Organspende – entscheiden ist wichtig

Anfang Juni findet alljährlich der "Tag der Organspende" statt, der Menschen anregen soll, über dieses Thema nachzudenken. Viele wissen nicht, dass auf dem Organspendeausweis „ja“ oder „nein“ angekreuzt werden kann. So kann man selber bestimmen und es müssen nicht die Angehörigen diese schwere Entscheidung treffen. Diese Antworten auf wichtige Fragen rund um dieses sensible Thema helfen Ihnen bei Ihrer Entscheidung.

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Organspendeausweis

Mehr als 10.000 Menschen in der Bundesrepublik warten derzeit auf eine Organspende. Für die Mehrzahl der betroffenen Menschen gibt es kein passendes Spenderorgan. Dabei stehen vier von fünf Bürgern der Organspende prinzipiell positiv gegenüber. Doch nur etwa ein Drittel erklärt diesen Willen schriftlich und verbindlich – mit dem Organspendeausweis und/oder mit der Patientenverfügung.
Deshalb haben sich viele Gesundheitsorganisationen, so auch die Hessische Landesregierung, zum Ziel gesetzt, die Bereitschaftzur Organspende zu erhöhen.

Es ist leicht, einen Organspendeausweis zu bekommen. Er liegt in den hessischen Gesundheitsbehörden, den meisten Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken aus und ist auch bei den Krankenkassen erhältlich.

Warum es Sinn macht, über eine Organspende nachzudenken

Es fällt vielen Menschen nicht leicht, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen. Denn die Bereitschaft zur Organspende bedeutet, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen.Doch es ist wichtig, sich schon zu Lebzeiten mit der Organspende zu beschäftigen. Denn in der Situation des Todes eines nahen Angehörigen fällt die Entscheidung schwer, wenn vorher nie über diese Frage gesprochen wurde.Die Situation ist besonders belastend, da die Angehörigeneinen schweren persönlichen Verlust zu verkraften haben undim gleichen Augenblick über den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen entscheiden müssen.

Ja oder Nein ankreuzbar auf dem Organspendeausweis

Viele meinen, dass mit dem Besitz eines Organspendeausweises eine automatische Verpflichtung zur Organspende verbunden ist. Dies ist aber nicht der Fall. Denn auf dem Ausweis kann neben dem zustimmenden „Ja“ auch ein ablehnendes „Nein“ angekreuzt werden. Außerdem kann man festlegen, dass nur bestimmte Organe entnommen werden dürfen. Auch die umgekehrte Festlegung ist möglich, indem man angibt, welche Organe nicht entnommen werden dürfen.

Wer sich zu Lebzeiten nicht festlegen möchte, kann auf dem Spenderausweis den Namen der Person angeben, die im Ernstfall die Entscheidung treffen soll. Dies sollte mit der Vertrauensperson vorab besprochen werden und sie sollte damit auch einverstanden sein.

Nach der Repräsentativbefragung 2016 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stehen Menschen mit einem Spendeausweis meist einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber: 74 Prozent stimmen einer Organ- und Gewebespende nach ihrem Tod zu, 18 Prozent widersprechen und 4 Prozent übertragen die Entscheidung auf eine andere Person.

Hirntod – entscheidendes Kriterium für Organspende

In Deutschland sterben jährlich etwa 900.000 Menschen, 400.000 davon in Krankenhäusern. Nur wenn bei diesen Menschen der Hirntod vor dem Herztod eintritt – was bei etwa einem Prozent der Fall ist -, kommen sie als eventuellee Spender für durchblutete Organe infrage, da durch eine künstliche Beatmung die Organfunktionen noch für eine bestimmte Zeit aufrechterhalten werden können.
Zwei Ärzte müssen dabei unabhängig voneinander den Hirntod feststellen.

Außerdem darf der Verstorbene nicht an bestimmten Infektionskrankheiten leiden und seine Organe müssen gesund sein.

Es dauert durchschnittlich sieben bis 18 Stunden von der Feststellung des Hirntodes bis zum Ende der Organentnahme.

Viele Fragen mit klaren Antworten

Wer sich mit diesem Thema beschäftigt, hat meist noch viele Fragen. Das Hessische Sozialministerium gibt auf wichtige Fragen rund um die Organspende Antworten:

  • Wer kann Organspender sein?
    Für die Organspende gibt es keine Altersgrenzen, entscheidend ist allein der Gesundheitszustand der Organe. Ob ein Organ transplantiert werden kann, entscheidet letztlich der Arzt, der die Organe transplantiert.
     
  • Wer kann einen Organspendeausweis ausfüllen?
    Mit 16 Jahren kann jeder selbst einen Organspendeausweis ausfüllen. Einer Organspende widersprechen kann man bereits mit 14 Jahren.
     
  • Warum ist es wichtig, dass ich eine Entscheidung treffe?
    Liegt im Falle Ihres Todes keine schriftliche Erklärung vor, kann eine belastende Situation für Ihre Angehörigen entstehen. Sie haben einen schweren persönlichen Verlust erlitten und müssen im gleichen Augenblick Ihren mutmaßlichen Willen zur Organspende bedenken. Diese Situation führt häufig dazu, dass Angehörige eine Entnahme von Organen bei einem nahen Verwandten ablehnen.
     
