Kaffeetrinken – aber sicher!

Schon der Duft von Kaffee wirkt auf viele anregend – das Trinken erst recht. Doch das Image des braun-schwarzen Getränks reicht von Genuss pur und gesundheitsfördernd bis zu krebserregend. Muntermacher oder Krankmacher – was sagen die Experten?

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Kaffeetassen mit Cappuccino

Keine Belege für Krebsgefahr durch Kaffee

Die gute Nachricht zuerst: Eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht keine Gefahr für ein erhöhtes Krebsrisiko durch Kaffee. Im Gegenteil. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Kaffeetrinken das Risiko für zwei Tumorarten senkt, so die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) in ihrem am 15.6.2016  vorgelegten Bericht. Gleichzeitig wird allerdings darauf hingewiesen, dass der Genuss von sehr heißen Getränken offensichtlich die Gefahr für Speiseröhrenkrebs erhöht. Dies gilt wahrscheinlich ab Temperaturen über 65 Grad Celsius. Getränke so heiß zu genießen sei in Europa aber nicht üblich.

Allein für Kaffee sichteten 23 Experten die gesamte Fachliteratur von etwa 500 Ernährungsstudien mit Menschen und genauso vielen Tier- und Laborversuchen. Der jetzt erschienene Bericht bezieht sich auf eine große Anzahl von Studien, die keinen Zusammenhang herstellen können zwischen Kaffee und Tumoren von Brust, Prostata und Bauchspeicheldrüse. Für Tumore von Lunge oder Magen sowie mehr als 20 andere Tumore könne man keine Aussage treffen, heißt es in der Studie. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass Kaffee das Risiko für Tumore von Leber und Gebärmutter sogar senkt. Zu Zusammenhängen zwischen den verschiedenen Kaffeesorten und Zubereitungsarten machte die Behörde keine Angaben.

Die IARC betont aber auch, dass die derzeitige Einstufung nicht gleichermaßen bedeute, dass Kaffeekonsum sicher sei, sondern lediglich, dass die vorhandenen Daten keine weiteren Schlüsse erlaubten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnte ebenfalls, das Urteil der IARC sei „von begrenzter Aussagekraft“. Lebensmittel wie Kaffee seien „viel zu komplexe Gemische, um allgemeine Aussagen über ihr krebserregendes Potential ableiten zu können, die für Verbraucher von praktischem Nutzen wären“, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel.

Kaffee verbessert die Konzentration

Koffein wirkt als Muntermacher. Die Lebensgeister werden geweckt, Leistungstiefs überwunden und die Konzentration verbessert sich. Der körpereigene Botenstoff Adenosin, der die Müdigkeit auslöst, wird blockiert, dadurch wird der Kreislauf angeregt und das Herz schlägt häufiger. Das führt zur erhöhten Puls- und Blutdruckwerten. Ein moderater Kaffeekonsum ist in der Regel gesundheitlich unbedenklich.

Tagesdosis für Kaffee

Koffein findet sich nicht nur in Kaffeegetränken, sondern auch in Cola und schwarzem Tee. Über den Tag verteilt gelten bei einem Erwachsenen bis zu 400 Milligramm (mg) Koffein als unbedenklich.
Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung ist die Aufnahme von bis zu 200 mg Koffein innerhalb kurzer Zeit gesundheitlich vertretbar. Dies entspricht etwa zwei Bechern Filterkaffee. Erwachsene können über den Tag verteilt etwa das Doppelte trinken.

Legt man den Maßstab von 400 mg Koffein pro Tag zugrunde, dann kann ein Erwachsener „vier bis fünf Espresso oder bis zu acht Tassen schwarzer Tee pro Tag trinken, wie Gabriele Graf von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf versichert.

Die Empfindlichkeit gegenüber Koffein kann individuell sehr verschieden sein. Zu viel Koffein wirkt sich negativ auf das Nervensystem aus. Bei manchen Personen führt schon eine Tasse Kaffee zu Schlafstörungen, Reizbarkeit oder Unruhe. Wie sich Koffein auf den Schlaf auswirkt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die einen können auch noch abends spät Kaffee, Cola oder schwarzen Tee trinken und haben trotzdem einen erholsamen Schlaf, andere nicht.

Moderater Kaffeegenuss für Schwangere und Stillende

Für schwangere und stillende Frauen gelten andere Empfehlungen. Koffein kann bekanntlich die Plazenta passieren und gelangt so in den Kreislauf des ungeborenen Kindes. Da die Leber des Ungeborenen noch nicht ausreichend entwickelt ist, kann das Koffein aber nur langsam abgebaut werden. Daher sollten Schwangere und Stillende Kaffee nur  in Maßen genießen. Bei stillenden Müttern hat ein Kaffeekonsum von weniger als zwei Tassen am Tag keinen Einfluss auf das nächtliche Schlafverhalten des Säuglings. Kinder sollten keinen Kaffee trinken.

Der Körper gewöhnt sich an Kaffee

Wer regelmäßig Kaffee trinkt, gewöhnt seinen Körper daran. Bleibt die gewohnte Koffeinzufuhr aus, kann dies zu Konzentrationsschwierigkeiten oder sogar Kopfschmerzen führen. Koffein gilt aber nicht als Suchtmittel.

Zu welcher Tageszeit auch immer Kaffee getrunken wird, die stimulierende Wirkung des Koffeins setzt etwa 15 bis 30 Minuten nach dem Trinken ein. In dieser Zeit verteilt sich das Koffein über den Blutkreislauf im gesamten Körper und wird mit dem Urin wieder ausgeschieden. Die Halbwertszeit von Koffein – die Zeit also, die vom Körper benötigt wird um 50 Prozent des Koffeins wieder auszuscheiden – ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie Alter, Körpergewicht oder einer eventuellen Arzneimitteleinnahme. Bei gesunden Erwachsenen beträgt die durchschnittliche Halbwertszeit zwischen 2,5 und 4,5 Stunden. Bei Rauchern reduziert sich die Coffein-Halbwertszeit um 30–50 Prozent, während sie sich bei Frauen, die orale Verhütungsmittel einnehmen, verdoppelt.

Kaffee – gesünder als man denkt

Während ein erhöhter Koffeinkonsum nicht nur das Nervensystem reizt, sondern auch Magen- und Darm-Probleme verursachen kann, hat ein  moderater Konsum sogar positive Effekte.

So versichert Prof. Hauner (EKFZ), dass eine Tasse Kaffee zum Beispiel einem Diabetes-Patienten gut tut, denn durch die Chlorogensäure, die im Kaffee enthalten ist, werde der Insulinspiegel günstig beeinflusst. Auch das Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu bekommen, werde durch Kaffeekonsum nachweislich nicht erhöht. Sogar Bluthochdruck-Patienten könnten Kaffee in Maßen genießen. Prof. Hauner betont, dass - entgegen einer weit verbreiteten Annahme - Kaffee den Blutdruck nicht gesundheitsgefährdend in die Höhe treibt. Bei Herzrhythmusstörungen ist dagegen Vorsicht geboten. Eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ist zu empfehlen.

Kaffee ist kein Durstlöscher

Kaffee darf zur täglichen Flüssigkeitsbilanz dazugerechnet werden - jeder Mensch soll pro Tag etwa zwei Liter trinken. Aber als Durstlöscher ist Kaffee wegen seiner anregenden Wirkung von Koffein auf Herz und Kreislauf nicht geeignet.


Stand: April 2019