Macht`s die Milch?

Seit Ende Juni 2018 ist sie im Amt und möchte Verbraucherinnen und Verbrauchern die Milch näher bringen: Laura Burger ist die 11. Hessische Milchkönigin. Sie macht dabei nicht nur Werbung für Kuhmilch, sondern auch für Schaf- und Ziegenmilch. Im Gespräch mit VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke erzählt sie, was sie an der Milch fasziniert, wie sie für Milch begeistern möchte und warum sie um Verständnis für Milcherzeuger bittet, die einen höheren Milchpreis fordern.

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11. Hessische Milchkönigin in den Kuhstallungen

VF: Sie sind jetzt gut zwei Monate im Amt. Wie ist Ihr erster Eindruck vom Amt der Milchkönigin?

Burger: Sehr positiv. Ich bin sehr begeistert und freue mich auf jeden Termin, den ich wahrnehmen kann. Ich habe zwar kein freies Wochenende mehr, aber wenn ich dann in meinem Auto sitze und mein Krönchen aufhabe, ist alles gut und die Anstrengungen sind vergessen. Die Begeisterung der Menschen ist groß und deswegen fahre ich gerne zu den Terminen.

VF: Hatten Sie schon viele Einsätze?

Burger: Bisher waren es circa zwanzig. Meinen ersten Auftritt hatte ich beim Deutschen Bauerntag, einem sehr wichtigen Termin, der wunderbar war. Im Moment stehen sehr viele Einsätze an, so dass ich teilweise sogar zwei Termine an einem Tag habe und dann vor- und nachmittags unterwegs bin.

VF: Sind Sie jetzt bei jedem Fest  und jeder Viehprämierung dabei?

Burger: Nein. Ich kann schon ein stückweit selbst entscheiden, an welchen Terminen ich teilnehme. Ich schaue auch, wie es zeitlich mit dem Beruf zusammenpasst. Da die Hessische Milchkönigin viele Anfragen bekommt, kann ich nicht jede Einladung annehmen. Der Schwerpunkt meiner Einsätze liegt auf Veranstaltungen, die einen landwirtschaftlichen Bezug haben.

VF: Was bewegt eine junge Frau dazu, Ihre Freizeit für die Milch zu opfern, wenn sie es schon beruflich tut?

Burger: Ich möchte Brücken bauen, Verständnis für die Landwirtschaft in der Bevölkerung wecken und für Berufe in der Landwirtschaft sensibilisieren und natürlich auch das Interesse für Milchprodukte wecken.

VF: Ihre Aufgabe ist es, Verbraucherinnen und Verbrauchern  näher zu bringen, wo die Milch herkommt, wie Milch und Milchprodukte verarbeitet werden und welche Bedeutung Milch und Milchprodukte für unsere Gesundheit haben. Missionieren Sie die Verbraucherinnen und Verbraucher?

Burger: Ich sage schon, dass Milch wichtig für die Ernährung ist, weil Mineralstoffe  und Vitamine drin sind, die für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung wichtig sind, aber ich möchte niemanden bekehren.

VF: Wie steht es um die Bildung der Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem Punkt? Kennen sie die Entstehungs- und Verarbeitungsprozesse – wie ist Ihr Eindruck?

Burger: Es gibt zwei Gruppen in der Gesellschaft. Die eine Gruppe, die weiß, wo die Milch herkommt und dass es noch einen Bauern im Ort gibt. Auf der anderen Seite gibt es Verbraucher, die sich über die Herkunft ihrer Lebensmittel keine Gedanken machen. Sie achten eher darauf, günstig einzukaufen und einen niedrigen Preis zu zahlen und weniger darauf, ob das Produkt beispielsweise regional erzeugt wurde. Diese Verbraucher kennen dann oftmals auch nicht den Unterschied zwischen Jungvieh und Kuh oder zwischen Magermilch und Vollmilch. Um das Wissen zu verbessern, machen wir Hofführungen und zeigen, wie Milch produziert wird.

