Waldmeister – duftender Bote des Frühlings

Steigende Temperaturen machen Lust auf kalte Getränke: neben Saftschorle und Aperol steht auch Mai-Bowle hoch im Kurs. Doch was ist da eigentlich drin? Welche Rolle spielt Waldmeister und wie kann ich mir selbst eine leckere Mai-Bowle herstellen? Wir verraten es Ihnen.

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Waldmeister

Die Herstellung von Maibowle hat eine mehr als Jahrtausend alte Geschichte, denn bereits im Jahr 854 hat ein Benediktinermönch Waldmeister zur Herstellung eines Maitrankes verwendet. Auch die Germanen sollen ihr Bier mit Waldmeister gewürzt haben.

Wo wächst Waldmeister?

Waldmeister wächst überwiegend in lichten Laubwäldern und ist erkennbar an seinem charakteristischen Duft. Meistens findet man ihn in größeren Ansammlungen. Er blüht ab etwa Mitte April bis Anfang Mai. Die Blüten sind zart, klein und weiß.

Was ist beim Anbau von Waldmeister zu beachten?

Waldmeister kann im Wald gesammelt oder auch einfach im heimischen Garten angebaut werden.

Waldmeister gedeiht am besten an einem schattigen Standort mit feuchtem und humosem Boden. Da er direkte Sonneneinstrahlung überhaupt nicht mag, platziert man ihn am besten direkt unter Schatten spendenden Gewächsen wie Laubbäumen oder Sträuchern.

Um die Pflanze zu vermehren, gräbt man im Spätsommer oder Herbst die Pflanzen samt Wurzel aus und teilt den Wurzelballen in mehrere Teile. Diese werden anschließend nicht zu tief wieder eingepflanzt und sollten gut feucht gehalten werden.

Waldmeister ist ein Frostkeimer. Will man ihn aus Samen ziehen, werden daher im Herbst mehrere Samen etwa 1 cm tief in den Boden gesät. Danach bedeckt man die Saat am besten mit Laub oder Moos. Diese Mulchdecke wird entfernt, wenn die jungen Pflänzchen im Frühjahr blühen. Zu dicht stehende Pflanzen können vereinzelt werden.

Wann wird der Waldmeister geerntet?

Um die Wurzeln der jungen Pflanzen nicht zu schwächen, sollten sie frühestens im zweiten Jahr nach der Pflanzung oder Saat geerntet werden. Die beste Erntezeit ist im April oder Mai, und zwar noch vor der Blüte, da dann die Würzkraft am stärksten ist. Man schneidet die Stängel samt Blättern kurz über der Erde ab. Da die Pflanzen im frischen Zustand geruch- und geschmacklos sind, müssen sie nach der Ernte ein bis zwei Tage getrocknet werden. In dieser Trocknungsphase wird der Wirkstoff Cumarin freigesetzt, der für den typischen Waldmeistergeschmack und -geruch verantwortlich ist.

Welche medizinische Heilwirkung hat Waldmeister?

Waldmeister enthält Cumarin, das in geringer Dosierung bei verschiedenen Beschwerden hilft. Er wirkt gefäßerweiternd, entzündungshemmend und krampflösend. Deshalb wird er als Naturheilmittel in der Medizin und in der Homöopathie eingesetzt.  

Wie lässt sich Waldmeister in der Küche verwenden?

Waldmeister wird vielfältig zum Aromatisieren, Würzen und Färben von unterschiedlichen Lebensmitteln eingesetzt werden. Er wird gerne für erfrischende Getränke wie die Waldmeisterbowle verwendet. Auch die erfrischende Bierspezialität „Berliner Weiße“ wird mit Waldmeistersirup verfeinert.

Aber Vorsicht: bei zu hoher Dosierung kann das im Waldmeister enthaltene Cumarin zu Kopfschmerzen, Schwindel oder Erbrechen führen. Bei niedriger Dosierung besteht keine Gefahr. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bei der Zubereitung einer Maibowle, maximal drei Gramm frisches Kraut pro Liter Bowle zu verwenden.

Rezepte mit Waldmeister sind in vielen Kochportalen im Internet zu finden, angefangen von einer Waldmeister-Sahne-Torte über ein Rhabarber-Sorbet mit Waldmeister bis hin zu Waldmeistersahne zum Spargelgericht.

Übrigens: Künstliches Aroma

Der Waldmeister-Geschmack, der in vielen Lebensmitteln enthalten ist, lässt sich auch künstlich herstellen.

Rezept für Waldmeisterbowle – mit und ohne Alkohol

Zutaten: 1 Liter Weißwein, fünf bis zehn Waldmeisterpflanzen, Erdbeer- oder Minzeblätter, Orangen- oder Zitronenscheiben, 1 Liter Sekt

Zubereitung: Ein Liter trockener Weißwein wird in ein Gefäß gefüllt, in den dann für eine Stunde kopfüber ein Bündel mit fünf bis zehn Waldmeisterpflanzen hineingetaucht werden. Dabei sollten die Stielansätze der Waldmeisterpflanzen nicht in den Wein ragen, damit keine Bitterstoffe austreten. Zudem können noch Erdbeer- oder Minzeblätter, Orangen- oder Zitronenscheiben hinzugefügt werden. Anschließend wird die Flüssigkeit in eine Bowlenschüssel abgeseiht und ein Liter Sekt hinzugefügt. Das Getränk gut gekühlt servieren.

Bei der alkoholfreien Variante werden statt Wein und Sekt Apfelsaft und Sprudel verwendet.

Stand: April 2017