Honig: Regional vom Imker kaufen

Wie wird Honig produziert? Welche Sorten gibt es? Woran erkennt man gute Qualität? VerbraucherFenster-Redakteurin Anne-Kathrin Siebert hat den Imker Dieter Schott befragt. Er ist Leiter der Stabstelle Qualitäts- und Informationsmanagement des Landesbetriebs Hessisches Landeslabor (LHL) und imkert seit acht Jahren in seiner Freizeit. Zurzeit besitzt er zehn Bienenvölker.

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Imker untesucht Wabenrahmen mit vielen Bienen

VF: In so einem Bienenstock herrscht ein ganz schön quirliges Treiben. Wie ist so ein Bienenvolk aufgestellt?

Schott: In der Imkerei spricht man beim Bienenvolk von „dem Bien“. Dazu gehören die Königin, die Arbeiterinnen, die Drohnen und die Brut. Die einzelne Arbeitsbiene ist für das Volk ziemlich unbedeutend. Nur in der Gemeinschaft sind die Honigbienen überlebensfähig. Die Arbeiterinnen sammeln den Honig, füttern die Brut und verrichten andere Arbeiten im Bienenstock. Die Drohnen dienen nur zur Befruchtung der Königin und haben danach für den Bien keine weitere Funktion mehr. Die Königin legt als einziges Weibchen im Stock Eier. Aus den befruchteten Eiern können sich Arbeiterinnen oder eine neue Königin entwickeln, aus unbefruchteten Eiern werden die Drohnen.

VF: Wie wird Honig gewonnen?

Schott: Die Arbeitsbienen sammeln in einem Umkreis von etwa zwei Kilometern den Pflanzensaft der Blüten, den Nektar. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus Wasser und Zucker. Diesen Nektar nehmen die Bienen in ihren Honigmagen auf und bringen ihn in den Bienenstock. Dort übergeben sie ihn am Eingang an die sogenannten Stockbienen. Das sind Arbeitsbienen, die Aufgaben im Stock erfüllen. Hierzu würgen die Sammelbienen den Nektar aus dem Honigmagen wieder hoch. Die Stockbienen nehmen den Honig wiederum auf und geben ihn an andere Stockbienen weiter. Dadurch, dass die Bienen den Nektar in ihren Magen aufnehmen und immer wieder hochwürgen, mischen sie ihm Enzyme bei. Der Nektar mit dem Enzymgemisch kommt, nachdem er bis zu zehn, zwölf Mal weitergegeben wurde, in die Waben. Einige der Stockbienen schlagen mit den Flügeln und erzeugen so einen Luftstrom, der das Wasser aus dem Nektar verdampfen lässt und in der Wabe entsteht der Honig.

VF: Wenn das Wasser verdampft, dann muss es ja recht warm sein im Bienenstock?

Schott: Genau. Im Bienenstock kann es bis zu 30 Grad warm sein. Einige der Stockbienen machen nichts Anderes, als Wärme zu erzeugen. Auch im Winter halten die Bienen den Stock warm, sogar wenn draußen minus 20 Grad herrschen.

VF: Guter Stichpunkt. Was machen Bienen denn im Winter?

Schott: Im Winter versucht der Bien zu überleben. Die Drohnen werden am Ende des Sommers von den Arbeiterinnen aus dem Volk rausgeschmissen. Das nennt man Drohnenschlacht. Somit bleiben nur Arbeiterinnen und die Königin, die es durch den Winter schaffen müssen. Hierfür wird die Königin in einer engen Traube von ihren Arbeiterinnen umgeben. Die Arbeiterinnen erzeugen Wärme und füttern die Königin. Die Bienentraube unterliegt dabei einer ständigen Rotation. Das bedeutet, Bienen die am äußeren, kälteren Rand der Traube sitzen wechseln nach einiger Zeit ins wärmere Innere der Traube und umgekehrt. Die Königin bleibt aber die ganze Zeit geschützt im Inneren.

VF: Von wann bis wann geht denn die Imkersaison?

