Schneiden, trocknen, lagern: Gartenkräuter und Gewürze richtig ernten

Gartenkräuter und Gewürzpflanzen sind der Frischekick für Sommergerichte und coole Drinks. Wer sie kultivieren und für den Winter konservieren möchte, hat viele Möglichkeiten. Das VerbraucherFenster hat Tipps, wann und wie man die Kräuter am besten erntet und haltbar macht, nicht nur für Teegetränke, sondern auch für hausgemachte Kräuterweine oder sogar Kräutergeister.

Basilikum und Moerser visualismus - Fotolia.com_.jpg

Basilikum neben einem Mörser aus Porzellan

Wer seine Gartenkräuter gesät und gepflegt hat, möchte sich natürlich mit einer guten Ernte belohnen. Doch beim Einsammeln und Aufbereiten von Samen, Blättern und Blüten sind einige Regeln zu beachten. Wann kann man Kräuter am besten schneiden, wie trocknen und wo lagern? Hier finden Sie viele Möglichkeiten, die gesunden, frischen Kräuter bis in den Winter zu konservieren.

Wann ist die beste Erntezeit?

Kräuter sind besonders gesund, wenn sie voll im Duft stehen und frisch geerntet auf den Teller kommen. Die beste Erntezeit für den Frischverzehr von Blättern und Trieben ist bei Minze, Kresse, Majoran und anderen Kräutern kurz vor der Blüte. Doch auch blühende Kräuter sind nicht wertlos, sie schmecken oft nur etwas bitterer und schärfer und sind meist faseriger.

Möchte man Kräuter für den Winter konservieren, erntet man Kraut und Blätter am besten am frühen Vormittag, sobald der Tau auf den Pflanzen getrocknet ist. Dabei ist es wichtig, den Schnitt nicht zu tief anzusetzen, damit das Pflanzenherz nicht verletzt wird und die Pflanze wieder austreiben kann. Vergilbte, faulende oder bereits vertrocknete Pflanzenteile gehören nicht ins Erntegut und sollten entfernt werden.

Kräutersamen wie Kümmel oder Anis sammelt man dagegen besser am frühen Morgen, wenn die Pflanzen noch feucht sind, um größere Verluste zu vermeiden. Anschließend lässt man die abgeschnittenen Pflanzen auf einer geeigneten Unterlage in der Sonne trocknen und trennt die Samen von den übrigen Pflanzenteilen.

Tipps zum richtigen Trocknen

Kräuter, deren Blätter oder Wurzeln genutzt werden, sollte man dagegen nicht mithilfe der Sonne trocknen. Stattdessen bündelt man das Schnittgut in kleinen Partien und hängt es in einen luftigen, trockenen Raum. Während diese natürliche Trocknung in den Sommermonaten ausreicht, ist im Frühjahr oder Herbst meist noch eine Nachtrocknung erforderlich. Dafür eignet sich der eigene Backofen oder man greift auf spezielle elektrische Kräutertrockner zurück. Bei Pflanzenteilen mit ätherischen Ölen darf die Trocknungstemperatur 40 Grad Celsius nicht übersteigen, da sich die wertvollen Öle leicht verflüchtigen.

Die Trocknung ist abgeschlossen, wenn die Blätter beim Anfassen rascheln und die Stängel leicht brechen. Jetzt kann man die getrockneten Kräuter zerkleinern und in luftdichte Dosen oder Schraubgläser abfüllen. Hilfreich ist auch ein Etikett mit einem Hinweis auf Inhalt und Erntejahr. Denn selbst bei bester Lagerung verlieren getrocknete Tee- und Würzkräuter relativ schnell ihre Wirkung, so dass sie nach einem Jahr durch die neue Ernte ersetzt werden sollten. . 

Weitere Informationen, zitiert aus aus dem aid-Heft "Heil- und Gewürzpflanzen aus dem eigenen Garten"

Die VerbraucherFenster-Redaktion hat schon mal reingeschaut:

Kräuter für den Winter konservieren:

  • Haltbarmachen durch Trocknen
    wird für alle Teearten und zur Herstellung von Blatt-, Blüten-, Samen- und Wurzeldrogen bevorzugt. Wurzelkräuter verlieren durch das Trocknen an Aroma und Würzkraft. Abgesehen von Kresse und Borretsch lassen sich alle bekannten Küchenwürzkräuter trocknen. Versierte Kräuterfreunde können eigene Würzmischungen herstellen, die mit den bekannten Bouquets garni und Fines herbes der französischen Küche konkurrieren können.
     
