Gefährliche Energy Drinks: aufputschend bis atemlos

Wer in Diskotheken geht, Partys besucht oder in Prüfungsphasen steckt, möchte über viele Stunden fit sein. Für solche Anlässe scheinen Energy Drinks nach den Werbeaussagen der Hersteller ideal zu sein, da sie die Leistung steigern und die Müdigkeit wegpusten sollen. Doch Energy Drinks können bei übermäßigem Konsum Herz und Kreislauf erheblich gefährden. Was ist drin in Energy Drinks, weshalb wird vor übermäßigem Konsum gewarnt?

Herzschlag Sebastian Kaulitzki www. Fotolia.de_.jpg

Dreidimensionale Darstellung eines menschlichen Herzens und Herzschlag

Eine aktuelle Studie der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA warnt vor den gesundheitlichen Risiken durch Energy Drinks, denn damit nehmen Jugendliche beunruhigend viel Koffein zu sich. Besonders problematisch ist dies in Kombination mit Alkohol oder körperlicher Aktivität.

Was ist drin in Energy Drinks?

Energy Drinks sind Muntermacher und erhöhen die Leistungsfähigkeit. Dafür verantwortlich ist die hohe Menge an Koffein. Gesetzlich festgelegt ist, dass koffeinhaltige Erfrischungsgetränke maximal 320 mg Koffein pro Liter enthalten dürfen. Angeboten werden diese Getränke meist in Dosen mit 250 bis 500 ml. Eine Dose mit 250 ml Inhalt enthält somit bis zu 80 mg Koffein (Vergleich: 1 Tasse Kaffee enthält je nach Zubereitungsart und Kaffeebohnen 50-100 mg Koffein.)

Auch der reichlich enthaltene Zucker, nämlich etwa 27 Gramm pro 250 ml-Dose, geht schnell ist Blut und wirkt leistungssteigernd. Mit einer Portion Energy Drink (250 ml) wird bereits die Hälfte der täglich empfohlenen Menge an zugesetztem Zucker aus Lebensmitteln erreicht. Als Richtwert für die Aufnahme an zugesetztem Zucker werden 50-60 g pro Person angegeben.

Weitere zugesetzte Inhaltsstoffe sind Substanzen, die der Körper auch selber bildet, nämlich Taurin, Inosit und Glucuronolacton. Laut Werbeaussagen sollen diese Stoffe eine leistungssteigernde Wirkung haben, das aber wissenschaftlich nicht belegt ist.

Folgen von übermäßigem Konsum von Energy Drinks

Laut einer europaweit durchgeführten Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) konsumieren 68 Prozent der Jugendlichen Energy Drinks. Dabei gehören 12 Prozent der Jugendlichen aufgrund des monatlichen Konsums von 7 Litern zu den „stark chronischen“ Konsumenten und weitere 12 Prozent zu den „stark akuten“ Konsumenten, da sie mehr als einen Liter pro Konsum zu sich nehmen.

Auch Kinder greifen regelmäßig zu Energy Drinks. So konsumieren etwa 18 Prozent der befragten Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren Energy Drinks, wobei etwa jedes sechste Kind im Schnitt 0,95 Liter pro Woche trinkt und damit zu den „stark chronischen“ Konsumenten gehört.

Die übermäßige Zufuhr von Energy Drinks stellt nach Angaben der EFSA ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. So treten bei erhöhtem Konsum der koffeinhaltigen Getränke insbesondere folgende Symptome auf:

  • Zittern, Kopfschmerzen, Schlafstörungen
  • Erhöhter Herzschlag, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen
  • Erhöhter Blutdruck
  • Wirkungen auf das Nervensystem wie Nervosität, Zittern, Schlaflosigkeit und Panikattacken

Aus den Ergebnissen dieser Studie hat die EFSA eine Risikobewertung für Koffein erarbeitet und einen Höchstwert für Koffein ermittelt. Die Menge, die ohne Nebenwirkungen aufgenommen werden kann, beträgt für Erwachsene 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Auch für Kinder und Jugendliche gilt dieser Wert. Dies bedeutet, dass ein zwölfjähriger Junge mit 50 Kilogramm Körpergewicht bereits mit einer 0,5 Liter-Dose den empfohlenen Höchstwert überschreitet.

