Der Christstollen – ein traditionsreiches Gebäck

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn - den Weihnachtsstollen oder Christstollen. Der brotähnliche Kuchen hat eine lange Tradition und ist international ein Sinnbild für deutsche Weihnachten.

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angeschnittener Christstollen

So muss er sein, ein guter Stollen

Das Backen von Stollen hat in Sachsen eine lange Tradition. Dabei handelt es sich bei dem leckeren Weihnachtsgebäck um einen schweren Hefeteig, der reich an Butter, Marzipan, Gewürzen wie Kardamom und Zimt, Mohn und anderen hochwertigen Zutaten ist. Die Form des Stollens erinnert an ein Brot. Direkt nach dem Backen wird der Stollen mit Butter oder Fett bestrichen und mit Puderzucker bestäubt.

Der berühmteste Stollen ist der Dresdner Stollen. Als Dresdner Stollen darf nur ein Stollen bezeichnet werden, der in einem festgelegten Bereich im Großraum Dresden hergestellt wurde. Außerdem muss er ein bestimmtes Verhältnis an Butter, Sultaninen, Orangeat und/oder Zitronat und Mandeln beinhalten:

  • mindestens 50 Prozent Butter
  • 65 Prozent Sultaninen
  • 20 Prozent Zitronat und/oder Orangeat
  • 15 Prozent süße und bittere Mandeln

Margarine, künstliche Aromen und Konservierungsstoffe sowie das Backen des Stollens in einer Backform sind bei der Herstellung hingegen nicht erlaubt.

Große Sorten- und Geschmacksvielfalt

Ob nun aus Dresden oder nicht, ohne eine weitere Namensbezeichnung handelt es sich immer um einen klassischen Rosinenstollen. Allerdings gibt es noch eine Reihe an Varianten des Gebäcks, so zum Beispiel

  • Mandelstollen
  • Marzipan-/Persipan-Stollen
  • Mohnstollen
  • Nussstollen
  • Butterstollen
  • Quarkstollen

Ein geschichtsträchtiges Gebäck

Erstmalig fand das süße Gebäck im 14. Jahrhundert urkundlich Erwähnung. Um diese Zeit mussten die Bäcker der Stadt Naumburg dem Bischoff zu Weihnachten eine Abgabe leisten: ein Weihnachtsbrot oder einen Stollen. Natürlich war der Stollen zu dieser Zeit noch lange nicht so reichhaltig wie wir ihn heute kennen.

Denn ursprünglich war das weihnachtliche Gebäck noch eine katholische Fastenspeise im Advent, bestehend aus Hefe, Mehl und Wasser. Erst durch die sächsischen Kurfürsten Ernst und Albrecht III. kam die Butter in den Stollen. Die beiden adligen Brüder erbaten 1450 in einem Brief an Papst Nikolaus V. eine Lockerung der Fastenbackvorschrift. Erst von da an soll der Stollen durch die vielen hochwertigen und erlesenen Zutaten zu dem Gaumenschmaus geworden sein, den wir heute kennen.

Striezel oder Stollen?

Je nach Region und Tradition gibt es für Stollen unterschiedliche Bezeichnungen. So wird der Stollen im Raum Leipzig als „Stolle“ bezeichnet, die Dresdner nennen ihn auch „Striezel“. Während die Bezeichnung „Striezel“ aus dem Mittelhochdeutschen rührt und für ein „längliches Hefegebäck“ steht, kommt „Stollen“ vom althochdeutschen Wort „Stollo“,  „Pfosten“ oder „Stütze“ bedeutet. Mit Fantasie ist der längliche Kuchen einem Pfosten tatsächlich ähnlich.

Stollen werden ganzjährig gebacken, doch sind sie in der Advents- und Weihnachtszeit am beliebtesten und werden deshalb auch als Christstollen oder Weihnachtsstollen bezeichnet. Manch einer sagt, dass die Form des gepuderten Gebäcks an das in weiße Windeln gewickelte Christkind erinnern würde. Der Dresdner Weihnachtsmarkt heißt bis heute nach dem leckeren Gebäck „Striezelmarkt“.

Tipps zum Selberbacken

  • Wer zu Hause einen Stollen für Weihnachten backen möchte, sollte frühzeitig beginnen. Am besten schmeckt der Stollen, wenn er einige Wochen gereift ist.
  • Stollen sollten am besten kühl, dunkel und trocken gelagert werden, damit die Butter im Stollen nicht ranzig wird. In Alu-, Frischhaltefolie oder ein Leinentuch eingewickelt, hält er sich bis zu drei Monate. Alternativ kann er in einer Blechdose aufbewahrt werden.
  • Damit der Stollen nach dem Anschneiden nicht austrocknet, am besten in der Mitte anschneiden. Danach die Hälften zusammenschieben und gut verpacken.
  • Stollen eignet sich auch zum Einfrieren.

Stand: November 2018