Alkoholfreies Bier – beliebt nicht nur bei Autofahrern

Das früher gelegentlich als „Autofahrerbier“ oder „Bleifreies“ verspottete alkoholfreie Bier wird immer beliebter. Brauereien freuen sich über die steigende Nachfrage, und Konsumenten haben immer mehr Auswahl. Denn inzwischen bietet fast jede Brauerei eine oder mehrere alkoholfreie Bierspezialitäten an. Aber wie wird alkoholfreies Bier eigentlich hergestellt? Und ist es wirklich vollständig alkoholfrei?

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Bierflaschen

Wer hat das Bier ohne Alkohol erfunden?

Nein, die Schweizer waren es nicht. Es waren die Deutschen, genauer gesagt die Ostdeutschen. Da in der damaligen DDR absolutes Alkoholverbot am Steuer herrschte, hat dort eine inzwischen nicht mehr existierende Brauerei in den frühen 1970er Jahren das erste alkoholfreie Bier entwickelt und unter dem Namen AUBI auf den Markt gebracht. In Westdeutschland wurde erst Ende der 1970er Jahre von Clausthaler ein alkoholfreies Bier vorgestellt, das einen ungeahnten Erfolg hatte und bald zahllose Nachahmer fand.

Anfangs oft belächelt ist das Autofahrerbier inzwischen salonfähig und aus dem deutschen Getränkemarkt nicht mehr wegzudenken, denn nicht nur Autofahrer sondern viele gesundheitsbewusste Menschen trinken gerne diesen nicht-berauschenden Gerstensaft. Und das sicherlich zu Recht, denn geschmacklich hat er mehr zu bieten als man vermutet.

Wie wird alkoholfreies Bier hergestellt?

Die Antwort lautet: Nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Das bedeutet, dass zu Beginn des Brauens alles genau so gemacht wird wie bei der Herstellung von alkoholhaltigem Bier. Gerstenmalz wird mit Wasser zur sogenannten Maische vermengt und erhitzt. Dabei wird die enthaltene Stärke in Malzzucker umgewandelt. Anschließend wird die abfiltrierte Flüssigkeit (Würze) mit Hopfen gekocht. Nach Entfernung der Hopfenbestandteile und des ausgefallenen Eiweißes wird die Würze abgekühlt. Anschließend wird für die Gärung Hefe zugegeben, die den Malzzucker in Ethanol (Alkohol) und Kohlensäure umwandelt.

Ab diesem Stadium trennen sich die Produktionswege:

  • „Normales“ Bier und Bier, dem nach der klassischen Gärung der Alkohol wieder entzogen wird (siehe unten), wird im Laufe der folgenden fünf bis acht Tage zum „Jungbier“ vergoren, in Tanks abgefüllt und dort je nach Sorte zwei bis 12 Wochen nachgegoren.
  • Die andere Möglichkeit besteht zum einen darin, den Gärprozess frühzeitig zu stoppen beziehungsweise zu verlangsamen, so dass so gut wie kein Alkohol und wenig Kohlensäure entstehen. Zum anderen können die Brauer spezielle Hefen zusetzen, die den Malzzucker nicht vergären können; auch auf diese Weise wird kaum Alkohol gebildet.
  • Den bei der klassischen Gärung  entstandenen Alkohol kann man entweder durch Vakuum-Destillation oder durch spezielle Membran-Filter nachträglich entfernen. Die bei diesen Prozessen entweichenden Aromen und die Kohlensäure werden aufgefangen und dem Bier später wieder zugesetzt.
  • Auch eine Kombination der beschriebenen Verfahren ist möglich.

Bedeutet „alkoholfrei“ wirklich „ohne Alkohol“?

Es gibt Biere, die annähernd null Prozent Alkohol enthalten. Aber in Deutschland dürfen Biere, die als alkoholfrei deklariert sind, bis zu 0,5 Volumen-Prozent Alkohol enthalten (im Ausland zum Teil bis zu 1,0 Prozent). Das ist ein Wert, der auch beispielsweise in Fruchtsäften oder in Milchprodukten zu finden ist. Der geringe Alkoholgehalt hat Studien zufolge keine Auswirkungen auf den Körper oder auf das Reaktionsvermögen. Auch wenn nach dem Genuss größerer Mengen alkoholfreien Bieres in kurzer Zeit nur minimale Mengen (durchschnittlich 0,0024 Promille) Alkohol im Blut von Versuchspersonen gemessen werden konnten, sollten Schwangere vorsorglich darauf verzichten. Dies gilt auch für Alkoholkranke, da durch den Geruch, den Geschmack und das Aussehen von alkoholfreiem Bier das Verlangen nach alkoholhaltigen Getränken gefördert werden könnte.

Ist alkoholfreies Bier auch ein „Diät-Bier“?

Das kommt darauf an. Zwar enthalten die alkoholfreien Biere aufgrund des fehlenden Alkoholanteils deutlich weniger Energie als alkoholhaltiges Bier, aber sie enthalten je nach Sorte vergleichsweise mehr Kohlenhydrate meist in Form von Maltodextrin. So können alkoholfreie Biere durchaus zwischen 130 bis zu 300 Kilokalorien pro Liter enthalten. Wer auf Kalorien achten will oder muss, sollte daher genau auf das Etikett schauen.

Welche Biere schmecken am besten?

Dieser Frage ist die Stiftung Warentest nachgegangen und hat 20 Produkte auf Geschmack und Inhaltsstoffe getestet. Davon erhielten neun die Gesamtnote „gut“, zehn waren „befriedigend“ und eines „ausreichend“. Testsieger war das „Alkoholfrei Pilsener“ von Warsteiner. Das „Holsten Alkoholfrei“ landete aufgrund von Deklarationsmängeln und vergleichsweise hohen Gehalten an kritischen Stoffen (Glyphosat) sowie Fremdkohlensäure auf dem letzten Platz. Geschmacklich waren von den getesteten Bieren eines „sehr gut“, neun „gut“ und zehn „befriedigend“. Das einzige Bier, das den Testern „sehr gut“ schmeckte, war ein mit 7,85 Euro pro Liter teures Craft-Bier der Kehrwieder Kreativbrauerei.

Stand: Juli 2018