Tipps für die richtige Mundhygiene

Karies und Erkrankungen drohen jedem, der es mit der Mundhygiene nicht so genau nimmt. Doch gründliches Putzen alleine reicht oftmals nicht aus. Eltern sollten zusätzlich darauf achten, dass auch für Kinder die Zahnpflege wichtig ist. Frau Dr. med. dent. Nora Bolz aus Gießen beantwortet Fragen und gibt Tipps, damit Ihre Zähne lange gesund bleiben.

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Frau hält Zahnbürsten in der Hand

Die Zahnpflege hat heute einen hohen Stellenwert und ist die Grundvoraussetzung für eine gesunde Mundflora. Gepflegte Zähne gelten als attraktiv und strahlen Lebensfreude und Wohlbefinden aus, zudem haben sie einen positiven Einfluss auf die allgemeine Gesundheit. Lesen Sie im folgenden Interview, weshalb Sie die Pflege von Zähnen, Zahnfleisch und Co. nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten und was Sie tun können, um Ihre Mundhygiene zu verbessern.

VF: 47 Prozent der Menschen in Deutschland nutzen bereits eine elektronische Zahnbürste. Kann man mit einer Handzahnbürste auch gute Ergebnisse erzielen?

Dr. Nora Bolz: Grundsätzlich reinigen elektrische Zahnbürsten die Zähne besser als Handzahnbürsten – zumindest dann, wenn die gleiche Putzzeit eingehalten wird. Denn elektrische Zahnbürsten nehmen ein Teil der Putzbewegungen ab. Entscheidend für ein gutes Putzergebnis mit einer elektrischen Zahnbürste ist dennoch die richtige Anwendung. Wichtig ist dabei, dass die elektrische Zahnbürste ohne großen Druck auf den Zahn gehalten wird und ohne Schrubbewegungen Zahn für Zahn geputzt wird.

VF: Wie oft sollte man seine Zähne putzen?

Dr. Nora Bolz: Grundsätzlich sollten Zähne mindestens zweimal am Tag mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt werden, davon einmal täglich in Kombination mit Zahnseide beziehungsweise Interdentalbürstchen. Mehr als zweimal tägliches Putzen führt zu einer noch besseren kariespräventiven Wirkung. Der Zeitpunkt richtet sich nach individuellen Lebensgewohnheiten, allerdings wird in der Regel das Zähneputzen nach den Hauptmahlzeiten und vor dem Schlafengehen empfohlen.

VF: Kann zu starkes Putzen den Zähnen schaden?

Dr. Nora Bolz: Harte Borsten putzen den Zahnbelag auf den Zähnen deutlich besser weg als weiche. Allerdings besteht die Gefahr, dass es bei nicht korrekter Anwendung der richtigen Putztechnik zu Verletzungen am Zahnfleisch kommen kann. Der Kompromiss sind daher mittelharte Bürsten, da sie gründlich reinigen und gleichzeitig das Zahnfleisch schonen.

VF: Welche Technik sollte man beim Zähneputzen anwenden?

Für eine gründliche Reinigung der Zähne wird die „modifizierte Bass-Technik“ empfohlen. Dabei sollten die Borsten in einem 45-60 Grad-Winkel zur Zahnkrone stehen. Die Borstenfläche ist hierbei zum Zahnfleisch gerichtet. Mit einem leichten Druck sollten aus dieser Stellung kreisende bzw. rüttelnde Bewegungen an jedem Zahn und allen Zahnflächen durchgeführt werden.

Grundsätzlich kann es hilfreich sein sich eine Putzreihenfolge einzuteilen, um nach und nach die Zahnflächen aller Zähne zu erreichen. Dabei empfiehlt es sich mit den „schwierigen Stellen“ zu beginnen, denn je länger man sich die Zähne putzt, desto geringer wird die Motivation. Zunächst sollte man demnach die Innenflächen im Ober- und Unterkiefer reinigen, gefolgt von den Außenflächen und zu guter Letzt die Kauflächen oben und unten.

VF: Zahnzwischenräume reinigen ist lästig, geht es auch ohne?

Dr. Nora Bolz: Die Zahnbürste schafft es nicht, die Zahnzwischenräume zu erreichen und reinigt damit nur etwa 70 Prozent der Zahnoberfläche. Doch Plaque und Beläge lagern sich auch zwischen den Zähnen ab und müssen entfernt werden. Durch die fehlende oder unregelmäßige Verwendung von Interdentalpflegeprodukten wie Zahnseide und Interdentalbürstchen ist der Zahnzwischenraum die häufigste Stelle, an der Karies entsteht.