Schott: Die Hauptsaison ist von Mitte, Ende April bis Juni. In der Zeit sammeln die Bienen den Nektar. Man sagt, der Tag, an dem das Bienenjahr vorbei ist, ist Johanni, der 24. Juni. Ab da bereiten die Bienen sich schon wieder auf das Überwintern vor. Um Johanni ist übrigens auch das Volk am stärksten mit bis zu 50.000 Bienen. 20.000 Bienen gehen davon in den Winter und im Frühjahr kommt das Volk mit etwa 5.000 bis 10.000 wieder raus.

VF: Die Bienen ernähren sich ja vom Honig. Bedeutet das, dass Sie als Imker immer auch einen gewissen Teil des Honigs in den Waben lassen als Futter für die Bienen?

Schott: Ja, ich persönlich mache das so. Ich finde es sehr wichtig, dass die Bienen ihr eigenes Futter haben. Andere Imker möchten viel Honig ernten, und holen dementsprechend auch so viel Honig wie möglich aus den Waben heraus. Umso mehr müssen diese Imker dann mit einer Zuckerlösung zufüttern. In einer gewissen Menge muss dies allerdings jeder Imker tun – ich auch.

VF: Ist das ein fairer Tausch: Zuckerlösung gegen den guten Honig?

Schott: Für die Zuckerlösung wird Haushaltszucker in Wasser gelöst. Dieses Gemisch wird von den Bienen wie Nektar in die Waben eingetragen. Das Wasser verdampft wieder und das Ganze sieht hinterher aus wie Honig.
Es gibt viele Imker die sagen, dass eine Zuckerlösung die bessere Nahrung für die Bienen ist. Im Honig sind auch noch Mineralstoffe, die die Kotblase der Bienen belasten. Die Bienen wollen im Bienenstock aufgrund der Gefahr von Krankheitserregern nicht koten, fliegen allerdings bei niedrigen Temperaturen im Winter auch nicht dafür aus dem Stock heraus. Dann kommen die Bienen in einen Konflikt. Durch die Zuckerlösung wird die Kotblase nicht so voll und die Bienen halten im Winter länger durch, bis sie sich zu ihrem Reinigungsflug aufmachen.

VF: Ich habe gehört, dass Bienen auch Honigtau für die Honigproduktion nutzen. Was ist das?

Schott: Honigtau ist ein Sekret, welches Blattläuse ausscheiden, die sich vom Pflanzensaft der Nadel- und Laubbäume ernähren. Der Honigtau ist im Prinzip - genauso wie Nektar - ein süßes Wasser. Honigtau-Honig wird als Wald- oder Tannenhonig verkauft.

VF: Gibt es auch geschmackliche Unterschiede zwischen Blüten- und Honigtauhonigen?

Schott: Ja, auf jeden Fall. Der Honig, den die Bienen aus dem Honigtau machen ist besonders dunkel und aromatisch. Waldhonig oder Tannenhonig riecht und schmeckt kräftig, würzig und weniger süß.

VF: Honigsorten gibt es ja wirklich viele, zum Beispiel Akazienhonig, Lavendelhonig, Rapshonig. Woher weiß man eigentlich, welchen Nektar die Bienen gesammelt haben?

Schott: Bienen sind blütenstet. Haben sie einmal eine Nahrungsquelle gefunden, fliegen sie diese immer wieder an. Außerdem sind die Bienen, wie alle anderen Lebewesen, auch ein bisschen faul. Haben sie in 100 Meter Entfernung eine gute Nektarquelle gefunden, fliegen sie nicht zwei Kilometer weit. Stelle ich meine Bienen also direkt an ein Rapsfeld, kann ich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sie Raps eintragen. Der Nektar aus den Blüten im Garten reicht leider für die Honigproduktion nicht aus. In der Regel ist das meiste, was die Bienen einholen, daher aus der Landwirtschaft. Meine Bienen tragen das ein, was gerade in der Nähe blüht. Das ist hauptsächlich Raps, ein bisschen Linde, ein bisschen Akazie, eben alles Querbeet durcheinander. Aber ich verkaufe auch keinen Sortenhonig, sondern je nach Saison Honig aus der Frühjahrs- oder Sommertracht.

