Das Lieblingsobst hat Saison: Der Apfel – Doch wie gesund ist er wirklich?

„An apple a day keeps the doctor away“, lautet ein englisches Sprichwort. Also: Täglich einen Apfel und der Arzt bleibt fern. Mit Beginn des Monats September halten reife Äpfel Einzug in unsere Gärten und Streuobstwiesen. Aus diesem Anlass geht das VerbraucherFenster dieser gut gemeinten Redensart auf die Spur und recherchiert, was wirklich dahinter steckt.

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roter Apfel mit Stiel

An apple a day…

Gleich vorne weg: Natürlich kann ein Apfel keine Krankheiten verhindern oder heilen. Dennoch ist an der alten Volksweisheit auch etwas dran, denn im Apfel, welcher zu 85 Prozent aus Wasser besteht, stecken tatsächlich viele gesunde Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe die Körper und Geist fit halten.

Schale muss mit

Viele Vitamine wie Provitamin A, B-Vitamine und Vitamin E sowie sekundäre Pflanzenstoffe sitzen direkt in oder unter der Schale des Apfels, deswegen sollte das Obst unbedingt mit der Schale verzehrt werden. Außerdem regen die Ballaststoffe Pektin und Cellulose, welche sich in der Schale befinden, die Verdauung an.

Kleine Vitamin C-Bomben, die es mit Orangen aufnehmen können

Abhängig von der Apfelsorte finden sich unterschiedliche Gehalte an Vitamin C im knackigen Lieblingsobst der Deutschen wieder. So haben die grüne Sorte Granny Smith und die Sorte Gala nur geringe Vitamin C-Gehalte. Braeburn und Berlepsch hingegen können anhand ihres Vitamin C-Gehaltes sogar mit Orangen mithalten. Aber auch innerhalb einer Sorte kann es diesbezüglich Schwankungen geben. Grund dafür sind unterschiedliche Anbaugebiete, Klima oder Lagerung der Äpfel.

Vitamin C ist u.a. wichtig für den Zellschutz als Antioxidans, für den Aufbau von Bindegewebe, Knochen und Zähnen, für die Bildung von bestimmten Botenstoffen und Hormonen und für die Eisenaufnahme im Darm.

Pektin – schnelle Hilfe bei Durchfall und Cholesterinsenker

Des Weiteren enthält der Apfel leicht verdauliche Kohlenhydrate (Frucht- und Traubenzucker) und den Ballaststoff Pektin. Dieser ist besonders hilfreich bei bakteriellen Durchfallerkrankungen, bei denen der Körper durch den häufigen, meist dünnflüssigen Stuhl wichtige Mineralstoffe und Flüssigkeit verliert. Das Pektin eines geriebenen Apfels kann im Darm aufquellen, die Flüssigkeit und die, von den Bakterien gebildeten, Giftstoffe binden und somit den dünnen Stuhl wieder eindicken. Der hohe Gehalt des Mineralstoffs Kalium trägt schließlich zum Ausgleich eines Mineralstoffverlustes bei.

Das Pektin birgt aber noch einen weiteren möglichen gesundheitlichen Gewinn: Es kann sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken. Die Pektine binden nämlich ebenfalls Gallensäuren und fördern deren Ausscheidung. Aus diesem Grund muss der Körper vermehrt Cholesterin für die Nachbildung von Gallensäuren heranziehen, da diese aus Cholesterin hergestellt werden. Folglich kann der Cholesterinspiegel sinken.

Abhängig von der Sorte bekömmlich auch für magenempfindliche Menschen

Gerade ältere Menschen oder Personen, welche unter einem empfindlichen Magen leiden, haben häufig Probleme mit der in Äpfeln enthaltenen Fruchtsäure und reagieren nach dem Verzehr von Äpfeln mit Bauchschmerzen und Sodbrennen. Doch auch hier ist der Säuregehalt sortenabhängig. Darum sollten diese Personen zu den säureärmeren Apfelsorten greifen, wie etwa Jonagold, Gala oder Golden Delicious. Übrigens: Diese eignen sich auch besonders gut für Babys und Kleinkinder.

Auch für Allergiker nicht unmöglich

Menschen, die auf bestimmte Eiweiße in und unter der Schale des Apfels allergisch reagieren, können es ebenfalls mit speziellen Sorten versuchen. Denn Alkmene, Berlepsch, Boskoop und Santana enthalten hohe Polyphenolgehalte. Diese sekundären Pflanzenstoffe inaktivieren die Apfelallergene und machen die Äpfel so verträglicher.

Ein absolutes Muss für die Mittagspause

Der Apfel ist nicht nur aufgrund seiner Inhaltsstoffe ein hervorragender Pausensnack für Groß und Klein. Äpfel zählen mit 55 Kilokalorien pro 100 Gramm auch noch zu den energiearmen Lebensmitteln. Außerdem wirken die Ballaststoffe aus der Schale sättigend.

Stand: September 2017

Kurz Steckbrief zum Apfel

Lateinischer Name: Malus Domestica (Das Wort „malus“ bedeutet „böse“. Die Bezeichnung rührt aus dem Biblischen, nach dem der Apfel zum Sündenfall verführte und somit den Menschen aus dem Paradies vertrieben hat.)

Herkunft: Die ursprüngliche Heimat liegt wahrscheinlich in Südewestchina. Manche Quellen sprechen auch von Kaukasus, dem Balkan oder dem Gebiet östlich des Schwarzen Meeres. Über Handeslwege kam der Apfel schlussendlich auch in Europa an. Der Apfel an sich wird angebaut seitdem es den Menschen gibt.

Apfel-Verzehr Deutschland: In Deutschland werden jährlich etwa 23 kg Äpfel pro Kopf verzehrt. Somit sind Äpfel das Lieblingsobst der Deutschen. Dabei sind Elstar, Braeburn, die Jonagold-Gruppe, die Gala-Gruppe und Cripps Pink (Pink Landy ®) die beliebtesten Sorten.

Anbaugebiete in Deutschland: Nach Polen, Italien und Frankreich ist Deutschland der viertgrößte Apfel-Produzent der EU. Die größten Anbaugebiete liegen dabei in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen und Rheinland-Pfalz.

Apfel-Anbau in Hessen: In Hessen stehen rund eine Million Streuobstbäume. Die Streuobstwiesen bieten vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Zudem sind sie landschaftsprägend und ein wahres Kulturgut. Allein in Hessen werden jährlich bis zu 65.000 Tonnen Kelteräpfel zu Apfelwein und Apfelsaft verarbeitet. Und nur in Hessen hergestellter Apfelwein darf sich „Hessischer Apfelwein“ nennen. Die Bezeichnung ist mittlerweile durch die EU geschützt.

Apfel-Tourismus: In Hessen gibt es auch die Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute mit ausgeschilderten Rad- und Wanderwegen der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“, die zu regionalen Sehenswürdigkeiten und Streuobstbeständen führt.