Mehlwürmer und Co. als Lebensmittel – nährstoffreich aber noch gewöhnungsbedürftig

Insekten auf dem Teller sind kein Science-Fiction mehr. Mittlerweile findet man Proteinriegel aus Mehlwürmern, Insektenburger oder Mehlwurmpralinen im Handel. Die Verbraucher reagieren zwar noch verhalten auf die neuartigen Fleischalternativen, aber das könnte sich bald ändern. Die enthaltenen Nährstoffe können sich zumindest sehen lassen.

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Insekten auf Teller und Löffel neben Salatschüssel und aufgeschnittenen Limetten

Insekten – das neue Superfood?

Noch können es sich nicht viele Verbraucherinnen und Verbraucher vorstellen: Insektenburger, frittierte Snacks, Insektenmehl oder Mehlwurmpralinen. Die Resonanz auf erste Insekten-Produkte ist zumindest noch etwas zögerlich. Laut verschiedener Verbraucherumfragen können sich 15 bis 20 Prozent der Befragten vorstellen, Insekten zu essen.

Das könnte sich aber noch ändern und vielleicht wird das „Insektenfleisch“ der nächste Superfood-Trend. Die Inhaltsstoffe sind diesbezüglich recht vielversprechend.

So sind Insekten wahre Proteinbomben – einige Grillen- und Heuschreckenarten haben einen Proteingehalt von bis zu 70 Prozent bezogen auf ihre Trockenmasse. Auch die Aminosäurezusammensetzung, die Aufschluss über die Qualität des enthaltenen Proteins gibt, kann sich sehen lassen. Diese entspricht nämlich voll und ganz den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Insekten sind reich an einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren und weisen - ähnlich wie Fisch - ein günstiges Omega-3 und Omega-6-Fettsäureverhältnis auf. Je nachdem, welche Insektenart auf dem Teller landet, können diese ganz cholesterinfrei und reich an Mineralstoffen und Vitaminen sein, wie etwa Eisen, Zink, Selen, Folsäure, Riboflavin, Biotin. Diese Tatsache macht Insekten zu einer interessanten und gleichzeitig gesünderen Alternative für Fleisch oder Wurstwaren.

Doch längst nicht alle Insekten sind für Menschen genießbar. Derzeit gelten etwa 2.000 Insektenarten als zum Verzehr geeignet. Hierzu zählen beispielsweise Käfer, Raupen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer.

Insekten zu verspeisen ist hierzulande noch relativ neu, daher werden gesetzliche Regelung erst nach und nach auf den Weg gebracht. Generell gilt aber: Insekten, die für den menschlichen Verzehr gedacht sind, müssen in der EU zunächst gesundheitlich bewertet und nach der Novel-Food-Verordnung zugelassen werden.

Mehlwurm als neuartiges Lebensmittel zugelassen

Die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten haben als erstes Insekt den gelben Mehlwurm als neuartiges Lebensmittel zugelassen. Auch von der EU-Lebensmittelbehörde EFSA ist das Insekt als sicher befunden worden. Nun kann die getrocknete Larve des Mehlkäfers (Tenebrio molitor) im Ganzen als Snack oder gemahlen angeboten werden. Außerdem kann sie als Zutat in Lebensmitteln, wie etwa Nudeln oder Keksen, mit einem Anteil von maximal zehn Prozent verwendet werden.

Zunächst gilt die Zulassung für fünf Jahre und nur für das antragstellende, französische Unternehmen. Auch nur dieses darf die Larven zunächst verkaufen. Erst nach Ablauf des dieser fünf Jahre können auch weitere Anbieter in den Wettbewerb um die Vermarktung des Wurms einsteigen.

Weitere Anträge liegen bereits vor

Weitere Anträge zu Insekten als Lebensmittel liegen bereits vor. Allerdings kann sich die Zulassung über Monate hinziehen. Aufgrund einer Übergangsregelung darf dennoch bis zur endgültigen Entscheidung alles, was bereits angeboten wird, weiterhin im (Internet-)Handel vermarktet werden. Dies ist nicht ganz unproblematisch, da diese Produkte noch nicht von der EFSA auf ihre Sicherheit begutachtet worden und gesundheitliche Risiken möglich sind.

Vorsicht bei Allergien!

Personen, die zu Allergien neigen, sollten beim Verzehr von Insekten wie dem Mehlwurm übrigens generell vorsichtig sein. Durch den hohen Proteingehalt besteht ein erhöhtes Risiko für Allergien, wie es etwa bereits bei Krustentieren bekannt ist.

Einsatz von Arzneimitteln oder Chemikalien kaum kontrolliert und es gibt noch keine Hygienevorgaben bei der Aufzucht

Speiseinsekten, die in Deutschland im Lebensmittelhandel angeboten werden, kommen aus kontrollierter Aufzucht. So gibt es mittlerweile in vielen Ländern Insektenfarmen, etwa in den Niederlanden, Spanien und Deutschland. Woher die Insekten genau stammen, muss auf der Verpackung des jeweiligen Produkts ausgewiesen werden.

Allerdings gibt es noch Verbesserungsbedarf. So geben die Insektenzüchter zwar an, dass die Aufzucht ohne den Einsatz von Antibiotika, Hormonen oder Chemikalien auskommt, doch gibt es diesbezüglich bisher keine neutralen Kontrollen. Auch fehlt es den insektenproduzierenden und –verarbeitenden Betrieben noch an Hygienevorgaben.

Tierschutz in der Insektenzucht?

Laut Stand der Forschung können Insekten keinen Schmerz empfinden. Dennoch müssen auch bei der Insektenanzucht Fragen rund um eine artgerechte Haltung, Fütterung und Tötung noch geklärt werden. Wie viel Platz brauch eine Insektenart? Ist im Krankheitsfall der Einsatz von Arzneimitteln wie Antibiotika oder Fungiziden möglich? Und wie kann eine schonende Tötung aussehen? In Deutschland existieren aktuell keine Haltungsvorschriften.

Bezüglich der Fütterung gilt bisher nur die Futtermittelhygiene-Verordnung. Diese legt die Kriterien für Futtermittel fest, die für die Aufzucht von zur Lebensmittelgewinnung bestimmten Tieren produziert werden. Demnach dürfen zum Beispiel keine Lebensmittelabfälle verfüttert und nur für Futtermittel zugelassene Zusatzstoffe eingesetzt werden. (Sie)

Stand: Juni 2021