Natives Kokosöl: Ungesünder als gedacht?

Das Öl aus der Kokosnuss galt bisher in vielen Kreisen als gesundheitsförderlich. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der American Heart Association (AHA) rät jetzt jedoch vom Konsum ab. Grund ist der hohe, im Kokosnussöl enthaltene Anteil gesättigter Fettsäuren, welche das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen können.

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halbierte Kokosnuss

Vom Haarpflegemittel zum Heilmittel

Kokosprodukte sind mittlerweile aus den Lebensmittelgeschäften kaum noch weg zu denken. Besonders das Kokosöl ist dabei aufgrund seiner vermeintlich vielen gesundheitlichen Vorzüge als sogenanntes Superfood berühmt geworden. Nachdem es zunächst für die Pflege von Haut und Haar von der Kosmetikbranche entdeckt wurde, verbreitete sich die vielfältige gesundheitliche Wirkung des Kokosöls als Lebensmittel über die US-amerikanische Schauspielerinnen- und Modelszene. Demnach soll das Öl Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs vorbeugen, die Gewichtsabnahme fördern und ein Hilfsmittel gegen Viren, Pilze und Bakterien sein.

Herstellung und Eigenschaften des nativen Kokosöls

Natives Kokosöl wird aus dem frischen Fruchtfleisch oder der Kokosmilch der Kokosnuss gewonnen und keiner chemischen Behandlung unterzogen. Das Kokosöl ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt erst ab etwa 25 Grad Celsius. Neben rund 6,4 Prozent einfach ungesättigten und 1,5 Prozent mehrfach ungesättigten Fettsäuren enthält das Öl der Kokosnuss mit 92 Prozent hauptsächlich gesättigte Fettsäuren. Des Weiteren weist das Kokosöl eine Reihe von sekundären Pflanzenstoffen auf, welche allerdings in wesentlich höheren Konzentrationen auch in anderen pflanzlichen Lebensmittel vorkommen, sowie Vitamin E. Das Öl ist hitzebeständig und lässt sich daher gut zum Kochen, Braten, Frittieren und Backen einsetzen und verleiht den Gerichten einen exotischen, leicht süßlichen Geschmack.

Kokosfett – die buckelige Verwandtschaft des Kokosöls

Schon vor dem Wirbel um das Öl der Kokosnuss waren jedoch unter der Bezeichnung „Kokosfett“ Produkte bekannt. Im Vergleich zum Öl wurden diese allerdings aus getrocknetem Fruchtfleisch gepresst und schließlich raffiniert, also stark bearbeitet. Im Handel ist es in Platten- oder Würfelform erhältlich, was ihm auch den Namen „Plattenfett“ einbringt. Ähnlich wie das Kokosöl ist auch das Kokosfett hitzebeständig und beliebt zum Braten, Frittieren und Backen.

Kaum wissenschaftliche Belege für Gesundheitswirkung

Derzeit gibt es keine hinreichenden wissenschaftlichen Belege für die vielen vermeintlich positiven Effekte auf die Gesundheit durch den Verzehr von Kokosöl. Dies betrifft weder die Annahme für die positive Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs noch auf den heilenden Effekt bei Pilzen, Bakterien oder Viren. Aus diesem Grund sind Werbeaussagen zu einer Gesundheitswirkung wie etwa Versprechen zur Gewichtsabnahme laut EU-Recht verboten.

Kokosöl kann Cholesterinspiegel erhöhen und begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Erst im Juni 2017 veröffentlichte die AHA, eine Organisation, die sich dem Kampf gegen Herzerkrankungen widmet, eine Studie zu Speisefetten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in der eher vom Kokosöl abgeraten wurde. Grund dafür ist der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren. Diese erhöhen nämlich das unerwünschte LDL-Cholesterin im Blut. Hohe LDL-Cholesterinwerte gelten als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die AHA empfiehlt daher, Kokosöl nicht aus gesundheitlichen Beweggründen zu verzehren.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät dazu, gesättigte Fettsäuren wie im Kokosöl, durch den vermehrten Konsum gesünderer, ungesättigter Fettsäuren wie etwa in Raps- oder Olivenöl auszutauschen. Auf diese Weise kann das Risiko für Fettstoffwechselstörungen und somit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermindert werden. Generell sollten gesättigte Fettsäuren nur maximal zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr ausmachen.

Im Vergleich: Rapsöl enthält über 90 Prozent einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren und nur acht Prozent gesättigte Fettsäuren.

Fazit

Gegen einen gelegentlichen Verzehr von Kokosöl in geringen Mengen ist nichts einzuwenden. Es kann sogar durch seinen besonderen exotischen Geschmack die deutsche Küche bereichern. Allerdings sollte das Kokosöl nicht das einzige Öl in der Küche sein. Raps- oder Olivenöl weisen deutlich bessere Fettsäuremuster auf und sind daher die gesundheitlich bessere Wahl. Mögliche Effekte durch die Verwendung von Kokosöl auf die Gesundheit sind bisher nicht hinreichend erforscht.

Stand: April 2019