Kaffee-Ersatz: Muntermacher aus Getreide, Lupinen oder Eicheln

Es muss nicht immer echter Kaffee sein: Es gibt heiße Aufgussgetränke, die aus Pflanzen hergestellt werden, wie Kaffee aussehen und ähnlich schmecken. Sie enthalten kein Coffein und das Material stammt aus regionalem Anbau.

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Getreidekaffee und herzförmiger Haferkeks

Kaffeeersatz mit langer Tradition

Bereits im 18. Jahrhundert war der günstig herzustellende Kaffeeersatz aus gerösteten Früchten und Getreide beliebt, nachdem das Luxusgetränk Bohnenkaffee mit hohen Einfuhrzöllen belegt war. Der „Mocca faux“ – wie Getreidekaffee im deutsch-französischen Krieg 1870 von französischen Soldaten genannt wurde und „falscher Mokka“ bedeutet – klang für deutsche Ohren wie „Muckefuck“ und verlieh der Kaffeealternative den ungewöhnlichen Spitznamen.

Nachhaltig und wohlschmeckend

Herkömmlicher Bohnenkaffee weist lange Transportwege auf, nicht selten werden Kaffeebauern während der Produktion ausgebeutet und für den Anbau der Kaffeepflanzen kommen häufig giftige Pestizide sowie große Wassermengen zum Einsatz. Als regionaler Kaffeeersatz ist Getreidekaffee also wesentlich umweltfreundlicher und sozialverträglicher.

Geschmacklich kommen Getreidekaffee und Zichorienkaffee tatsächlich echtem Bohnenkaffee nah.Die Rezepturen haben sich im Laufe der Zeit verfeinert, sodass der heutige Getreidekaffee nichts mehr mit der Plörre vergangener Tage zu tun hat und es problemlos mit Bohnenkaffee aufnehmen kann. Auch Rezepte deren Zutat Bohnenkaffee ist, können gut mit Getreidekaffee zubereitet werden –ob Tiramisu, Eiskaffee oder Latte Macchiato.

Wer morgens den Kaffee wegen des aufputschenden Inhaltsstoffs Koffein benötigt, um in die Puschen zu kommen, der wird wohl eher enttäuscht sein. Ersatzkaffee ist koffeinfrei und kann zu jeder Tageszeit konsumiert werden – sogar von Schwangeren, Stillenden und Kindern.

Die Kaffeealternativen gibt es im Handel als lösliches Instantpulver oder in gemahlener Form für Filter oder Brühkaffee.

Malzkaffee oder Kinderkaffee

Mild und leicht malzig im Geschmack, dafür aber weniger kaffeeartig – das ist Malzkaffee. Malzkaffee wird in der Regel aus gemälzter Gerste hergestellt. Reife Getreidekörner werden zunächst in Wasser eingeweicht bis sie keimen. Getreideeigene Enzyme setzen währenddessen die enthaltene Stärke zu Malzzucker um. Anschließend werden die Körner getrocknet und geröstet. Letzteres lässt den entstandenen Malzzucker karamellisieren, was zur braunen Färbung und dem Röstaroma der Kaffeealternative führt.

Da der Malzkaffee sehr magenschonend ist und kein Koffein enthält, können ihn sogar Kinder problemlos trinken.

Wird ein anderes Getreide als Gerste zum Mälzen verwendet, muss die Getreideart im Produktnamen angeführt werden.

Etwas bitterer: Getreidekaffee

Für Getreidekaffee wird zum Beispiel Dinkel, Gerste, Roggen und in seltenen Fällen auch Mais verwendet. Anders als beim Malzkaffee werden bei der Getreidekaffeeherstellung die Getreidekörner nicht zum Keimen gebracht. Daher enthält Getreidekaffee auch keinen Malzzucker – jedoch mehr Bitterstoffe. Zur Geschmacksverfeinerung dienen häufig Eicheln, Kastanien, Zichorie oder Feigen.

Beim klassischen Landkaffee sorgen typischerweise Roggen, Gerste, Malz und Zichorie für das entsprechende Röstaroma.

Kaffee mit Blümchen: Zichorienkaffee

Nicht nur als geschmackliche Zutat im Getreidekaffee, auch als eigener Kaffeeersatz wird die Zichorie (Gemeine Wegwarte) verwendet. Dabei handelt es sich um eine winterharte Staude mit hellblauen Blüten, die eine nahe Verwandte des Chicorées ist.

Für den Zichorienkaffee wird die Wurzel der Pflanze zerkleinert, getrocknet und geröstet. Der in der Wurzel enthaltene Ballaststoff Inulin entwickelt beim Röstvorgang ein charakteristisches Aroma und ist zudem verdauungsfördernd. Gerb- und Bitterstoffe sorgen für eine leicht bittere Note. Eicheln und Feigen runden den Geschmack zusätzlich ab. Aufgrund des speziellen kaffeeähnlichen Aromas ist der Zichorienkaffee oft eine beliebte Zutat für andere Kaffeealternativen.

Der Zichorienkaffee ist glutenfrei und auch für Personen mit Zöliakie geeignet.

Die milde Variante: Süßlupinenkaffee

Süßlupinen zählen zu den Hülsenfrüchten und sind, anders als herkömmliche Lupinen, nicht giftig. Für die würzige, aromatische Kaffeealternative werden Samen verwendet und nach dem Trocknen schonend geröstet. Lupinenkaffee enthält nur wenige Bitterstoffe und ist zudem sehr säurearm. Das macht ihn zu einem besonders milden Kaffeeersatz. Aromatisch kommt er dennoch nah an echten Bohnenkaffee heran.

Wer aufgrund einer Glutenunverträglichkeit keinen Getreidekaffee trinken kann, hat die Möglichkeit neben dem Zichorien- auch auf den Süßlupinenkaffee zurückgreifen.

Bio ist immer die bessere Wahl

Wer sich für Getreidekaffee aus kontrolliert biologischem Anbau entscheidet, bekommt eine Kaffeealternative, deren Zutaten regional sind oder von zertifizierten Anbaupartnern stammen. Bio-Zichorien stammen dabei größtenteils aus Ungarn oder Belgien, Eicheln und Feigen aus der Türkei.

Aufgepasst mit Acrylamid

Während des Röstvorgangs kann sich aufgrund der hohen Temperaturen die krebserregende Verbindung Acrylamid bilden. Daher sollten täglich nicht mehr als zwei bis drei Tassen des Ersatzkaffees getrunken werden – genau wie beim echten Bohnenkaffee!(Sie)

Stand: April 2021