Superfood – nur ein Marketing-Gag?

Der Begriff „Superfood“ ist ein Kunstwort aus dem Marketing. Beschrieben und beworben werden damit pflanzliche Lebensmittel und daraus hergestellte Produkte, die besonders positive gesundheitliche Eigenschaften haben sollen. Die beschriebenen Wirkungen beruhen überwiegend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen „aus dem Labor“. Allerdings lassen sich diese experimentell ermittelten Resultate nicht ohne Weiteres auf die Normalbedingungen des täglichen Lebens übertragen.

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Dessert mit Chia-Samen
Dessert mit Chia-Samen

Was ist drin im „Superfood“?

Den als „Superfood“ bezeichneten - oft exotischen - Lebensmitteln gemeinsam ist der relativ hohe Gehalt an so genannten Sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und Antioxidantien. Diesen Substanzen werden besondere bzw. gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen. Als Beispiele seien hier Stoffe wie Anthocyane und Flavonoide genannt. Auch bestimmte Vitamine und Spurenelemente können antioxidative Eigenschaften haben: Antioxidativ wirkende Vitamine sind die Vitamine A, C, E sowie die Vorstufe von Vitamin A, das Beta-Carotin. Unter den Spurenelementen haben Selen, Kupfer, Zink und Mangan antioxidative Eigenschaften. Antioxidantien gelten als so genannte „Radikalfänger“. Das bedeutet, dass sie aggressive Sauerstoffradikale, die im Stoffwechsel entstehen und Körperzellen angreifen, neutralisieren können.

Auch weitere Pflanzeninhaltsstoffe wie das Inulin sollen sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Da Inulin von nützlichen Darmbakterien (Bifidobakterien) verstoffwechselt werden und damit zu deren Vermehrung beitragen kann, werden Inulin so genannte „präbiotische Eigenschaften“ zugesprochen. Präbiotische Substanzen können zu einer gesundheitsfördernden Darmflora beitragen.

Ist die gesundheitsfördernde Wirkung der „Superfoods“ bewiesen?

In den meisten Fällen steht der Beweis noch aus oder es konnte lediglich im Labor beziehungsweise im Tierversuch eine positive Wirkung dieser Lebensmittel auf die Gesundheit nachgewiesen werden. Die meisten der experimentell ermittelten Resultate lassen sich jedoch nicht so ohne Weiteres auf die Normalbedingungen des täglichen Lebens übertragen, zumal für die Erzielung der angepriesenen Wirksamkeit sehr große und damit unübliche Mengen der jeweiligen Lebensmittel verzehrt werden müssten.

Welche Lebensmittel gelten als „Superfood“?

Im Folgenden aufgeführt ist eine alphabetisch sortierte Auswahl der als Superfood bezeichneten Lebensmittel (weitere Informationen zu den unter der Bezeichnung „Superfood“ im Handel befindlichen Lebensmittel finden Sie unter den unten aufgeführten Links):