  • Kräuter tiefgefrieren
    Kräuter zerkleinern, in Eiswürfelschalen oder portionsweise in Folienbeutel bzw. Alufolien verpacken und einfrieren. Diese schonende Methode ist für Petersilie, Dill, Basilikum, Thymian, Estragon, Melisse und Schnittlauch zu empfehlen.
     
  • Für Kräuteressig
    eignen sich kombiniert Estragon, Dill, Pimpinelle, Zitronenmelisse, Minze, Lorbeerblätter oder auch Knoblauch und Zwiebeln. Als Einzelkräuter für Spezialessige werden Estragon, Basilikum und Dill verwendet. Zur Herstellung eines eigenen aromatischen Kräuteressigs legt man die Kräuter einige Wochen oder Monate in Glasgefäße mit weißem Weinessig.
     
  • Kräuteröle
    sind zum Würzen, als Heilmittel zur äußeren Anwendung und zur Schönheitspflege gebräuchlich. Je Liter Qualitätsöl (bevorzugt Olivenöl) wird eine Handvoll ausgesuchter Kräuter zugesetzt, um bereits nach 2-3 Wochen z.B.: Lavendel-, Melissen-, Dill-, Thymian-, Rosmarin- oder rot gefärbtes Johanniskrautöl zu erhalten.
     
  • Kräutergelee
    Die Grundmasse besteht aus Äpfeln und anderen Obstarten. Ihr werden Rosmarin, Majoran, Minze, Thymian, Estragon, Salbei, Waldmeister oder Zweige von Duftpelargonien zum Aromatisieren zugegeben. Kräutergelees schmecken als Beigaben zu verschiedenen Gerichten, z.B. Basilikumgelee zu Hacksteaks, Waldmeistergelee zu Wild, Rosmaringelee zu Truthahn, Estragongelee zu Fisch und Huhn.
     
  • Kräutertee und Teegetränke
    Arznei- oder medizinischer Tee ist von Haus- oder Familientee zu unterscheiden.
    Arzneitees bestehen meist nur aus einer oder wenigen Kräuterarten und sind zur Behandlung bestimmter Krankheiten bestimmt. Ihre Anwendung sollte nach genauer Anweisung und zeitlich beschränkt erfolgen.

    Haustees sind dagegen beliebige Mischungen milder Heilpflanzen, abgestimmt auf den eigenen Geschmack, zur Steigerung des Wohlbefindens. Sie bestehen zu einem Drittel bis zur Hälfte aus einem Grundtee, z.B. Minze, Melisse, Kamille, Fenchel, Salbei oder Thymian. Zur geschmacklichen und farblichen Verbesserung wird mit anderen Kräuterarten ergänzt. Für eine Tasse reichen im Allgemeinen 1-1,5 Teelöffel der Hausteemischung.

    Vorzügliche Durstlöscher sind an heißen Tagen kalte Teegetränke aus selbst hergestelltem Haustee, ergänzt mit Säften, Mineralwasser und zerkleinerten Früchten.
     
  • Hausgemachte Kräuterweine
    werden auf der Basis von guten Weiß- oder Rotweinen hergestellt. Je Liter Wein benötigt man eine Handvoll getrockneter Kräuter, bestehend aus Rosmarin, Minze, etwas Salbei, Lavendel, Wermut, Waldmeister, Eberraute, Thymian, Basilikum oder Melisse. Der in Glasgefäßen angesetzte Kräuterwein ist bei Zimmertemperatur bereits nach einigen Wochen trinkfertig.
     
  • Flüssige Kräutergeister
    Magenbitter und Liköre lassen sich mit Zitronenmelisse, Rosmarin, Minze, Johanniskraut, Liebstöckel, Wermut, Eberraute, Bärwurz, Enzianwurzel sowie Kümmel herstellen. In Flaschen mit weiter Halsöffnung wird auf einen Liter klaren Branntwein eine Handvoll des Kräutergemisches gegeben. Für Liköre wird konzentriertes Zuckerwasser beigefügt. Nach 3-4 Wochen Durchziehen und wiederholtem Schütteln ist im Allgemeinen der selbst gemachte Kräutergeist fertig.

Kein eigener Garten zur Kultivierung von Kräutern und Gewürzpflanzen vorhanden? 

Kein Problem! Wer gerne Kräuter und Gewürzpflanzen selbst ziehen möchte, aber keinen eigenen Garten hat, muss nicht darauf verzichten. Denn viele dieser Pflanzen lassen sich problemlos auch in Töpfen oder Blumenkästen auf der Terasse oder auf dem Balkon kultivieren. Wichtig dabei sind sowohl das geeignete Substrat (Erde) sowie ein heller, windgeschützter Platz. Im Zweifelsfall lassen Sie sich in Baumschulen oder Gartencentern beraten oder informieren sich im Internet.

Stand: Mai 2019