Insekten – unser Fleisch der Zukunft?

Die Weltbevölkerung wächst, Ressourcen werden knapper. Damit Milliarden Menschen satt werden gewinnen alternative Proteinquellen für die Nahrungssicherung immer mehr an Bedeutung. Wie gesund sind Insekten tatsächlich? Ist es wirklich umweltschonender und klimafreundlicher auf Maden und Heuschrecken als Nahrungsquelle zu setzen?

Fotolia_121317509_S.jpg

Heuschrecken auf Teller

Nährstoffreiche Krabbler

Insekten sind wahre Proteinbomben – einige Grillen- und Heuschreckenarten haben einen Proteingehalt von bis zu 70 Prozent bezogen auf ihre Trockenmasse. Auch die Aminosäurezusammensetzung, die Aufschluss über die Qualität des enthaltenen Proteins gibt, kann sich sehen lassen. Diese entspricht nämlich voll und ganz den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Insekten sind reich an einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren und weisen -  ähnlich wie Fisch - ein günstiges omega-3 und omega-6-Fettsäureverhältnis auf. Je nachdem welche Insektenart auf dem Teller landet, können diese ganz cholesterinfrei und reich an Mineralstoffen und Vitaminen sein, wie etwa Eisen, Zink, Selen, Folsäure, Riboflavin, Biotin. Diese Tatsache macht Insekten zu einer interessanten und gleichzeitig gesünderen Alternative für Fleisch oder Wurstwaren.

Nach Meinung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind Insekten das Mittel der Wahl für die Ernährungssicherung der stetig wachsenden Weltbevölkerung. Doch längst nicht alle Insekten sind für Menschen genießbar. Derzeit gelten etwa 2000 Insektenarten als verzehrsgeeignet.

Während es bisher keine rechtliche Regelung in der EU bezüglich ganzer Insekten als Lebensmittel gab und Insektenteile in Nahrungsmitteln nicht gestattet waren, ändert sich dies ab Januar 2018. Dann tritt die überarbeitete Novel Food Verordnung in Kraft, die auch die Zulassung bestimmter Insektenarten und Teile von Insekten für den Lebensmittelmarkt festlegt.

In vielen Ländern werden Insekten traditionell verspeist

Während die Bereitschaft Grillen und Raupen zu verspeisen in den westlichen Industrienationen noch gering ausfällt und die Tiere eher mit Lebensmittelkontaminationen oder Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht werden, stehen bei zwei Milliarden Menschen aus Afrika, Asien, Südamerika oder Australien Insekten tagtäglich auf dem Speiseplan. Hier stillen sie nicht nur den Hunger, sondern dienen auch dem Genuss. Zu diesem Zweck werden die Insektenarten hauptsächlich in der Wildnis gesammelt und anschließend auf Märkten zum Verkauf angeboten und zu Hause zubereitet.

Insektenfleisch: ressourcenschonend und ökonomisch

Im Vergleich zur konventionellen Tierhaltung von Kühen oder Schweinen wäre die Insektenaufzucht regelrecht sparsam und ressourcenschonend. Denn Maden, Käfer und Heuschrecken brauchen wesentlich weniger Futter um ein Kilogramm Protein zu produzieren: Während 1,7 Kilogramm Futter notwendig sind für ein Kilogramm Grillen, so sind es bereits 5-10 Kilogramm Futter für ein Kilogramm Zuwachs beim Schwein.

Für die Insektenaufzucht würden auch nur kleinere landwirtschaftliche Flächen und viel weniger Wasser oder Energie benötigt. Für den Klimaschutz überzeugen die Krabbeltiere aufgrund ihres wesentlich geringeren CO2-Ausstoßes gegenüber Schwein und Rind.

Eine im Jahr 2015 veröffentlichte Studie (Smetana, Mathys, Knoch 2015, s.u.) untersuchte die Ökobilanzen von Fleischalternativen. Hier schnitt der insektenbasierte Fleischersatz weitaus besser ab als die Produkte auf Milch-, Gluten- oder Pilzproteinbasis.

Sicherheits- und Gesundheitsrisiken beim Verzehr

Da es bisher kaum industrielle Zucht der Nahrungsinsekten gibt, kann das Sammeln in der freien Natur jedoch anderen Insektenarten und somit ganzen Ökosystemen gefährlich werden, denn viele Tiere und Pflanzen sind auf die sogenannten Kerbtiere in ihrem Lebensraum als Nahrung oder Pflanzenbestäuber angewiesen.

Für Menschen birgt der Verzehr von gesammelten Insekten mögliches krankmachendes Potenzial. Ernähren sich die Tiere etwa von mit Pestiziden behandelten Pflanzen, so können sie diese Giftstoffe in sich anreichern und an den Menschen weitergeben. Außerdem können, bei einer unzureichenden Erhitzung der Insekten während der Zubereitung, Bakterien, Parasiten und Viren durch den Verzehr übertragen werden.

Durch den hohen Proteingehalt besteht zusätzlich ein erhöhtes Risiko für Allergien, wie es etwa bereits bei Krustentieren bekannt ist.

Bleibt die industrielle Aufzucht der Insekten Science-Fiction?

Um Verbraucher vor den Gesundheitsrisiken schützen zu können, bliebe langfristig nur die industrielle Züchtung der Insekten. Auf diese Weise würden die Krabbeltiere kontrolliert überwacht, sei es bei der Fütterung oder der späteren Verarbeitung zu verschiedenen Nahrungsmitteln.

Doch Probleme könnten sich auch hier auftun, denn kontrollierte Zucht würde gleichzeitig Abermillionen Tiere auf kleinstem Raum und höchstwahrscheinlich auch Einsatz von Medikamenten bedeuten. Fraglich bliebe zudem welche Hygieneprobleme und Krankheiten durch die Insektenzucht aufkämen. Schwierig gestaltet sich auch der Futteranbau für die Insekten, denn für eine kontrollierte Aufzucht wird einwandfreies Futter benötigt.

Stand: Juni 2017