Nachbehandlung mit Allergiepotenzial

Zusatzstoffe finden sich nicht nur in Fertigprodukten, sondern auch da, wo man es am wenigsten erwartet: in frischem Obst. Wann und warum werden solche Behandlungsmittel eingesetzt? Welche Stoffe werden auf welchen Früchten verwendet? Sind Allergiker besonders betroffen? Hier finden Sie Informationen und Tipps, wie Sie die Aufnahme solcher Stoffe umgehen können.

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Verschiedene Sorten Obst

Nacherntebehandlung: Warum und womit?

Verbraucher können heutzutage ein ganzjähriges Angebot an frischem Obst aus den verschiedensten Ländern erwarten. Dass die Früchte so schön und knackig im Verkauf aussehen, verdanken die Verbraucher nicht nur den kontrollierten Transport- und Lagerbedingungen, sondern auch den chemischen und mechanischen Behandlungen der Früchte vor oder unmittelbar nach der Ernte. 
Die während der Wachstumsphase eingesetzten Pestizide bauen sich bis zur Ernte weitestgehend ab. Anders verhält es sich mit den Stoffen, die nach der Ernte aufgebracht werden, um den Früchten Glanz zu geben oder sie haltbarer zu machen.

Bei Zitrusfrüchten gehört zur Nacherntebehandlung, dass die Früchte gewaschen und chemisch gegen Schimmel behandelt werden. Sie werden außerdem mit einer Wachsschicht überzogen, um weniger Feuchtigkeit zu verlieren. Die verwendeten Stoffe sind kennzeichnungspflichtig.

Vor allem exotisches Obst kann nach der Ernte behandelt sein mit Substanzen, die zwar in den Herkunftsländern erlaubt sind, nicht dagegen in der EU. Beispiele dafür sind Avocados, Mangos oder die beliebte Ananas. Trotzdem sind die Früchte aufgrund von Ausnahmeregelungen oder Höchstgehalten, die nicht überschritten werden dürfen, auch hier im Angebot. Von den Nacherntebehandlungen erfährt der Verbraucher beim Obstkauf gewöhnlich nichts, außer über die amtliche Berichterstattung (siehe Links).

Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit

Substanzen, mit denen Obst zur Konservierung behandelt wird, führten in Tierversuchen teils zu Gesundheitsbeeinträchtigungen.
In Deutschland ist davon auszugehen, dass die Verbraucher nur sehr geringe Mengen solcher konservierender Stoffe aufnehmen. Genannt werden in diesem Zusammenhang Phenylphenole, Thiabendazol oder Imazalil. Von allergischen Reaktionen bei Hautkontakten wurde berichtet.

Die Emulgatoren E 433 und E 466 in Fertigprodukten werden im Zusammenhang mit der Entstehung entzündlicher Darmerkrankungen diskutiert. Sie werden bei Frischobst nicht angewendet. Dagegen wird der -bisher als unbedenklich eingestufte- Emulgator mit der E-Nummer 473 bei Obst zur Oberflächenbehandlung verwendet.

Konservierende Stoffe auf der Frucht oder auch in der Frucht?

Beim Auspressen von Früchten - speziell Zitrusfrüchten - lässt sich nicht vermeiden, dass geringe Mengen von Schalenbehandlungsstoffen mit in den Saft übergehen. Besser ist es daher, die Früchte vor dem Pressen mit Haushaltspapier abzureiben, um die Wachsschicht weitgehend zu entfernen und die Früchte warm abzuspülen um auch Rückstände abzuwaschen.
Behandelte Schalen sollten nicht beim Backen oder beim Mixen von Smoothies mitverwendet werden.

Auch bei Bananen finden sich sehr häufig Schalenbehandlungsstoffe wie Imazalil und Thiabendazol. Um eine Übertragung dieser Stoffe auf das Fruchtfleisch zu vermeiden, sollten zwischen dem Schälen und dem Verzehr die Hände gewaschen werden. Grundsätzlich sollten kleine Kinder behandelte Früchte schon geschält bekommen.

Das sollten Verbraucher wissen

  • Das EU-Bio-Logo oder die Siegel der bekannten Anbauverbände garantieren wirklich Bio- oder Ökofrüchte. 
     
  • Die Schalen von Bio-Zitrusfrüchten dürfen nicht behandelt sein.
     
  • Zusätze wie "unbehandelt" oder "nach der Ernte unbehandelt" bedeuten nicht zwangsweise, dass die Schale frei von Schadstoffen ist. Sie besagen nur, dass das Obst nach der Ernte nicht mit konservierenden Mitteln behandelt wurde. 
     
  • Zitrusfrüchte sind nicht gleich Zitrusfrüchte. Bei Zitronen, Orangen und Mandarinen ist laut Zusatzstoff-Zulassungsverordnung und laut Vermarktungsnormen für Zitrusfrüchte eine Konservierung der Schale nach der Ernte zu kennzeichnen.
    Für Limetten, Grapefruits und Pampelmusen gilt dies nicht.
     
  • Das Überziehen mit Wachs ist zulässig, auch wenn konservierende Antischimmelstoffe enthalten sind. Für alle Zitrusfrüchte gilt dann die Angabe „gewachst“. Für Früchte wie Papaya, Mangos, Melonen oder Avocados bestehen wiederum Ausnahmen.

    Äpfel dürfen in Deutschland nicht gewachst werden. In anderen EU-Mitgliedsstaaten ist es dagegen erlaubt. Hier gehandelte gewachste Äpfel müssen deshalb als solche gekennzeichnet sein.

Stand: April 2019