Fleisch aus der Retorte – ein Beitrag zum Klimaschutz?

Unsere Ernährungsweise wirkt sich auf das Klima aus. Denn Treibhausgase wie Methan oder Kohlendioxid resultieren auch aus der Erzeugung von Futtermitteln und der Haltung von Tieren. Können neuartige Technologien zur Erzeugung von künstlichen Fleisch dazu beitragen, die Ernährung der Weltbevölkerung sicher zu stellen, Tierleid zu vermeiden und Treibhausgase zu reduzieren?

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Fleisch auf Teller mit Rosmarin

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft – stimmt das?

Diese Werbung wurde seinerzeit durch die Agrarmarketing Gesellschaft CMA geprägt und hat sich über lange Zeit wie ein geschriebenes Gesetz im Bewusstsein vieler Verbraucher festgesetzt. Fakt ist: Durch den hohen Gehalt an hochwertigem Eiweiß liefert Fleisch tatsächlich einen wichtigen Beitrag zur Ernährung. Allerdings kann die Eiweißversorgung des Menschen auch durch vegetarische beziehungsweise vegane Ernährung sichergestellt werden, wenngleich dies ein wenig mehr Wissen und Planung bedarf.

Ist dieser alte Werbespruch der CMA also zu wörtlich genommen worden? Statistiken zufolge verzehren die Deutschen durchschnittlich 60 kg Fleisch pro Kopf und Jahr. Rund 85 Prozent der Bevölkerung isst täglich Fleisch, insbesondere Schweine- und Geflügelfleisch. Im Laufe seines Lebens verzehrt somit ein Deutscher durchschnittlich 1.094 Tiere, davon 945 Hühner, 46 Schweine, 46 Puten, 37 Enten, 12 Gänse, vier Rinder und vier Schafe.

Klimakiller Fleisch – aber wieso?

Abgesehen von den negativen Auswirkungen des hohen Fleischkonsums auf die Gesundheit wie die Zunahme von Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen wirkt sich die konventionelle Erzeugung von Fleisch schädlich auf die Umwelt aus. Der erhebliche Fleischkonsum insbesondere in den industrialisierten Ländern führt zu einer Verschwendung wertvoller Ressourcen und forciert den Klimawandel mit allen bekannten Folgen:

  • Die Rodung des Regenwaldes zum Anbau von eiweißhaltigem Soja setzt das Treibhausgas CO2 in hohen Mengen frei.
  • Die Bewirtschaftung von Futtermittelflächen erzeugt einen hohen Wasser- und Energieverbrauch. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden 15.000 Liter Wasser benötigt. Zum Vergleich: Für ein Kilogramm Kartoffeln werden nur 255 Liter benötigt.
  • Düngemittel erhöhen den Nährstoffeintrag in Böden und Gewässern.
  • Bei Rindern wird bei der Verdauung des Futters Methan gebildet.
  • Die anfallende Gülle trägt zur Nitratbelastung von Böden und Gewässern bei.

Um diesen Problemen zu begegnen werden Alternativen zur konventionellen Fleischerzeugung erforscht. Dazu zählt die Herstellung von künstlich erzeugtem Fleisch im Labor. Hat diese Technologie eine Zukunft? Wie reagieren Verbraucher darauf?  

In-Vitro-Fleisch – liegt die Zukunft im Laborfleisch?

Die neue Technologie funktioniert prinzipiell so: Am Tier wird eine kleine Probe Muskelgewebe entnommen. Im Labor vermehren sich die darin enthaltenen Muskelstammzellen durch Gewebezüchtung und Zellvervielfältigung so rasch, dass sie schließlich zu Muskel- und Fleischfasern zusammenwachsen. Zugesetzt werden muss aber ein Wachstumshormon, welches aus dem Blut von ungeborenen Kälbern gewonnen wird. Die Tücke steckt hier im ethischen Detail. Deshalb könnte ein künstlich hergestelltes Wachstumshormon die Lösung sein.

Weitere Forschungen auf diesem Gebiet können in Zukunft dazu führen, dass kein fötales Kälberblut entnommen werden muss, um das In-Vitro-Fleisch in der Petrischale zu vermehren.

Fleischverzicht oder Konsum von Laborfleisch?

Das Laborfleisch wird derzeit vom Verbraucher noch sehr kritisch gesehen. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht sich Befragungen zufolge gegen den Verzehr des künstlich erzeugten Fleisches aus, möchte aber gleichzeitig nicht völlig auf Fleisch verzichten. Was also tun?

Der maßvolle Konsum von Fleisch ist das Mittel der Wahl. Es muss nicht jeden Tag Fleisch auf den Tisch kommen. Und während der Grillsaison muss es nicht immer das Steak oder das Würstchen sein, das auf dem Rost landet. Es gibt schließlich viele schmackhafte Alternativen: Zum Beispiel schmecken Gemüsespieße mit den Grillaromen sehr gut, und auch das Auge isst bei Grilladen wie Paprika, Zucchini, Auberginen und ähnlichen Gemüsesorten mit.

Fazit

Alternative Fleischerzeugungsverfahren stecken noch in den Kinderschuhen und können Verbraucher offensichtlich noch nicht überzeugen. Hier bedarf es noch weiterer Forschung, insbesondere zur Gewinnung des benötigten Wachstumshormones. Auf Fleisch wollen viele Verbraucher trotzdem nicht verzichten. Wie bei vielem gilt: Manchmal ist weniger mehr. Fleischliebhaber können durch Einschränkung des Konsums ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, außerdem leben sie dadurch gesünder. Wie sich die alternativen Formen der Fleischerzeugung entwickeln, bleibt abzuwarten. (lan-ack)

Stand: Juni 2020