VF: Es wird immer wieder betont, wie wichtig Milch- und Milchprodukte für unsere Gesundheit sind, für die Knochen, für die Nerven. Es gibt aber auch die Kritiker, die seit Jahren sagen: Milch macht krank. Sie verstopfe Arterien, verschleime den Magen, verursache Diabetes oder ließe die Knochen schwinden. Wie sehen Sie das?

Burger: Ich empfehle: Alles in Maßen genießen. Ich finde, dass Milch zu Unrecht in der Kritik steht. Milch ist seit fast 8000 Jahren ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung.

VF: Wieso sollte ich Milchprodukte zu mir nehmen?

Burger: Weil Milch viele Vitamine und Mineralstoffe enthält und wichtig für den Knochenbau ist und man sich nach dem Konsum fitter und leistungsfähiger fühlt.  Das Milcheiweiß ist auch gut für Muskeln, Organe, Haare, Haut und Nägel.

VF: Wie begeistern Sie die Menschen für die Milch? Grade auch in einer Zeit, wo kalorienarme Ernährung immer mehr in den Fokus rückt und eine ordentliche Milchportion sich ja auch auf die Kalorienbilanz auswirkt.

Burger: Milch gibt es ja in so vielen Varianten. Nehmen wir beispielsweise die Trinkmilch - da gibt es zig verschiedenen Sorten: unterschiedliche Fettgehalte, Wärmebehandlungsverfahren, Milch mit Geschmack und ohne, Kaffee mit Milch und so weiter. Bei den anderen Milchprodukten wie zum Beispiel Joghurt, Quark oder Käse ist die Bandbreite mit unterschiedlichen Fettgehaltsstufen und Geschmacksrichtungen auch riesengroß. Ich glaube, da lässt sich für jeden etwas Passendes finden – auch für diejenigen, die kalorienreduziert essen möchten.

VF: Sie möchten den Verbraucherinnen und Verbrauchern auch beibringen, wo die Milch herkommt und wie sie verarbeitet wird. Demonstrieren Sie das praktisch?

Burger: Ja. Leider kann ich nicht meine Kuh mitnehmen, aber zum Glück gibt es Holzkühe, an denen ich Kindern oder Erwachsenen das Melken erklären kann. Oder ich zeige, wie Butter entsteht: Hierfür nehme ich dann ein Glas mit Sahne und schüttele diese bis sie fest und schließlich zu Butter geworden ist. Auf Schaubühnen mache ich auch manchmal Kochkäse.

VF: In Hessen haben wir das Projekt „Bauernhof als Klassenzimmer“, in dem wir mit landwirtschaftlichen Partnerbetrieben zusammenarbeiten und Jung und Alt zeigen, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie diese erzeugt werden. Hier besteht ein direkter Anknüpfungspunkt zu Ihrer Arbeit. Machen Sie das Projekt in Ihrer Arbeit publik?

Burger: Ja. Wenn mich jemand auf Betriebsbesichtigungen für Schulklassen anspricht, weise ich auf das Projekt hin.

VF: Das Thema „Milch“ verbindet man automatisch auch mit Milchmarktkrise, sinkenden Preisen und klagenden Bauern. Viele Verbraucher nervt das. Schaffen Sie es mit Ihrem Amt, hier für Verständnis und eine andere Einstellung zu werben? Oder verstehen Sie die Verbraucher?

Burger: Ich verstehe beide Seiten: den Verbraucher, der sagt, er könne es in den Nachrichten nicht mehr hören, aber auch den Bauern. Durch den Sommer in diesem Jahre haben viele Menschen vielleicht auch für die Landwirtinnen und Landwirte Verständnis entwickelt, weil sie im eigenen Garten gesehen haben, wie schnell alles verdorrt und nichts mehr wächst.

