Knollenziest – ein fast vergessenes Festtagsgemüse

Kaum einer kennt sie noch, die kleinen, cremeweißen bis durchsichtigen Wurzeln mit den bizarren Formen. Dabei sind sie großartige Energielieferanten, die nicht dick machen und kinderleicht im eigenen Garten angebaut werden können.

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Knollenziest

Knollenziest ist eine absolute Rarität unter den Gemüsebeilagen und gehört botanisch gesehen zu Rosmarin und Lavendel. Den Blättern und dem Stängel werden Ähnlichkeiten mit Taubnesseln oder Zitronenmelisse nachgesagt. Die perlmuttfarbenen, essbaren, bis zu acht Zentimeter langen und zwei Zentimeter dicken Knöllchen an den Wurzeln erinnern an eine Perlenkette. Haben Sie das merkwürdige Gemüse schon mal auf Ihrem Teller gehabt?

In Frankreich sehr beliebt

Seit Anfang des 19. Jahrhundert ist der, ursprünglich aus Japan und China stammende, Knollenziest in Europa beheimatet. Reisende brachten die knubbelige Wurzel aus Japan um 1880 mit nach Frankreich und von da an war es um die Franzosen geschehen. Die Knollen erfreuten sich in Paris und ganz Frankreich großer Beliebtheit. Nach und nach erreichte das neue Trendgemüse auch Deutschland, die Schweiz und England und war bis etwa 1945 eine beliebte Festtagsmenü-Beilage.

Während in Deutschland die Begeisterung für den Knollenziest bald wieder abebbte und das bizarre Gemüse in den 1970er Jahren fast vollständig von der Bildfläche verschwunden war, gilt die Knolle in Frankreich bis heute als Delikatesse. Dort trägt sie den Namen „Crosne“, benannt nach der nahe Paris gelegenen Stadt Crosne, in welcher der Knollenziest 1887 erstmals angebaut wurde.

Heute wird der Knollenziest auch hierzulande vermehrt angebaut und Gastronomen beginnen sich für das knubbelige Gemüse zu interessieren. Dennoch ist er im Supermarkt nach wie vor eine Seltenheit. Wer sich nach dem Knollenzeist auf die Suche begibt, wird am ehesten auf Wochenmärkten oder in Gemüsekisten fündig.

Die Ernte beginnt pünktlich zur gemütlichen Jahreszeit

Eine weitere Möglichkeit ist, den Knollenziest im eigenen Garten anzuzüchten, denn im Anbau ist er sehr anspruchslos und erinnert an Kartoffeln. Je drei Knollen werden zwischen Februar und Ende April zusammen in fünf bis zehn Zentimeter tiefe Erdlöcher gelegt und mit Erde bedeckt. Die Pflanze bevorzugt einen sonnigen bis halbsonnigen Standort mit einem ausreichend feuchten Boden. Bei Wassermangel bleiben die Knollen eher klein und weisen tiefere Abschnürungen auf. Von Oktober bis Dezember werden die Knollen geerntet – dann, wenn die Stängel und Blätter der Pflanze abgestorben sind. Dafür werden die Knollen vorsichtig aus der Erde ausgegraben. Die Knollen können im Boden überwintern und so für ein ertragreiches nächstes Jahr sorgen.

Knollenziest in der Küche

Knollenziest sollte frisch zubereitet werden. Ist er nämlich aus der Erde gezogen und in Kontakt mit Sauerstoff gekommen, büßt er schnell an Qualität ein, fällt zusammen und wird schrumpelig. Eine Lagerung des Knollenziest ist lediglich bei hoher Luftfeuchtigkeit und maximal zwei Grad Celsius möglich. Am besten hierfür die Knollen in feuchten, sauberen Sand einschlagen. Gewaschen sind sie im Kühlschrank rund eine Woche haltbar.

Wer den Knollenziest in der Küche zubereitet, darf durchatmen, denn das knubbelige Gemüse muss nicht geschält werden. Die Haut der Knolle ist sehr dünn und unverkorkt. Wer sich allerdings daran stört, kann diese mit einem Küchentuch leicht abreiben.

Die Knollen können roh in Salaten oder gekocht, gebraten oder gedünstet als Beilagengemüse zu Fleischgerichten verzehrt werden. Des Weiteren kann das bizarre Gemüse wie Cornichons oder Kapern in Essig eingelegt oder wie Spargel mit zerlassener Butter serviert werden.

Dabei erinnert der leicht nussige Geschmack an Artischocken, Haselnüsse, Topinambur oder Schwarzwurzeln.

Knollenziest: Nicht nur lecker, sondern auch vollgepackt mit guten Inhaltsstoffen

Das knubbelige Gemüse ist gut für die Figur: Durch seinen Stärkegehalt ist es ein hervorragender Energielieferant, weist aber gleichzeitig kaum Fett auf. Des Weiteren enthält die bizarre Knolle viel Eiweiß und Mineralsalze. Einziger Nachteil: In der Knolle ist auch viel Stachyose enthalten, eine spezielle Zuckerart die Blähungen verursachen kann.

Stand: Dezember 2018