Zunahme von Verpackungsmüll.

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Lieferservice in Corona-Zeiten

Von der Burger-Bude bis zum Sterne-Lokal

Mehr als 70.000 Restaurants gibt es in Deutschland, vom Burgerbrater bis zum Sterne-Restaurant. Die behördlich angeordnete Schließung wegen der Corona-Pandemie war aufgrund des existenzbedrohenden Umsatzverlustes für alle katastrophal. Aus der Not heraus haben Gastronomen nach Alternativen zum normalen Restaurantbetrieb gesucht, sind auf Abhol- und Lieferdienste umgestiegen und bieten Mahlzeiten auf telefonische oder Online-Bestellung an. Auch nach der Lockerung am 15. Mai 2020 wird der Liefer- oder Abholservice vielerorts Bestand haben, zumal viele Restaurants gar nicht fürs Publikum öffnen, da es sich für sie aufgrund der hohen Auflagen wirtschaftlich nicht lohnt.

Online-Bestellung und Lieferservice nutzen

Neben den bekannten Plattformen für Essenbestellungen, die auf Provisionsbasis arbeiten, haben sich kurzfristig andere Anbieter für diese Dienstleistungen am Markt etabliert. Einige davon – vorwiegend lokale Anbieter - bieten ihren Service sogar kostenlos für Gastronomen und Kunden an. Während die etablierten Lieferdienste die per App bestellten und bezahlten Gerichte in der Regel anliefern, können Kunden bei einigen Non-Profit-Portalen die Bestellung per PC oder Smartphone vornehmen und das Essen zu festgelegten Zeiten im Restaurant ihrer Wahl abholen. Kontaktloses Bezahlen und die Vermeidung lästiger Wartezeiten inbegriffen.

Neben den geschilderten Bestellmöglichkeiten über ein Portal bieten viele Restaurants auch die Möglichkeit, die aus einer Take-Away-Karte ausgewählten Speisen zu bestellen und vor Ort abzuholen. Einige Gastwirte bringen die Gerichte sogar bis ans Auto, so dass die Kunden nicht einmal aussteigen müssen.

Mehr als Pizza und Fastfood

Was erwartet die Verbraucher bei der Online-Essen-Bestellung? Inzwischen geht das Angebot weit über die Pizza aus dem Pappkarton hinaus. Die gegenwärtigen Take-away Angebote können teilweise qualitativ - und preislich - mit Feinschmeckermenüs aus dem Sternerestaurants mithalten. Dies auch deshalb, da sie von ebensolchen angeboten werden. Die Corona-Krise macht’s möglich.

Verpackung ja – aber geht es auch ohne Müll?

Üblicherweise werden Delivery-Meals in Verpackungen aus Karton, Styropor oder Plastik ausgeliefert. Während die Kunststoffbehälter wie Schalen, Beutel, Schachteln bei sachgerechter Entsorgung in aller Regel recycelt werden können, gilt das für die mit Essensresten und Fettflecken verunreinigten Pappkartons nicht. Etwa 50.000 Tonnen Pizzakartons landen nach Angaben des Naturschutzbundes NABU jährlich in der Verbrennungsanlage. Diese vor Corona erhobenen Zahlen dürften inzwischen deutlich angestiegen sein. Insgesamt entstehen pro Jahr in Deutschland rund 280.000 Tonnen Müll allein durch Take-away Verpackungen. Rund ein Drittel davon besteht aus Kunststoffen (über 105.000 Tonnen), der Rest besteht größtenteils aus Karton-, Papp- oder Papiermaterialien.

Sind Biokunststoffe oder Papierverpackungen die Lösung?

Lieferdienste und Gastgewerbe steigen inzwischen vermehrt auf Biokunststoffe oder Papier- und Kartonverpackungen um. Letztere werden aus Holz hergestellt, so dass bei dem geschätzten jährlichen Verbrauch rechnerisch rund eineinhalb Millionen Fichten dafür gefällt werden müssten. Zudem sind viele der auf Papier basierenden Verpackungen mit Kunststoffen beschichtet, was ihre Wiederverwertbarkeit kaum möglich macht.

Auch auf nachwachsenden Rohstoffen basierende Biokunststoffe sind keine Lösung. Denn diese lassen sich nur industriell und nicht konventionell kompostieren. Außerdem ist die Ökobilanz der Biokunststoffe nicht besser als die von konventionellem Plastik aus Erdölprodukten.

Mehrweg statt Einweg – ist das der Königsweg?

Naturschützer würden dem sicherlich zustimmen. Allerdings müssen nicht nur Verbraucher davon überzeugt werden, zumal Mehrwegsysteme nicht zum Nulltarif zu haben sind. Auch die Gastronomiebetriebe sind gefordert, entsprechende Angebote bereitzustellen, was jedoch eine komplexe Logistik erforderlich macht: Es werden sowohl die entsprechenden Behältnisse benötigt als auch das Personal, welches die Ausgabe und Rücknahme sowie die fachgerechte Reinigung der Mehrwegverpackungen übernimmt. Dies alles ist kostenintensiv. Zudem sind – insbesondere in Corona-Zeiten – umfangreiche Maßnahmen zur Sicherstellung der Hygiene zu treffen, was sich derzeit wohl als größtes Hindernis erweisen dürfte.

Fazit

Die Corona-Krise ist zu einer nie dagewesenen existentiellen Bedrohung für die gesamte Gastronomie geworden. Die Umstellung auf Liefer- und Abholservice wird für viele Betriebe zum Rettungsanker. Wer den Service in Anspruch nimmt, sollte darauf achten, das Verpackungsmaterial sauber und sachgerecht zu entsorgen, damit es recycelt und somit dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden kann. Mehrwegverpackungen sind aus Umwelt- und Naturschutzgründen wünschenswert, jedoch bis auf Weiteres aus logistischen und hygienischen Gründen nur schwierig einzusetzen. (ack)

Stand: Mai 2020