VF: Mittlerweile gibt es ja immer mehr Imker auch in den Städten, zum Beispiel auf Hochhausdächern oder Grünflächen im Rahmen von Urban Gardening. Finden die Bienen denn da überhaupt genug Nektar und ist der Honig qualitativ genauso gut?

Schott: Ja, durch die Summe der Gärten, Parkanlagen, Friedhöfe oder Balkonbepflanzungen tragen die Bienen recht viel Nektar ein. Es ist sogar so, dass die Stadtimker geringere Pestizidmengen im Honig haben, als die Imker auf dem Land. Denn Rapshonig zum Beispiel enthält fast immer auch geringe Mengen an Pestiziden, die beim Rapsanbau verwendet werden. Zwar sind das äußerst geringe Mengen, unterhalb der Grenzwerte und somit vermutlich auch nicht gesundheitsschädlich, dennoch haben Stadtimker dieses Problem kaum.

VF: Woran erkennt man einen guten Honig? Gibt es Qualitätsmerkmale?

Schott: Ja, die gibt es. Zum Beispiel gibt es den Deutschen Imkerbund (DIB). Honig des DIB ist immer in den typischen runden Gläsern mit dem DIB-Logo abgefüllt. Diese Gläser gibt es bereits seit 100 Jahren. Der DIB hat spezielle Qualitätskriterien. Das Hauptkriterium ist, dass der Honig trocken sein muss. Ist er das nämlich nicht, fängt er an zu gären und es entsteht Met. Nach der Honigverordnung bedeutet das, dass die meisten Honige weniger als 20 Prozent Wasser enthalten dürfen, nach den DIB-Vorgaben muss er weniger als 18 Prozent haben.

VF: Wann hat Honig denn eigentlich Bioqualität?

Schott: Bio-Imker haben die Vorgabe, ihre Bienenstöcke in unbelastete Gebiete zu stellen, sodass die Tracht möglichst aus ökologischer Landwirtschaft oder von Wildpflanzen stammt. Aber natürlich können Imker die Nahrungssuche der Bienen nicht gänzlich beeinflussen, selbst wenn die Bienenstöcke direkt umgeben von Feldern eines ökologisch geführten Landwirtschaftsbetriebes stehen. Aufgrund der intensiven Landwirtschaft in Deutschland ist es daher leider fast unmöglich, dass Bienen nur Nektar aus ökologischer Landwirtschaft sammeln. Des Weiteren haben Bio-Imker Bienenkästen aus Holz und müssen Bio-Zucker zufüttern. Auch bei der Behandlung von Bienenkrankheiten, wie dem Varroamilben-Befall, gibt es Unterschiede. Während konventionelle Imker hier mit Pestiziden behandeln dürfen, sind bei Bio-Imkern nur organische Säuren erlaubt.

VF: In den letzten Jahren hört man immer häufiger vom Bienensterben. Haben Sie Tipps für die Verbraucher, was sie für eine bienenfreundliche Umwelt tun können?

Schott: Man spricht derzeit sehr viel vom Bienensterben. Genaugenommen ist aber das Insektensterben das Problem, also nicht nur das Sterben der Wild- oder Honigbienen. Das liegt daran, dass wir eine viel zu ordentliche und viel zu aufgeräumte Landwirtschaft haben. Das ist für alle Insekten einfach sehr schlecht. Deshalb wäre es wichtig viele Blühflächen zu haben, Totholz und Laubhaufen liegen zu lassen und im Herbst den Garten nicht aufzuräumen.

VF: Wie lagere ich Honig am besten und wie lange ist er haltbar?

Schott: Wichtig ist, dass der Honig trocken ist, deshalb sollte er immer fest verschlossen sein. Wenn er offen rumsteht, zieht er Feuchtigkeit an und wird wässriger. Außerdem sollte Honig am besten dunkel und kühl bei zwölf bis 15 Grad gelagert werden. Dann hält er sich in der Regel zwei Jahre.

Vielen Dank, dass Sie dem VerbraucherFenster Rede und Antwort gestanden haben!

Stand: April 2019

Dieter Schott

Dieter Schott