Mit der Milch ist das so: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sehen gar nicht, was für Arbeit hinter der Milch steckt. Wenn wir uns beklagen, dass wir für den Liter Milch 40 Cent haben wollen anstatt unter 30 Cent, dann sagt der Verbraucher: Ach diese 10 Cent. Aber 10  Cent mehr pro Liter Milch machen viel aus. Was dahinter steckt bei diesem Beruf, sehen viele nicht. Es ist ein 24- Stunden-Job. Wir  Landwirte müssen immer da sein, haben keinen Urlaub und kaum Freizeit. Es ist ja nicht nur melken und misten und füttern, sondern auch Futter beschaffen, planen für das nächste und das Folgejahr sowie bauliche Maßnahmen zu realisieren, zum Beispiel aufgrund des zunehmenden Wunsches der Verbraucher nach Tierwohl. Wenn man dem Verbraucher erklärt, dass man immer für die Tiere da sein muss, dann versteht er die Forderung.

VF: Sie repräsentieren als hessische Milchkönigin die hessischen Molkereien. Sind Sie für die eine gute Werbebotschafterin? 

Burger: Als Hessische Milchkönigin repräsentiere ich die gesamte hessische Milchwirtschaft und bin dabei neutral. Das heißt, ich mache keine Werbung für eine bestimmte Molkerei oder Marke, sondern informiere allgemein rund um das Thema Milch von der Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zum Verbrauch im Haushalt.

VF: Was macht für Sie die Milch besonders?

Burger: Die Möglichkeiten mit der Milch und den Milchprodukten. Es gibt so viele Produkte, die man aus Milch machen kann: Ich kann Milch gleich trinken oder sie weiter verarbeiten zu Joghurt, Dickmilch, Buttermilch, Kefir, Butter, Sahne, Schmand oder zahlreichen Käsesorten wie Bergkäse und Frischkäse. Und die Milchprodukte lassen sich wiederum unglaublich vielseitig in der Küche verwenden, sowohl süß als auch herzhaft: Was wäre Pudding, Eis, eine Sauce Hollandaise oder eine Pizza ohne Milch, Sahne, Butter oder Käse? Das ist faszinierend.

VF: Was ist Ihr liebstes Milchprodukt?

Burger: Milchshakes in allen Variationen: Schoko, Erdbeer, Banane. Und ich esse gerne Bergkäse.

VF: Vielen Dank fürs Gespräch.

Stand: Oktober 2018

Hessische Milchkönigin

Das Amt der Hessischen Milchkönigin wurde von der Landesvereinigung Milch Hessen im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Die Amtszeit betrug zunächst ein Jahr, mittlerweile sind es zwei Jahre. Zu den Aufgaben der Hessischen Milchkönigin gehört, Verbraucherinnen und Verbrauchern näher zu bringen, wo die Milch herkommt, wie Milch und Milchprodukte verarbeitet werden und welche Bedeutung Milch(-produkte) für unsere Gesundheit haben. Die Hessische Milchkönigin übernimmt repräsentative Aufgaben und ist dabei viel unterwegs. Pro Jahr stehen 60-70 Termine auf Messen wie zum Beispiel der Land & Genuss in Frankfurt und der Internationalen Grünen Woche in Berlin, dem Hessentag, Bauernmärkten, Ernte- und Hoffesten und Tierschauen in ganz Hessen an. In diesem Jahr fand die Inthronisierung am 23. Juni in Bad Schwalbach erstmals auf einer Landesgartenschau statt.

Laura Burger

Laura I. ist die erste Hessische Milchkönigin, die aus dem Landkreis Groß-Gerau stammt. Die 23-jährige Landwirtin Laura Burger kommt aus Trebur. Hier bewirtschaften ihre Eltern gemeinsam mit ihrem Bruder einen Bauernhof mit Milchviehhaltung. Seit Beendigung ihrer Ausbildung arbeitet Laura Burger auf dem Bauernhof Kuhlmann GbR in Nauheim.

https://www.milchhessen.de/hessische-milchkoenigin eine Übersicht der Termine der Hessischen Milchkönigin