VF: Welche Mittel gibt es gegen Mundgeruch?

Dr. Nora Bolz: Mundgeruch hat eine Reihe unterschiedlichster Ursachen, die man in lokale (auf den Mund-Rachenraum bezogene) und systemische (durch Allgemeinerkrankungen hervorgerufen) unterteilen kann. Zu den lokalen Ursachen zählen Nahrungsreste und zu geringe Speichelproduktion, jedoch in den meisten Fällen entsteht Mundgeruch durch bakterielle Beläge. Diese entstehen durch eine unzureichende Zahnpflege.

Neben gründlichem Zähneputzen, ist die Zahnzwischenraumpflege mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen zu empfehlen. Unterstützend kann man mit entsprechenden Mundwässern (zum Beispiel mit Chlorhexidin-Lösungen) spülen. Auch das Bürsten der Zungenoberfläche kann den Bakterienbesatz und die Beläge und den damit verbundenen Mundgeruch reduzieren.

Falls trotz guter Mundhygiene die Beschwerden anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine Allgemeinerkrankung auszuschließen.

VF: Wie wichtig ist eine professionelle Zahnreinigung (PZR)?

Dr. Nora Bolz: Auch wer gründlich putzt, erreicht niemals alle Bereiche des Gebisses, wie sehr weit hinten im Mund, in den Zahnzwischenräumen und am Zahnfleisch. Denn in der Regel werden mit der Zahnbürste nur etwa 60 Prozent der Zahnflächen gereinigt.  Daher wird von Zahnärzten zweimal im Jahr zu einer PZR geraten. Dieser Zeitraum hat sich bewährt, um Zahnproblemen effektiv vorzubeugen.

Durch eine PZR lassen sich weiche wie harte Beläge gründlich entfernen. Dabei kommen Ultraschallgeräte, Handinstrumente und Pulverstrahlgeräte zum Einsatz. Anschließend werden die Zähne poliert und fluoridiert, um die Zahnoberfläche zusätzlich zu schützen.

Die PZR wird in der Regel von einer speziell ausgebildeten zahnmedizinischen Fachangestellten durchgeführt und dauert zwischen 30 und 90 Minuten – je nach Aufwand.

Die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse meist nicht getragen. Im Einzelfall muss mit der jeweiligen Krankenkasse Rücksprache gehalten werden.

VF: Es gibt Zahnpasta speziell für Kinder – ist das notwendig?

Dr. Nora Bolz: Mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns sollten Eltern mit der regelmäßigen Zahnpflege ihrer Kinder beginnen. Dabei wird die Anwendung eines dünnen Films fluoridhaltiger Kinderzahnpasta einmal am Tag empfohlen. Ab dem Alter von zwei Jahren sollte zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta geputzt werden.

Kinderzahnpasta enthält mit 500 ppm Fluorid wesentlich weniger Fluorid als Erwachsenen-Zahnpasta, da Kleinkinder die Zahnpasta größtenteils herunter schlucken. Der geringe Fluoridgehalt schützt Kleinkinder vor einer Zahnfluorose, die entstehen kann, wenn sie während der Zahnentwicklung überhöhte Mengen an Fluorid zu sich nehmen.  Zudem schmecken Kinderzahnpasten mild und oft fruchtig-süß und sollen Kinder zum Zähne putzen motivieren.

VF: Ab wann kann eine Junior-Zahnpasta benutzt werden und müssen Eltern das Zähneputzen beaufsichtigen?

Wenn mit dem sechsten Lebensjahr die ersten bleibenden Zähne durchbrechen, wird empfohlen auf eine Junior-Zahnpasta umzusteigen. Der Fluoridgehalt entspricht der einer Erwachsenen-Zahnpasta und bietet damit den optimalen Schutz für das sogenannte Wechselgebiss. Im Vergleich zur Erwachsenen-Zahnpasta ist die Junior-Zahnpasta in der Regel milder im Geschmack.

Wichtig ist, dass Eltern die Zähne ihrer Kinder jeden Tag gründlich nachputzen bis ins hohe Grundschulalter (Faustregel: bis Kinder flüssig Schreibschrift schreiben können).

VF: Vielen Dank für das Gespräch und die interessanten Informationen.

Dr. Nora Bolz
Dr. Nora Bolz