Risiken und Nebenwirkungen

Der breite Einsatz von Aromastoffen in Lebensmitteln birgt gesundheitliche Gefahren wie zum Beispiel Überempfindlichkeits-Reaktionen. Kinder können sich schon früh an den intensiven Vanille- oder Fruchtgeschmack aus dem Labor gewöhnen und später den unverfälschten Geschmack natürlicher Lebensmittel ablehnen.

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Reagenzgläser mit farbigem Inhalt

Risiken und Nebenwirkungen nicht auszuschließen

Wie Lebensmittelzusatzstoffe werden auch Aromastoffe gesundheitlich bewertet und zugelassen. Es existieren jedoch keine Studien darüber, wie sich ein Cocktail aus einer Vielzahl täglich aufgenommener Aromen langfristig auf die Gesundheit und das Geschmacksempfinden auswirkt. Zudem besteht ein Aroma in der Regel zu einem großen Teil aus Trägersubstanzen. Als Ursache gesundheitlicher Störungen kommen daher auch die Wirkungen der chemischen Lösungs- und Extraktionsmittel aus dem Herstellungsprozess in Betracht. Sie sind häufig noch im Endprodukt nachweisbar.
Der menschliche Organismus muss neben Aromen und Zusatzstoffen eine Vielzahl an Umweltgiften, Schädlingsbekämpfungsmitteln und Haushaltschemikalien, häufig darüber hinaus auch Arzneimittel, verarbeiten. Es ist nur begrenzt möglich, Wechselwirkungen dieser unterschiedlichen Stoffe zu testen. Daher ist weitgehend unklar, wie sie zusammenwirken. Hefen, Pilze und Bakterien, mit deren Hilfe Aromen gebildet werden, können darüber hinaus gentechnisch verändert sein.

Überempfindlichkeiten gegenüber Aromen

Überempfindlichkeiten sind bisher nur in wenigen Fällen bekannt. Einige Aromastoffe, zum Beispiel Zimtaldehyd, Perubalsam oder Pfefferminzöl, können allergische Reaktionen auslösen. Eine Reaktion kann vor allem bei Produkten mit relativ hohen Aromakonzentrationen wie Kaugummi, Fruchtgummi oder Bonbons auftreten. Insbesondere bei Kindern, die häufig stark aromatisierte Süßigkeiten verzehren, könnten allergische Reaktionen begünstigt werden.
Die genaue Identifizierung der reaktionsauslösenden Substanz ist schwierig. Mit den Aromen werden Gemische aufgenommen, deren Einzelsubstanzen oft nicht vollständig bekannt sind. Lösungsmittel und Trägerstoffe von Aromen können allergische oder pseudoallergische Reaktionen auslösen. Sie müssen aber nicht in der auf dem Produkt angebrachten Zutatenliste stehen, solange es sich nicht um deklarationspflichtige Allergene handelt. Das erschwert es empfindlichen Personen, kritische Substanzen zu meiden.

Störung des natürlichen Geschmacksempfindens

Für einen gesunden Start ins Leben ist es wichtig, dass Babys den unverfälschten Geschmack der Lebensmittel kennenlernen. Durch aromatisierte Fertigprodukte können sich die Kleinen an „Geschmacksimitate“ gewöhnen, was dazu führen kann, dass sie später natürliche Lebensmittel ablehnen. Trotzdem dürfen die Hersteller Säuglingsanfangsnahrung und bilanzierte Diäten für Säuglinge mit bestimmten Aromen anreichern. In Baby-Beikost sind alle Aromastoffe zugelassen. Rund Zweidrittel der Anbieter nutzen diese Rechtslage aus und aromatisieren Breie, Joghurts und Co. schon für Babys ab dem 5. Monat. Das zeigte ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hessen im Juni 2014. Bei 25 Baby-Beikost-Produkten aus Drogeriemärkten und Biosupermärkten prüften die Verbraucherschützer die Zutatenlisten auf Aromastoffe. Über die Hälfte der überprüften Produkte enthielt Aromen. Meist sorgte Vanillearoma für nachgemachten Standardgeschmack. Dass es auch ohne die Beigabe von Aromastoffen geht, zeigten die Bioanbieter im Test.


In seiner Stellungnahme von Ende Juni 2014 rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, davon ab, Aromastoffe zur Herstellung von Säuglingsanfangsnahrung und bilanzierten Diäten für Säuglinge in den ersten drei Monaten zu verwenden. Die derzeitige Datenlage reiche nicht aus, um die Folgen der Verwendung von Aromastoffen in Säuglingsnahrung auf das spätere Ernährungsverhalten und damit verbundene gesundheitliche Risiken zu bewerten.

Wie Aromen den Körper austricksen

Eigentlich dient der Geschmack dazu, schnell einschätzen zu können, ob etwas verträglich, genießbar oder giftig ist. Doch die Tricks aus der Aromaküche der Lebensmittelindustrie können dieses natürliche Frühwarnsystem des Körpers leicht lahm legen. So genannte „Flavoristen“ (Aromakompositeure) sind zum Beispiel in der Lage, den unangenehmen Fischgeruch und -geschmack von Omega-3-Fettsäuren mit Aromen zu maskieren. Damit tricksen die Chemiker unseren Körper aus: Normalerweise lehnt der Körper schlechtschmeckende Substanzen ab – mit der Beigabe des richtigen "Gegen-Aroma" nicht mehr.


Darüber hinaus können Aromen den Appetit anregen. Der intensive Geschmack aromatisierter Produkte kann dazu verführen, mehr zu essen, als gegen den Hunger nötig ist, was Übergewicht begünstigt.

Tipps und Forderungen der Verbraucherzentrale

Tipps für Verbraucher:

  • Personen, die an Überempfindlichkeiten leiden, sollten aromatisierte Produkte meiden.
     
  • Verzichten Sie bei der Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern auf aromatisierte Fertigprodukte. Sie sollten Produkte mit wenigen, Ihnen bekannten Zutaten und solche ohne Zusätze von Aromen, Zusatzstoffen und Süßungsmitteln wählen. Wer Beikost selbst zubereitet, kann über Auswahl und Anzahl der Zutaten selbst entscheiden.

Die Verbraucherzentrale fordert

  • ein generelles Verbot von Aromen in Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder.
    Vor dem Hintergrund von Fehlernährung und Übergewicht bereits im Kleinkindalter wäre das zusätzlich ein wichtiges Signal für einen vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutz.

Weitere Informationen

Informationen im Verbraucherfenster

Aromastoffe, Teil 1: Für mehr Klarheit im Begriffsdschungel
Aromastoffe, Teil 2: Die Tricks der Lebensmittelindustrie

Informationen aus anderen Quellen
Aromastoffe in Säuglingsnahrung
Stellungnahme Nr. 044/2014 des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom 11.12.2014

Informationen der Verbraucherzentrale Hessen

  • Persönliche Beratung in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen.
  • Telefonische Beratung zu Lebensmittel und Ernährung 0900-1-972012, dienstags 10 bis 14 Uhr.
    0,90 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Auskunfts- und Servicetelefon: Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 900.   

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: Dezember 2018