Ob Grippe oder Coronavirus – was bringen Desinfektionsmittel?

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln ist derzeit hoch – schuld daran ist der aktuelle Ausbruch des SARS-CoV-2, das Coronavirus. Im Internet verlangen unseriöse Anbieter für derlei Sprays, Gels und Tücher teilweise horrende Preise. Bringen die Desinfektionsmittel überhaupt etwas? Gibt es Alternativen?

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Hände werden desinfiziert

Nicht alle Desinfektionsmittel helfen gegen den Coronavirus

Tatsächlich helfen nicht alle im Handel erhältlichen Desinfektionssprays, Hygienegele oder -tücher gegen den aktuell grassierenden Coronavirus, geschweige denn gegen Grippe-Viren. Grund dafür ist, dass viele angebotene Produkte sich vor allem gegen Bakterien richten. Damit das Desinfektionsmittel auch etwas gegen Viren ausrichtet, sollte auf den Fläschchen und Verpackungen neben dem Hinweis „entfernt 99 Prozent der Bakterien“ auch der Zusatz „begrenzt viruzid“, „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ vermerkt sein.

„Begrenzt viruzid“ und „viruzid“ - was bedeutet das?

Diese Angaben geben Auskunft darüber, in welchem Maße das jeweilige desinfizierende Produkt auch Viren abtötet.

Der Hinweis „begrenzt viruzid“ schließt neben der Wirksamkeit gegenüber Bakterien auch behüllte Viren mit ein, zu denen unter anderem die Grippe- und Coronaviren gehören. Diese Viren sind von einer Lipidschicht umgeben, die sie relativ empfindlich gegenüber Alkohol macht. Daher lassen sie sich bereits mit den begrenzt viruziden Mitteln effektiv bekämpfen.

Es gibt allerdings auch Erkältungsviren, zum Beispiel Rhinoviren, die nicht mit so einer Hülle ausgestattet sind. Dementsprechend sind diese Viren robuster und benötigen ein stärkeres viruzides Desinfektionsmittel, etwa mit dem Hinweis "viruzid".

Hand-Desinfektion meist gar nicht nötig – Seife tut es auch!

Desinfektionsmittel hin oder her – die Regale mit den desinfizierenden Produkten in Supermärkten, Drogerien und Apotheken sind aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie zurzeit oft leergefegt. Trotzdem besteht kein Grund zur Sorge! Denn tatsächlich verringert auch gründliches Händewaschen mit Seife das Infektionsrisiko mit Viren und Bakterien um 99,9 Prozent.

In Bezug auf Grippe- und Coronaviren spielt auch hier die Lipidhülle wieder eine entscheidende Rolle: Nicht nur Alkohol kann diese Hülle zerstören, sondern auch die in herkömmlicher Seife enthaltenen Waschsubstanzen. Manche Keime befinden sich auch im natürlichen Fettfilm der Haut, die mit Wasser alleine nicht entfernt werden können. Ist keine Seife da, sollte man jedoch nicht auf das Händewaschen verzichten. Nur mit Wasser wird zumindest ein Teil der Bakterien weggespült.

Richtiges Händewaschen braucht Zeit und Seife

  • Damit das Händewaschen effektiv im Kampf gegen die Viren und natürlich auch Bakterien ist, wird eine Dauer von 20 bis 30 Sekunden empfohlen. Das ist etwa so lange, wie man für zweimal Summen des Liedes „Happy Birthday“ brauchen. Wer schneller seine Hände wäscht, vergisst oft, Daumen, Fingerspitzen oder den Handrücken einzuseifen und zu waschen.
  • Zunächst die Hände unter fließendes Wasser halten.
  • Danach die Hände mit Seife gründlich einseifen, und zwar nicht nur die Handinnenflächen, sondern auch die Handrücken, Fingerspitzen, Fingerzwischenräume und Daumen.
  • Auch unter den Fingernägeln sammelt sich im wahrsten Sinne Dreck an, besonders bei längeren. Hier kann es sinnvoll sein, die Fingernägel kurz zu halten.
  • Nachdem man die Hände für 20 bis 30 Sekunden eingeseift hat, können sie anschließend wieder unter fließendem Wasser abgespült werden.
  • In öffentlichen Toiletten verwendet man am besten zum Öffnen und Schließen des Wasserhahns ein Einweghandtuch oder den Ellenbogen.
  • Zum Schluss die Hände sorgfältig trocknen und dabei die Fingerzwischenräume nicht vergessen. In öffentlichen Toiletten sind Einmalhandtücher optimal. Zu Hause hat am besten jeder sein persönliches Handtuch.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) bietet auch kurze Videoclips zum richtigen Händewaschen an.

Desinfektionsmittel und Schutzkleidung den Krankenhäusern und Arztpraxen lassen!

Da auch Seife ein hervorragendes Mittel gegen SARS-CoV-2 und Grippeviren ist, kann man vom Kauf diverser Desinfekionsmittel beruhigt absehen und diese stattdessen den Beschäftigten im Gesundheitswesen überlassen. Dies gilt auch für sämtliche weitere Schutzkleidung wie Atemmasken. In Krankenhäusern, Kliniken und Arztpraxen werden sie am dringendsten gebraucht!

Guter alter Melissengeist

Wer dennoch nicht ohne Desinfektionsmittel für unterwegs auskommen möchte, kann auf einen Klassiker zurückgreifen: Melissengeist (oder vergleichbare Mittel) mit 79 Prozent Alkoholgehalt. Dieses Ersatzmittel kann für die Desinfektion der Hände problemlos verwendet werden und ist auch für die äußere Anwendung zugelassen.

Desinfektionsmittel selbst herstellen? Besser nicht!

Auch wenn im Internet viele Rezepte zum Selbstanmischen von Desinfektionsmitteln kursieren, auch auf seriösen Seiten wie etwa die der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ist hiervon eher abzuraten. Die benötigten Chemikalien sind nicht ungefährlich und können zum Beispiel schnell Feuer fangen! Da ist man mit einem Stück Seife auf der sicheren Seite! (Sie)

Stand: März 2020