Von Pharisäer über Rüdesheimer Kaffee – leckere Kaffeekreationen mit Schuss

Kaffee gehört in Deutschland zu den Lieblingsgetränken. Mit einer extra Portion Zucker und einem Schuss Hochprozentigen kann dieser in der kälteren Jahreszeit nochmal richtig einheizen.

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Zubereitung eines Irish Coffees

Pharisäer – Nationalgetränk der Friesen

Unter „Pharisäer“ versteht man einen Kaffee mit zwei Zuckerwürfeln, einem Schuss braunem Rum und einer Haube Schlagsahne. Überlieferungen nach stammt der Pharisäer ursprünglich von der nordfriesischen Insel Nordstrand. Im 19. Jahrhundert versuchte man so, den Alkoholkonsum bei Feierlichkeiten vor dem dort amtierenden, asketischen Pfarrer zu maskieren. Unter der Sahnehaube verdunstete der Alkohol nicht. Eines Tages soll er jedoch den Schummel bemerkt haben und seine Gemeinde als „Pharisäer“ beschimpft haben.

In vielen christlich geprägten Ländern wird der Begriff Pharisäer für selbstgerechte Menschen und Heuchler verwendet. Ursprünglich handelt es sich bei Pharisäern allerdings um Prediger und Schriftgelehrte des antiken Judentums, die sich als Experten mit den rechtlichen Aspekten der Überlieferung des jüdischen Glaubens beschäftigten.

Der Heißgetränk-Schwindel wird typischerweise in einer Tasse oder einem Glas mit Henkel und Fuß auf einer Untertasse serviert. Der Pharisäer wird nicht umgerührt, sondern der Kaffee durch die Sahne geschlürft. Wird man in einer nordfriesischen Kneipe dennoch beim Rühren erwischt, droht schnell mal eine Lokalrunde.

Irish-Coffee – die hochprozentige Kaffeemischung der Iren

Irish Coffee – in Irland auch als Caife Gaelach oder Gaelic Coffee (Gälischer Kaffee) bezeichnet –, ist dem friesischen Pharisäer recht ähnlich. Bei der klassischen Zubereitung werden zwei Teelöffel Zucker im ein spezielles, hitzebeständiges Irish-Coffee-Glas gegeben und über einer offenen Flamme karamellisiert. Danach wird ein Schuss irischer Whiskey und dann der Kaffee hinzugefügt. Ein Topping aus leicht geschlagener und noch flüssiger Sahne sorgt für den cremigen Abschluss. Als Dekoration dient Raspelschokolade.

Rüdesheimer Kaffee – beliebt in Kaffeehäusern

Wer sich gerne vom Flair eines schönen Kaffeehauses verzaubern lässt, kommt nur schwer um einen Rüdesheimer Kaffee herum. Wie der Name erahnen lässt, ist diese Kaffeespezialität in Rüdesheim am Rhein beheimatet, – dort, wo auch die Weinbrandmarke Asbach Uralt ihren Ursprung hat. Für den alkoholischen Einheizer wird der Weinbrand zunächst erwärmt. In der typischen Rüdesheimer Kaffeetasse werden anschließend Zuckerwürfel von dem erhitzten Weinbrand übergossen und mit einem langen Streichholz angezündet. Unter Rühren sollten das Gemisch so für eine Minute flambieren, damit sich Zucker und Weinbrand verbinden. Zum Schluss wird starker Kaffee über das Gemisch gegeben und ebenfalls mit einer Sahnehaube mit Vanillezucker verziert.

Kaffee mit Eierlikör: Diplomatenkaffee oder Holländischer Kaffee

Die Kaffee-Eierlikör-Variante ist ein typisches Getränk in der Osterzeit, heizt aber auch an den kalten Tagen davor ordentlich ein. Hierfür wird zu drei-bis vier Zentilitern Eierlikör eine halbe Tasse starker Kaffee gegeben. Wer es etwas süßer mag, kann noch etwas Vanillezucker hinzugeben. Als Topping kommt frischer Milchschaum auf das Heißgetränk.

Fiaker – das Getränk der Wiener Kutscher

Unter Fiaker versteht man in Österreich zum einen die bekannten zweispännigen Wiener Pferdekutschen und zum anderen ein leckeres Heißgetränk mit Schuss, das die Kutscher angeblich gerne zwischen ihren Fahrten tranken, um sich im Winter warm zu halten. Dabei handelt es sich um einen großen schwarzen Kaffee oder Mokka mit einem Schuss Kirschwasser oder Pflaumenschnaps. Es gibt auch eine Variante mit Rum. Dekoriert wird das Getränk mit einer großen Sahnehaube und einer Kirsche. Typischerweise wird der Fiaker in einem Glas serviert. Wer einem Wiener Kaffeehaus einen Besuch abstattet, sollte den Fiaker – oder die alkoholfreie Variante: den Einspänner – unbedingt kosten.

Café Brûlot–schon fast ein Cocktail

Für den französischen Café Brûlot muss man schon etwas trinkfester sein. Schließlich gleich die Zubereitung fast einem Cocktail. So wird der Abrieb eine unbehandelten Orange und Zitrone zusammen mit einer Zimtstange, Gewürznelken, einem Teelöffel Zucker und je zwei Zentiliter Cognac und Orangenlikör in einer Tasse bei geringer Wärmezufuhr kurz erhitzt, sodass sich der Zucker im Alkohol auflöst. Anschließend wird das Getränk kurz flambiert. Nach etwa einer Minute wird der Kaffee hinzugegeben. Auch hier krönt eine Sahnehaube mit Kakaopulver den alkoholischen Einheizer. (Sie)

Stand: Februar 2022