  • Die Açaí-Beere ist die Frucht einer südamerikanischen Palmenart. Sie ist reich an Antioxidantien. Die angebliche gesundheitliche Wirkung beim Menschen ist noch nicht belegt.
  • Relativ neu in der Superfood-Szene ist Baobab. Die Frucht des gleichnamigen Affenbrotbaumes stammt aus Afrika. Es scheint – so das Ergebnis einer Internetrecherche – kaum eine Erkrankung oder Befindlichkeitsstörung zu geben, deren Heilung, Linderung oder Vorbeugung Baobab nicht nachgesagt wird. Eine „Super-Frucht“ also?
    • Analysen zufolge enthält die Baobab-Frucht bis zu 300 Milligramm (mg) Vitamin C pro 100 Gramm (g) Fruchtfleisch. Das ist zwar mehr als in den meisten heimischen Obstsorten enthalten ist. Allerdings enthält der heimische Sanddorn mit 450mg pro 100g essbarem Anteil 50 Prozent mehr Vitamin C, Hagebutten sogar viermal so viel von diesem Vitamin.
      Außerdem sind in dem Baobab-Fruchtfleisch hohe Gehalte an Antioxidantien sowie an Eisen und Kalzium nachgewiesen worden. Hülsenfrüchte wie Linsen enthalten ebenfalls viel Eisen, und Kalzium-reich sind beispielsweise Grünkohl (enthält auch viel Eisen) oder Sojaprodukte.
      In Baobab enthalten ist auch Pektin, ein löslicher Ballaststoff, der positive Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel hat. Gute einheimische Pektin-Lieferanten sind aber auch zum Beispiel Äpfel, Aprikosen oder Möhren.
  • Die aus Mexiko stammenden Chiasamen sind bezüglich der enthaltenen Nährstoffe – dies sind insbesondere gesundheitlich wertvolle, mehrfach ungesättigte Fettsäuren - und ihrer verdauungsfördernden Wirkung mit den einheimischen Leinsamen zu vergleichen.
  • Goji-Beeren stammen vermutlich aus Zentralasien, werden überwiegend in China aber auch in heimischen Gefilden angebaut und sind auch als Bocksdorn oder Wolfsbeere bekannt. Die in den Beeren enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe finden sich jedoch auch in einheimischem Obst.
  • Dem Kakao werden aufgrund seines hohen Gehaltes an Flavonoiden unter anderem Blutdruck senkende Eigenschaften nachgesagt. Um diese Wirkungen erzielen zu können, müssten aber sehr große, in der Praxis kaum zu erreichende Mengen davon konsumiert werden.
  • Ebenfalls aus Südamerika – überwiegend aus Peru und Bolivien - kommt die eiweiß- und mineralstoffreiche Pflanze Quinoa. Von ihr werden die Blätter oder die Samen verwertet. Die Blätter kommen in Salaten oder als Gemüse auf den Tisch, die getreideähnlichen Samen werden hierzulande unter anderem als glutenfreier Getreideersatz genutzt. An Mineralstoffen enthält Quinoa unter anderem reichlich Kalium (etwa so viel wie Roggen), Magnesium sowie Phosphor. Zudem enthält es, ähnlich wie Weizen, relativ viel Vitamin B1.
  • Die Knolle der aus Südamerika stammenden Inkawurzel Yacon enthält Inulin, das, wie schon erwähnt, positive Wirkungen auf die Darmflora hat. Inulin ist jedoch auch in heimischen Lebensmitteln wie Getreide, Schwarzwurzeln, Chicorée, Lauch oder Zwiebeln enthalten.

Fazit

  • Die beworbenen Superfoods enthalten zwar viele wertvolle Inhaltsstoffe, aber diese Eigenschaft teilen sie häufig mit vielen einheimischen Früchten, Getreide- und Gemüsesorten. Somit bieten sie kaum einen gesundheitlichen Vorteil. Hinzu kommt der hohe Preis.
  • Nicht selten sind Superfoods mit Pestiziden oder Schadstoffen belastet. Deshalb sollte man, wenn möglich, auf Bio-Ware zurückgreifen.
  • Generell gilt, dass exotische Lebensmittel bei bestimmten Personen Überempfindlichkeitsreaktionen sowie mit Medikamenten unerwünschte Wechselwirkungen auslösen können.
  • Besonders vorsichtig sollte man bei Superfoods in Pulvern oder Kapseln sein, da die konzentriert enthaltenen, reizenden oder gesundheitsschädlichen Stoffe zu Problemen führen können.
  • Die exotischen Superfoods können zwar gelegentlich den Speiseplan ergänzen, sollten aber die konventionellen Lebensmittel nicht ersetzen. „Super“-nährstoffreiche Lebensmittel aus heimischer beziehungsweise regionaler Produktion finden Verbraucher auch auf Wochenmärkten oder im Supermarkt zu akzeptablen Preisen. 

Stand: März 2017