„Einmal ohne Verpackung, bitte!“ – Müllfrei einkaufen

Beim Einkaufen entsteht viel Verpackungsmüll – geht das nicht auch anders? Ein Münchner Verein hat eine Kampagne ins Leben gerufen, mit der Geschäfte und Lokalitäten darauf hinweisen können, dass es bei ihnen möglich ist, Lebensmittel in eigene Behältnisse zu füllen. Wie können Verbraucher beim Einkaufen Verpackungen einsparen und gibt es eigentlich hygienische Bedenken?

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Unverpackt einkaufen mit eigener Vorratsdose

„Einmal ohne Verpackung, bitte“

Der gemeinnützige Münchner Verein „rehab republic e.V.“ hat das Projekt „Einmal ohne, bitte“ ins Leben gerufen. Dabei geht es um die Vermeidung von Verpackungsmüll, zum Beispiel beim Einkauf oder Essen zum Mitnehmen. Einzelhändler, wie Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien, Metzgereien oder Bars, Restaurants und Imbisse können mit einem Aufkleber am Fenster, der Theke oder im Eingangsbereich darauf hinweisen, dass Kunden bei ihnen Brot, Käse, Wurst oder andere Lebensmittel ohne eine produkteigene Verpackung erwerben können. Stattdessen können sich die Kunden die jeweiligen Produkte in mitgebrachte Behältnisse wie Kunststoffdosen, Schraubgläser oder Brotbeutel füllen lassen.

Auf der Website zur Kampagne gibt es eine interaktive Karte, auf der alle teilnehmenden Geschäfte und Lokalitäten eingezeichnet sind.

Einziger Nachteil: Bisher nur im Raum München

Bis jetzt gibt es das Projekt nur in München. Doch das soll sich bald ändern. Das Team des Vereins hat die Kampagne Ende 2019 als Crowdfunding-Projekt ausgerufen und finanzielle Unterstützung erhalten, um das Projekt auch in weiteren deutschen Städten realisieren zu können.

Verpackungsfrei einkaufen - wie geht das am besten?

Verbraucher können auch jetzt schon so viele Einkäufe wie möglich verpackungsfrei durchführen. Nicht selten liefern Geschäfte, Lokale oder Initiativen sogar schon einige Anreize dazu, auch in Hessen.

  • Baumwollnetze für Obst und Gemüse: Viele Supermärkte und Discounter bieten direkt an der Obst- und Gemüsetheke Baumwollnetze an, mit denen die losen Lebensmittel eingepackt werden können. Die Netze können ganz einfach in der Waschmaschine gereinigt werden und sind dann wieder einsatzbereit.
  • Brotbeutel: Ähnlich wie bei Obst und Gemüse gibt es auch für Brot und Brötchen Transporttaschen. Wer sich mit einem solchen Brotbeutel zum Bäcker begibt, macht die klassischen Papiertüten überflüssig.
  • Einkaufen mit Jutebeutel, Einkaufskorb oder Rucksack: Wer seinen Einkauf gut plant, kann in etwa abschätzen wie viel er mit nach Hause nehmen wird und kann sich dementsprechend mit ausreichend Einkaufstaschen und Transportkisten ausstatten. Für spontane Abstecher in den Supermarkt empfiehlt es sich, immer einen Mehrwegbeutel dabei zu haben.
  • Frischetheke statt Kühlregal: Wer Käse und Wurst an der Frischetheke kauft, spart ebenfalls Verpackungsmüll.
  • BecherBonus für den Kaffee-to-go: Bei teilnehmenden Geschäften, Bäckereien und Lokalitäten in Hessen und Rheinland-Pfalz bekommen Kunden einen Rabatt von mindestens zehn Cent pro Heißgetränk, wenn sie ihren eigenen wiederverwendbaren Becher mitbringen. Ob sich ein Geschäft an der Aktion beteiligt, ist zum Beispiel am BecherBonus-Logo im Schaufenster zu erkennen.
  • Mehrweg, Glas und Karton statt Tetrapak und Plastik: Auch Milch, Joghurt oder Sahne gibt es, ähnlich wie Mineralwasser, bereits in Pfandflaschen und –gläsern zu erwerben. Wer auf weniger Müll beim Einkaufen achten möchte, sollte generell eher zu Karton und Glas greifen, denn diese Verpackungsmaterialien lassen sich leichter recyceln und wiederverwerten. Noch besser sind natürlich Mehrweg-Alternativen.
  • Unverpackt-Laden: Die Krönung des müllfreien Einkaufs ist natürlich der Unverpackt-Laden. In immer mehr Städten und Gemeinden gibt es so ein Geschäft, das sämtliche Waren lose anbietet. Kunden bringen hier ihre eigenen Gefäße zum Abfüllen und Einpacken mit. Im Laden wird dann das leere Gefäß gewogen, die gewünschte Ware in das Gefäß abgefüllt und anschließend an der Kasse bezahlt. Die Lebensmittel befinden sich hauptsächlich in großen Abfüllbehältern.
  • Wochenmarkt und Hofladen: Ein müllfreier Einkauf ist auch direkt beim Erzeuger möglich. Ob Eier, Obst, Gemüse oder Fleischprodukte – frische Lebensmittel aus der Region können auch hier in mitgebrachte Behältnisse verpackt werden.

Gibt es Hygiene-Bedenken beim Mitbringen von eigenen Behältnissen?

Wer im  Supermarkt unverpackt einkaufen gehen möchte und hierfür die eigenen Behälter mitbringt, stößt an den Frischetheken häufig an Grenzen. Grund dafür sind die strengen Hygienevorschriften beim Verkauf von loser Frischware, wie Käse oder Wurst. Das Herüberreichen von eigenen Dosen, Boxen und Schraubgläsern ist daher meist nicht erlaubt, schließlich können die Kunden die Sauberkeit der Behältnisse nicht garantieren und Keime können aus den privaten Behältnissen auf die Waren übergehen.

Bieten Supermärkte oder andere Lebensmittelgeschäfte den Service an, dass Kunden ihre eigenen Boxen mitbringen können, muss das Verkaufspersonal gewissenhaft mit diesen Behältnissen hinter der Theke umgehen. Messer, Zangen oder Löffel dürfen nicht damit in Berührung kommen. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Kunden ihre Behälter auf ein Tablett auf der Theke abstellen und dort befüllen lassen.

Einige Einzelhändler bieten mittlerweile Mehrweg-Systeme für Verpackungen an den Frischetheken an. Kunden können eine geschäftseigene Frische-Dose beim Kauf von Käse oder Wurst erhalten und diese an der Kasse mitbezahlen. Beim nächsten Einkauf kann dann die gespülte Dose wieder abgegeben werden. Diese Dosen landen dann für eine gründliche Reinigung im Mehrwegkreislauf des Supermarkts. Neue Ware wird nicht wieder direkt hineingefüllt. (Sie)

Stand: März 2020