Jugendliche greifen zu Energy Drinks, gemischt mit Alkohol

Gerade Jugendliche trinken gerne Energy Drinks, um fit zu bleiben und weil es „dazugehört“, nicht nur in der Schule und beim Sport, sondern auch in der Disco oder anderen Veranstaltungen. Der enthaltene Zucker in den Getränken liefert zudem schnell verfügbare Energie. Der süße und erfrischende Geschmack des Getränks verleitet die Jugendlichen dazu, die Energy Drinks schneller und in größeren Mengen zu trinken. Auch körperlicher Aktivität – wie beim Tanzen – und das dadurch verursachte Durstgefühl führt zu erhöhtem Konsum von Energy Drinks.

Problematisch wird dies besonders, wenn der Energy Drink mit Alkohol wie zum Beispiel Wodka gemischt wird. Durch die Süße des Getränks wird der Alkoholgehalt nicht so wahrgenommen, was ebenfalls dazu verleitet, mehr zu trinken. Auch das Gefühl der Trunkenheit wird durch das Koffein verringert.

Energy Shots: Hochkonzentrierte Koffeinprodukte in kleinen Portionsgrößen

Energy Shots stellen eine noch größere Gefahr als Energy Drinks dar, da es sich um hochkonzentrierte Produkte in kleinen Portionsgrößen mit erhöhtem Koffeingehalt handelt. Bei bestimmungsgemäßem Verzehr der Energy Shots, d.h. einer Portion pro Tag, besteht aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung kein gesundheitliches Risiko. Auf Partys und längeren Veranstaltungen, bei denen Jugendliche und junge Erwachsene ihrer Übermüdung und Erschöpfung entgegenwirken möchten, wird jedoch meist mehr als ein Energy Shot konsumiert.

Beim Konsum von mehreren insbesondere in kurzen Zeitabständen eingenommenen Energy Shots sind gesundheitsgefährliche Wirkungen auf Herz und Kreislauf nicht auszuschließen.

Viel Koffein und viel Süße

  • Energy Shots enthalten pro Portion 25 bis 75 ml mit 50-200 mg Koffein. So enthält ein Produkt mit 60 ml Inhalt 80 mg Koffein. Dies entspricht mehr als 1300 mg Koffein pro Liter. Der bittere Koffeingeschmack wird durch die extreme Süße überdeckt.

Als Nahrungsergänzungsmittel verkauft

  • Die gesetzlichen Vorgaben für Erfrischungsgetränke werden umgangen, indem die Energy Shots als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden.

Warnhinweis ist Pflicht

  • Energy Shots müssen die Verzehrsempfehlung „Nur eine Portion pro Tag“ tragen.

Kennzeichnung: Erhöhter Koffeingehalt

Seit dem 13. Dezember 2014 müssen Getränke – mit Ausnahme von Kaffee und Tee – ab 150 Milligramm pro Liter mit einem Warnhinweis auf den erhöhten Koffeingehalt hinweisen. Deshalb müssen Energy Drinks und Energy Shots gekennzeichnet sein mit „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere und stillende Frauen nicht empfohlen.“

Verbraucherschutzorganisationen wie Verbraucherzentralen oder foodwatch fordern aufgrund der aktuellen EFSA-Bewertung von Koffein für Energy Drinks ein Verkaufsverbot an Minderjährige; Energy Shots sollten aufgrund des leichten Missbrauchs ganz verboten werden.

Übrigens: In üblichen Mengen ist Koffein nicht gesundheitsschädlich. So bewertet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 350 mg Koffein pro Tag für einen Erwachsenen als unbedenklich. Diese Menge ist in vier Tassen Kaffee oder in einem Liter Cola enthalten. Diese Werte gelten für einen gesunden Erwachsenen, nicht jedoch für Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen oder für Kinder und Jugendliche.

Stand: Mai 2019