Bakterienschleuder Küchenschwamm: Zeit zum Auswechseln!

Man findet sie an fast jedem Spülbecken, ob in der Kaffeeküche im Büro oder in den eigenen vier Wänden: Die Rede ist von Spülschwämmen, bei denen niemand mehr weiß, wie lange sie tatsächlich schon in Gebrauch sind. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nun, wie keimbelastet Spül- und Küchenschwämme sein können. Zeit, ein Auge aufs Spülbecken zu werfen!

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Küchenschwamm am Spülbecken

Was wurde in der Studie überhaupt untersucht?

Die Mikrobiologen an der Hochschule Furtwangen, der Universität Gießen und dem Helmholtz Zentrum München überprüften 14 gebrauchte Schwämme aus den Haushalten von Studierenden und Mitarbeitern der Hochschule Furtwangen auf den Keimgehalt und haben darüber hinaus die Arten der Bakterien identifiziert. Hierzu wurden die Ober- und Unterseiten der Schwämme zusätzlich getrennt voneinander untersucht, sodass letztendlich die Ergebnisse von 28 Proben in die Studie mit einflossen.

Wie viele Keime konnten nachgewiesen werden und fanden sich auf den Schwämmen auch mögliche Krankheitserreger wieder?

Die untersuchten Spülschwämme beherbergten bis zu 50 Milliarden Bakterien pro Kubikzentimeter Schaumstoff aus 362 verschiedenen Bakterien-Arten. Solche Konzentrationen sind vergleichbar mit Fäkalproben und sollten in der Küche besser nicht vorkommen!

Grund für die enorme Besiedlung der Schwämme sind hervorragende Lebensbedingungen für Keime aller Art: Neben einer großen Oberfläche zum Aufwachsen, bieten die Schwämme überdies viel Feuchtigkeit sowie viele Nährstoffe aus Lebensmittelresten oder Schmutz.

Bei den am häufigsten identifizierten Bakterienarten handelte es sich um Umwelt- und Wasserbakterien, aber auch um Keime, die typischerweise die menschliche Haut besiedeln. Diese Bakterien sind bedingt als gesundheitsschädlich einzustufen. Bei immungeschwächten Menschen, wie etwa Kranken oder Alten, können z.B. Bakterien wie Acinetobacter johnsonii, Moraxella osloensis und Chryseobacterium hominis Infektionen der Atemwege hervorrufen. Allerdings muss die tatsächliche Übertragbarkeit der Keime vom Schwamm auf den Menschen noch weiter untersucht werden.

Moraxella osloensis steht außerdem im Verdacht schlechte Gerüche zu verursachen und ist daher wohl maßgeblich am üblen Gestank alter Spülschwämme beteiligt.

Fäkalbakterien, Lebensmittelvergifter oder Durchfallerreger wie etwa Salmonellen wurden hingegen auf den untersuchten Spülschwämmen kaum nachgewiesen.

Vorsicht bei möglichen Maßnahmen gegen die Keime im Schwamm

Die Wissenschaftler erfragten außerdem von den Besitzern, ob Maßnahmen zur Reinigung der Spülschwämme stattgefunden haben. Dabei gaben die meisten Personen an, die Schwämme entweder mit heißem seifigem Wasser ausgewaschen oder aber kurz in der Mikrowelle erhitzt zu haben. Diese Methoden waren bereits von Forschern in früheren Untersuchungsstadien empfohlen worden, um das Bakterienwachstum zu verringern.

Nach der Untersuchung der Spülschwämme stellte sich jedoch heraus, dass diese Methoden, sogar noch höhere Bakterienkonzentrationen auf den Spülschwämmen hinterließen. Die Forscher der Studie gehen davon aus, dass bei jeder Reinigung schwächere Keime abgetötet werden, jedoch stärkere resistentere sich weiter auf dem Schaumstoff ausbreiten.

Des Weiteren raten die Mikrobiologen vom Abtöten der Keime in der Mikrowelle dringend ab! Hier besteht die Gefahr, dass sich die Erreger auch auf den Lebensmitteln verteilen, welche danach in der Mikrowelle zubereitet werden.

Was kann man tun, um eine derartige Keimbesiedelung im Spülschwamm zu verhindern?

Sinnvoller und hygienischer als ein häufiges Reinigen, ist das regelmäßige Austauschen der Spül- und Küchenschwämme. Dies sollte bestmöglich einmal pro Woche geschehen. Übrigens hat die Studie in neu gekauften Schwämmen keinerlei mikrobielle Besiedelung nachweisen können.

Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse beschreiben nicht die Keimbelastung von Spül- und Küchenschwämmen im Allgemeinen, sondern beziehen sich ausschließlich auf die für die Untersuchung herangezogenen Schwämme. Um hygienischen Mängeln vorzubeugen, empfiehlt das VerbraucherFenster die oben genannten Tipps zu berücksichtigen.

Stand: September 2017