  • Sollte ich meine Entscheidung mit meinen Familienangehörigen besprechen?
    Es ist unbedingt ratsam, mit Familienangehörigen über das Thema Organspende und die eigene Entscheidung dazu zu sprechen. Denn ein Gespräch mit den Verwandten zu Lebzeiten stellt sicher, dass diese im Falle Ihres Todes Ihre Entscheidung zur Organspende kennen.
     
  • Kann ich meine Entscheidung zur Organspende ändern?
    Sie können Ihre Entscheidung jederzeit ändern. Vernichten Sie einfach Ihren bisherigen Organspendeausweis und füllen Sie einen neuen aus. Von Ihrer geänderten Entscheidung sollten Sie auch Ihre Angehörigen unterrichten.
     
  • Ist eine Organspende möglich, wenn gleichzeitig eine Patientenverfügung existiert?
    Man kann diese so verfassen, dass die Möglichkeit zur Organspende erhalten bleibt. Um Unsicherheiten und Konflikte zu vermeiden, ist es wichtig, gerade zur Organspende eindeutige Angaben zu machen und die Angehörigen darüber zu informieren. Zum Beispiel: „Komme ich nach ärztlicher Beurteilung bei einem sich abzeichnenden Hirntod als Organspender in Betracht und müssen dafür ärztliche Maßnahmen durchgeführt werden, die ich in meiner Patientenverfügung ausgeschlossen habe, dann geht die von mir erklärte Bereitschaft zur Organspende vor.“
     
  • Ist sichergestellt, dass alles für mich getan wird – auch wenn ich einen Organspendeausweis habe?
    Ziel aller medizinischen Maßnahmen durch Notärzte, Rettungsteams und Intensivmediziner im Falle eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung ist es immer, das Leben des Patienten zu retten. Manchmal kommt die ärztliche Hilfe zu spät, Krankheit oder Unfallfolgen sind zu weit fortgeschritten, der Patient kann nicht mehr gerettet werden. Erst dann stellt sich bei einer kleinen Gruppe von Patienten, die am Hirntod verstorben sind, die Frage einer Organspende. Die Intensivmediziner haben mit Organentnahme und Transplantation nichts zu tun.
     
  • Ist sichergestellt, dass meine Organe nicht verkauft werden?
    Der Verkauf von Organen ist strengstens verboten. In Deutschland wird die Organentnahme ausschließlich durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert und von Eurotransplant an den jeweils nächsten Patienten auf der Warteliste vermittelt.
     
  • Welche Organe und welche Gewebe kann ich spenden?
    Auf Ihrem Organspendeausweis können Sie vermerken, ob Sie sich generell zur Organspende und Gewebespende nach Ihrem Tod bereit erklären oder ob Sie bestimmte Organe oder Gewebe von einer Spende ausschließen möchten.

    Derzeit können gespendet werden:
    Organe: Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm
    Gewebe: Hornhaut der Augen, Gehörknöchelchen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, Hirnhaut, Knochengewebe, Knorpelgewebe, Sehnen und Haut.
     
  • Welche Voraussetzungen müssen für eine Organentnahme erfüllt sein?
    Es muss der Tod des Spenders durch den endgültigen, nicht behebbaren Ausfall der Gesamtfunktion des Gehirns (Hirntod) festgestellt worden sein. Es muss eine Einwilligung vorliegen, entweder in Form einer schriftlichen Einverständniserklärung des Verstorbenen (Organspendeausweis) oder einer vom Verstorbenen dazu bestimmten Person vorliegen. Falls keine Erklärung vorliegt, ist die Zustimmung eines nächsten Angehörigen notwendig. Dieser hat neben seiner eigenen Wertvorstellung den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen zu berücksichtigen.
     
  • Können Angehörige den Verstorbenen nach der Organentnahme sehen?
    Die Familie kann in der von ihr gewünschten Weise Abschied von dem Verstorbenen nehmen. Nach der Entnahmeoperation wird die Operationswunde mit der gebührenden Sorgfalt verschlossen. Der Verstorbene kann aufgebahrt werden und die Bestattung wie gewünscht stattfinden.

Vor Entscheidung umfassend informieren

Wer sich mit dem Thema Organspende beschäftigt, sollte sich auch über die Transplantation informieren und der damit verbundenen Entnahme von Organen und Geweben. Die Organentnahme findet nur bei hirntoten Menschen statt. Dies bedeutet jedoch, dass sie mit Hilfe des Beatmungsgerätes noch atmen und der Brustkorb sich hebt und senkt, dass sie eine rosige Haut haben und Fieber bekommen können und dass ihre Nieren arbeiten und Urin ausgescheiden.

Vor der Entscheidungsfindung sind alle Facetten der Organspende zu beleuchten. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, was er für richtig hält. Dies kann er mit dem Organspendeausweis tun, da er hier „ja“ oder „nein“ ankreuzen kann bzw. angeben kann, welche Organe entnommen werden dürfen und welche nicht.

Kostenloses Info-Telefon Organspende

Wer Fragen in einem persönlichen Gespräch klären möchte, kann dies unter dem gebührenfreien Info-Telefon Organspende der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Deutschen Stiftung Organtransplantation tun:
Infotelefon Organspende: 0800 - 90 40 400 (Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr)

Film der BZgA: „Jein gilt nicht! #entscheiden zählt
Der fünfminütige Internetfilm erklärt leicht verständlich den Organspendeausweis.

Stand: Juni 2017