"Nach der Ernte behandelt" - Was bedeutet dieser Hinweis bei Kartoffeln?

Kartoffeln sind erntefrisch gesund und ein Genuss für Kalorienbewusste. Aber was bedeutet der Hinweis „Nach der Ernte behandelt“? Vielen Verbrauchern ist nicht klar, welche Wirkstoffe bei der Behandlung der Kartoffeln zum Einsatz kommen – und ob diese gesundheitlich unbedenklich sind. Hier sind die Fakten.

Frau packt Kartoffeln in Tuete Carmen Steiner - Fotolia.com_.jpg

Gemüsehändlerin pack Kartoffeln in eine Plastiktüte

Kartoffeln werden nach der Ernte aus Gründen der Haltbarmachung behandelt. Dabei kommt Chlorpropham zum Einsatz. Dies ist ein Keimungshemmer, der im Rahmen der Rückstandshöchstmengenverordnung in Deutschland zugelassen ist. Es besteht aber eine Kennzeichnungspflicht.

Warum werden Kartoffeln nach der Ernte behandelt?

Konventionell angebaute Kartoffeln werden nach der Ernte haltbar gemacht, um für Verbraucher das ganze Jahr über als Lebensmittel auf dem Markt verfügbar zu sein. 
Die Kartoffeln beginnen während der meist monatelangen Lagerdauer zu keimen - je nach Sorte mehr oder weniger schnell. Ein Auskeimen der Kartoffeln kann aber verhindert werden, entweder durch Kaltlagerung oder es können Keim- und Schimmelhemmungsmittel zum Einsatz kommen. Dafür zugelassen sind Chlorpropham, Imazalil und Thiabendazol.

Einsatz von Keimhemmungsmittel mit dem Wirkstoff Chlorpropham (CIPC)

Chlorpropham ist das am häufigsten verwendete Keimhemmungsmittel. Es unterdrückt die Zellteilung in den Augen der Kartoffeln und verhindert dadurch das Auskeimen. 

Chlorpropham steht in Verdacht, krebserregend zu sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht jedoch von keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung aus, wenn die zulässigen Rückstandshöchstmengen eingehalten werden. Der zulässige Rückstandshöchstwert bei Kartoffeln ist 500 Mal höher als bei Getreide. Da der Wirkstoff bis in das Innere der Kartoffeln dringt, ist er auch in geschälten und in frittierten Kartoffelprodukten nachweisbar. Deshalb reicht es nicht aus, behandelte Kartoffeln zu waschen oder zu schälen, um die Substanz zu entfernen. Chlorprophamhaltige Präparate sind als Keimhemmer für Kartoffeln in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugelassen. 
Chlorpropham wird im Laufe der Lagerzeit abgebaut. Deshalb müssen die Erzeuger eine Wartezeit von einigen Wochen bis zur Vermarktung einhalten. 
Auch die weiter verarbeitende Nahrungsmittelindustrie verwehrt sich gegen keimende Kartoffeln. Darum gehört die Begasung von Kartoffeln mit Chlorpropham für die Zulieferer von Pommes- und Chipsherstellern zum legalen Geschäft, solange die vorgeschriebenen Grenzwerte beachtet und eingehalten werden.

Kennzeichnung "nach der Ernte behandelt"

Bei oberflächenbehandelten Kartoffeln verlangt der Gesetzgeber die Angabe „nach der Ernte behandelt“. Die Kennzeichnung findet sich bei verpackten Kartoffeln auf dem Etikett, bei lose verkauften Kartoffeln muss sie auf einem Schild oder Aushang ausgewiesen werden. Eine Nennung des verwendeten Stoffes ist nicht vorgeschrieben. 
Verbraucher, die es vermeiden möchten mit Chlorpropham behandelte Kartoffeln zu verzehren, sollten darauf achten, dass die Kartoffeln nicht mit dem Vermerk „nach der Ernte behandelt“ gekennzeichnet sind.

Bei Verzehr mit Schale: Bio-Kartoffeln oder Frühkartoffeln

Wer auf behandelte Kartoffeln verzichten will oder gerne Kartoffeln mit Schale isst, kann Bioware kaufen.
Für Bio-Kartoffeln ist eine Keimhemmung mit Chlorpropham nicht erlaubt. Sie dürfen lediglich mit einem Extrakt aus Pfefferminz- oder Kümmelöl bearbeitet werden. 

Bei Frühkartoffeln werden selten oder nur wenig Keimhemmungsmittel eingesetzt. Frühkartoffeln bietet der Handel  meist naturbelassen an, da sie für den baldigen Verzehr bestimmt sind und sich für eine längere Lagerung ohnehin nicht eignen.

Risiko: Kartoffel-Inhaltsstoff Solanin

Kartoffeln enthalten den natürlichen Giftstoff Solanin. Solanin findet sich vor allem in der Schale, in den Keimen und im Bereich der Augen. Durch Lichteinwirkung grün gefärbte oder unreife Kartoffeln enthalten ebenso Solanin.
Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) können Vergiftungssymptome bereits ab einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht vorkommen. Aufgrund ihres geringeren Körpergewichts sind hier besonders Kinder gefährdet.

Verbraucherempfehlungen

  • Kartoffeln sollten aufgrund ihres Solaningehaltes nicht mit Schale verzehrt werden. 
     
  • Durch folgende Maßnahmen lässt sich der Solaningehalt von Kartoffeln reduzieren:
    - Kartoffeln dunkel, trocken und kühl lagern
    - Kartoffeln mit Papier, einem Tuch oder einem Jutesack abdecken, um sie vor Licht zu schützen
    - grüne Stellen und Keime großzügig entfernen.
     
  • Um einerseits das Solanin zu entfernen und gleichzeitig Vitamin- und Mineralstoffverluste zu vermeiden, sollte man Kartoffeln mit der Schale kochen und erst vor dem Verzehr pellen.
     
  • Kartoffeln sollten nicht zusammen mit Äpfeln aufbewahrt werden, die in sehr kleinen Mengen das Gas Ethylen abgeben, das Kartoffeln zum Keimen anregt.
     
  • Kartoffeln eignen sich als Grundnahrungsmittel ausgezeichnet zur Versorgung der Verbraucher mit wichtigen Nährstoffen: Sie enthalten viel Stärke und hochwertiges Eiweiß und sind reich an Vitamin C. Kartoffelgerichte sind daher für eine gesunde Ernährung bestens geeignet.

Stand: April 2019