Das Comeback der vernachlässigten Klassiker: Wildkräuter

Der Frühling ist da und mit seinem Einzug grünt und blüht es in der Natur. Wer sich über manche Gewächse im Garten ärgert, sollte allerdings noch einmal einen zweiten Blick wagen: manch unliebsame Pflanze entpuppt sich als heilsames und gesundes Wildkraut, welches der Küche nicht vorenthalten bleiben sollte.

RS10832_Brennesselblaetter © Tristan Schlafhai - Fotolia.com_.jpg

Brennnessel

Löwenzahn

Die gelben Blüten zieren die Wiesen im Frühjahr und zwischen Mai und Juni ist die beste Zeit für die Ernte. Während sich seine Blätter mit ihrem leicht bitteren Geschmack besonders gut im Salat machen, eignen sich die Blüten hervorragend für Honig oder Marmeladen. Um einen Löwenzahn-Tee zuzubereiten, können alle Teile der Pflanze verwendet werden: hierfür einfach Blätter, Blüten und Wurzeln mit heißem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen. Wer es nicht ganz so bitter mag, sollte jedoch schon vor der Blüte zur Ernte losziehen, denn dann schmecken die Blätter zarter.

Schon in der Antike bei den Griechen fand der Löwenzahn Anwendung als Heilpflanze. Bis heute werden ihm positive Eigenschaften bei Leber- und Gallenbeschwerden nachgesagt, enthaltene Bitterstoffe gelten als verdauungsunterstützend. Außerdem weist der Löwenzahn einen hohen Gehalt an den Vitaminen A, K und C auf.

Vorsicht jedoch bei dem weißen klebrigen Saft, welcher aus den Stängeln beim Schneiden und Pflücken hervortritt. Dieser kann hässliche braune Flecken auf der Kleidung hinterlassen. Ist das Malheur passiert, kann die Kleidung vor der Wäsche in der Waschmaschine mit Gallseife bearbeitet werden.

Brennnessel

Die Brennnessel ist aus Kindertagen häufig in unliebsamer Erinnerung geblieben. Schuld sind die sogenannten Abwehrstoffe Histamin und Ameisensäure, welche von den Härchen an Blättern und Stängel abgesondert werden und bei Berührung für Quaddeln und Brennen auf der Haut sorgen. Zugegeben wirkt dies für die Ernte zunächst abschreckend.

Dabei versteckt sich aber in der Pflanze viel Vitamin C, Eisen, Kalzium und Carotin. Durch ihre entzündungshemmenden Eigenschaften kann die Brennnessel unter anderem bei Arthritis Anwendung finden. Ebenso wie beim Löwenzahn eignet sich Brennnessel als Tee, welcher beispielsweise bei Blasenentzündung harntreibend wirkt und somit die Blase unterstützt, Bakterien heraus zu spülen.

In der Alltagsküche schmecken die Blätter zudem zartwürzig als Suppe oder im Smoothie.
Wer auf die Suche nach Brennnesseln geht, sollte allerdings vorsorglich ein Paar Handschuhe einstecken.

Sauerampfer

Sauerampfer gehört ebenso zu den Frühlingskräutern und kann von April bis in den November geerntet werden. Die länglichen Blätter des Sauerampfers erinnern an Spinat. In die französische Küche hat der Sauerampfer schon lange Einzug erhalten, denn er ist vielseitig einsetzbar in Salaten, Soßen, Suppen oder als Beilage zu Fisch. In Hessen gehört er zu den sieben Kräutern der Frankfurter Grünen Soße.

Da der Sauerampfer neben Vitamin C, Eisen und Kalium auch reich an Bitterstoffen ist, regt er ebenso wie Löwenzahn die Verdauung an.

Aufgrund des hohen Oxalsäuregehalts weist er einen sauren Geschmack auf, welcher an Essig oder Zitrone erinnert. Zu einem achtsamen Verzehr ist Personen zu raten, welche an Nierenproblemen leiden: Oxalsäure geht mit körpereigenen Mineralstoffen wie Kalzium und Eisen schwer lösliche Verbindungen ein, die sich in der Niere ablagern und dort zu Nieren- und Blasensteinen führen können. In Kombination mit Milch und Milchprodukten, wie etwa Sahne oder Käse, kann die Oxalsäure jedoch etwas neutralisiert werden. Kochen führt außerdem zu einer Verringerung des Oxalsäuregehalts. Fallen beim Sammeln der Pflanze rostbraune Löcher in den Blättern auf, sollte man aufs Ernten eher verzichten: Dies ist ein Hinweis auf einen hohen Gehalt an Oxalsäure.

Giersch

Dem Gärtner ist Giersch eher als wucherndes Unkraut bekannt, gegen das man nur schwerlich ankommt. Doch verbirgt sich auch hinter dieser Pflanze ein traditionsreiches Heilkraut. So wussten die Römer im Altertum bereits um die entzündungshemmende Wirkung eines frischen Gierschsalates. Auch heute noch findet der Giersch Anwendung bei Gichterkrankungen. Die zerriebenen Blätter wirken zudem lindert bei Insektenstichen.

In der Küche hat Giersch z.B. in Salat, Pesto, Suppe, Kräuterquark oder Mayonnaise seinen großen Auftritt und ähnelt geschmacklich Petersilie oder Möhren. Der Giersch enthält viel Vitamin C, Kalium, Eisen und andere Mineralstoffe und wird auch Vitamin C-Kraut genannt.

Aufgepasst: Nur Sammeln, was man kennt!

Bevor man sich auf die Suche nach den Wildkräutern begibt, sollten jedoch einige Dinge beachtet werden:

  • Die wohl wichtigste Regel lautet: Nur das Sammeln, was man kennt. Verwechslungen mit giftigen Pflanzen können gesundheitliche Folgen mit sich bringen.
  • Bei Verdacht auf eineVergiftung umgehend die Giftnotrufzentrale anrufen!
  • Manche Wildkräuter stehen unter Naturschutz und dürfen deswegen nicht gepflückt werden. In Naturschutzgebieten ist das Pflücken von Pflanzen generell tabu.
  • Um Verwechslungen auszuschließen, kann ein Pflanzenführer für Wildkräuter aus dem Buchhandel beim Bestimmen helfen.
  • Kräuterwanderungen bieten eine prima Gelegenheit Wildkräuter unter Aufsicht eines Fachkundigen kennen zu lernen. Für Infos zu Wanderungen in Ihrer Region reicht eine kurze Internetrecherche.
  • Kräuter die an Straßen- oder auf Ackerrändern wachsen, sollten nicht gepflückt werden. Hier besteht die Gefahr der Schafstoffbelastung durch vorbeifahrende Autos oder Pflanzenschutzmittel. Bei Hundewiesen sollte ebenfalls vom Einsammeln der Kräuter abgesehen werden.

Tipps für Pflücken

Um die Wildkräuter zu ernten, sollten diese nicht mit der Wurzel aus dem Boden gerissen, sondern vorsichtig mit einem Messer oder einer Schere abgeschnitten werden. Unterwegs können die Wildkräuter in einem Leinenbeutel oder einem Körbchen aufbewahrt werden.

In der Küche: Wie geht’s weiter?

Zu Hause sollten die Kräuter zunächst gut abgewaschen und am besten frisch verarbeitet werden. Die Kräuter lassen sich im Kühlschrank in ein feuchtes Küchenpapier oder Geschirrhandtuch gewickelt lagern. Eine weitere Möglichkeit der Aufbewahrung ist das Einfrieren der Kräuter z.B. in Gefrierbeutel.

Stand: April 2019