Lupinen – die regionalen Eiweißlieferanten

Haben Sie schon mal Kaffee, Brotaufstrich oder einen Fleischersatz auf Lupinenbasis probiert? Die kleinen Samen können es nämlich locker mit Sojabohnen aufnehmen und das Tolle: Lupinen wachsen problemlos in vielen Regionen Deutschlands und können so noch Transportwege einsparen.

lupine-5306741_1280.jpg

Lupinen

Eng verwandt mit Hülsenfrüchten

Ursprünglich stammen Lupinen aus dem Norden und Osten Europas. Landwirte bauen die ansehnlichen Pflanzen bereits seit Generationen gerne an, denn Lupinen bilden sehr lange Wurzeln aus, die die Ackerböden auflockern und so gesund halten.

Botanisch sind Lupinen Hülsenfrüchte und daher eng mit Bohnen, Erbsen, Linsen, Sojabohnen oder Erdnüssen verwandt. Man erkennt sie an den schönen lila und pink blühenden „Ähren“, die senkrecht gen Himmel ragen. Die Blätter haben lange Stiele und sind mit einem silbern schimmernden Flaum bedeckt. Die nierenförmigen, hellen Samen befinden sich in Hülsen, die an den Stängeln der Pflanze hängen. Sie gelten als reif, sobald die Hülsen trocken werden.

Lupinen lassen sich in zwei Sorten einteilen: Die Bitterlupinen, die unsere Gärten zieren, und die Süßlupinen, deren Samen für die Lebensmittelproduktion geeignet sind. Sie unterscheiden sich durch den Gehalt an giftigen Bitterstoffen, den sogenannten Alkaloiden. Während die Lupinen in den Gärten häufig viele Bitterstoffe aufweisen, wurden diese in den Süßlupinen durch spezielle Züchtungen weitestgehend entfernt.

Lupinensamen sind Eiweißbomben

Neben einem hohen Eiweißgehalt von etwa 40 Prozent enthalten die Samen alle essenziellen Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Sie sind auch reich an Mineralstoffen, wie Calcium, Magnesium oder Eisen und enthalten die Vitamine A und B1. Auch sind die Lupinensamen gute Ballaststofflieferanten – gut für die Darmpassage und gegen Darmkrebs.

Die Samen haben nur wenig Fett, dafür aber viele einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Zudem sind sie cholesterin- und glutenfrei.

Forscher sind zudem den enthaltenen Phytoöstrogenen auf der Spur. Studien deuten darauf hin, dass diese Stoffe das Risiko für Brust- oder Prostatakrebs, Osteoporose im Alter und Herz-Kreislauferkrankungen senken könnten.

Wer einen empfindlichen Magen und Darm hat, darf sich ebenfalls über die Samen freuen, denn diese sind gut verträglich.

Lupine statt Soja

Da Lupinen aufgrund des Eiweißgehalts gut mit Sojabohnen mithalten können, werden sie gerne als regionale Alternative zu Soja gehandelt. Die Süßlupinenarten können in vielen verschiedenen Regionen von Deutschland angebaut werden. Besonders drei Sorten finden sich auf unseren heimischen Äckern: Gelbe Lupine, Weiße Lupine und Blaue Lupine. Lange Transportwege - wie sie oft bei Soja der Fall sind - und somit unnötige Treibhausgase fallen bei den Lupinen weg.

Für Vegetarier und alle, die ihren Fleischkonsum reduzieren möchten

Lupinensamen werden immer interessanter für die Lebensmittelherstellung. Geschmacklich liegen Lupinen zwischen neutral bis leicht nussig. Inzwischen gibt es viele Lebensmittel wie Kaffee, Mehl, Eissorten oder Brotaufstrich auf Basis der Hülsenfrüchte. Personen mit Zöliakie, bei denen das in herkömmlichen Mehlen enthaltene Gluten eine krankmachende Wirkung entfalten kann, erfreuen sich am Lupinenmehl und den daraus hergestellten Backwaren.

Die Tatsache, dass Lupinensamen viel Eiweiß und Calcium enthalten, macht sie besonders interessant für vegane Produkte, wie pflanzliche Joghurtalternativen oder Fleischersatz. Die Grundmasse für Fleischersatz aus Lupinensamen nennt sich Lopino. Die Herstellungsweise und Konsistenz erinnert ein bisschen an Tofu.

Noch gibt es die Produkte hauptsächlich im Bioladen oder Reformhaus zu kaufen. Aber immer mehr Supermärkte ziehen inzwischen mit ihrem Sortiment nach.

Lupinensamen nicht roh verzehren

Wie viele andere Hülsenfrüchte, enthalten auch Lupinen Lektine. Dies sind Eiweiße, welche sich an die Strukturen von Zellen und Zellmembranen binden können. Durch diese Bindung kommt es zu einer Art Klebstoffreaktion, bei der unter anderem die roten Blutkörperchen verklumpen können und dadurch der Sauerstofftransport im Blut gehemmt wird. Auch andere Vergiftungserscheinungen sind möglich, wie Erbrechen oder Übelkeit. Durch das Einweichen, Kochen und Weiterverarbeiten der rohen Samen werden die Lektine jedoch zerstört und unschädlich gemacht.

Lebensmittelkennzeichnung für Allergiker

Neben den Lektinen gibt es noch weitere Eiweiße in den Lupinensamen, die Allergien auslösen können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor Kreuzallergien mit Erdnuss. So hat sich gezeigt, dass besonders Erdnussallergiker häufig und manchmal sehr stark auf die Lupinensamen reagiert haben. In der EU müssen daher Lupinen und Lupinenbestandteile in Lebensmitteln vollständig auf Schildern und Verpackungen gekennzeichnet werden.(Sie)

Stand: Juli 2020