Notdienst oder Rettungsdienst - Wann 116117, wann 112 wählen?

Wer am Wochenende plötzlich hohes Fieber bekommt, an Atemnot leidet oder sonstige schwere Gesundheitsbeeinträchtigungen hat, braucht ärztliche Hilfe. Wann rufe ich den ärztlichen Notdienst mit der Nummer 116117 an, wann den Rettungsdienst mit der Nummer 112?

RS10902_Rettungssanitaeter und Einsatzfahrzeug © Otmar Smit - Fotolia.com_.jpg

Rettungssanitäter und Einsatzfahrzeug

Krankheiten können zu jeder Tag- und Nachtzeit auftreten: Starke Bauchschmerzen am Wochenende, hohes Fieber an den Feiertagen. Ein Arztbesuch ist nötig, doch die Praxis hat geschlossen.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst:  Telefon-Nummer 116117

Wer außerhalb der üblichen Praxis-Sprechstunden krank wird und dringend ärztliche Hilfe benötigt, es sich jedoch um keine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, sollte die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 anrufen.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst in Wohnortnähe kann direkt aufgesucht werden, auch ohne telefonische Voranmeldung. Wie beim Besuch des Hausarztes ist hier die Krankenversicherungskarte mitzubringen sowie – falls vorhanden – Befundberichte oder den Medikationsplan.

Bei lebensbedrohlichen Notfällen (z.B. Verdacht auf Herzinfarkt) oder schweren Unfällen muss aber der Notruf 112 gewählt werden.

Die Nummer 116117 wird also zum Beispiel in folgenden Fällen gewählt:

  • Husten, Schnupfen, Heiserkeit
  • Hautirritationen, Windpocken
  • Ohrenentzündung, Mittelohrentzündung
  • Blasenentzündung, Harnwegsinfekt
  • Magen-Darm-Infekt, Brechdurchfall
  • Fremdkörper im Auge
  • Zeckenbiss
  • Bänderriss, Bänderdehnung
  • Hexenschuss
  • Schwindel, Migräne
  • Überzuckerung, Unterzuckerung

Notruf: Wann ist 112 richtig?

Die Nummer 112 wird zum Beispiel in folgenden lebensbedrohlichen Fällen gewählt:

  • Herzinfarkt, Schlaganfall
  • Stark blutende Wunden
  • Anaphylaktischer Schock (allergische Reaktion z.B. bei Insektenstichen)
  • Vergiftungen
  • Schwere Störungen des Atmungssystem
  • Sturz aus großer Höhe
  • Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung
  • Verbrennungen, Verbrühungen, Verätzungen
  • Unfall mit abgetrenntem Körperteil

In diesen Fällen kann auch direkt die Notfallaufnahme einer Klinik aufgesucht werden.

Bundesweit einheitliche Rufnummer 116117 hilft weiter

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst ist bundesweit unter der einheitlichen Rufnummer 116117 zu erreichen und zwar 24 Stunden und 7 Tage die Woche. Eine Vorwahl muss nicht gewählt werden. Über diese Rufnummer wird die für den Wohnort zuständige Zentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes automatisch angewählt. Medizinisches Fachpersonal hilft dann bei gesundheitlichen Problemen weiter. Reicht eine telefonische Auskunft nicht aus, kann der Patient einen wohnortnahen Bereitschaftsdienst aufsuchen. Ist ein Patient dazu nicht in der Lage, wird veranlasst, dass ein Arzt einen Hausbesuch macht.

Die Nummer 116117 ist kostenlos und zwar nicht nur bei einem Anruf mit dem Festnetztelefon, sondern auch mit dem Handy.

Wann ist die Bereitschaftspraxis geöffnet?

Die genauen Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxen variieren in den einzelnen Bundesländern und auch innerhalb der Bundesländer. In der Regel haben die Bereitschaftspraxen am Abend bis um Mitternacht, am Wochenende und an den Feiertagen geöffnet.

So ist der der ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) in Hessen häufig zu folgenden Zeiten erreichbar.

Mo, Di, Do: 19 Uhr bis 24 Uhr
Mi, Fr:         14 Uhr bis 24 Uhr
Sa:                7 Uhr bis 24 Uhr
So                0 Uhr bis 7 Uhr, 7 Uhr bis 24 Uhr
Feiertags:    0 Uhr bis 7 Uhr, 7 Uhr bis 24 Uhr

Auf der Internetseite des ärztlichen Bereitschaftsdienstes können Sie in der Rubrik Einsatzzeiten in Ihrer Region nach Eingabe der Postleitzahl Ihres Wohnortes den nächst gelegenen Bereitschaftsdienst mit Öffnungszeiten erfahren. Es ist empfehlenswert, die Öffnungszeiten des wohnortnahen Bereitschaftsdienstes zu kennen, um im Notfall zu wissen, wohin man zu fahren hat und wie die Öffnungszeiten sind. So gibt es ÄBD-Zentren, die auch zwischen Mitternacht und 1 Uhr geöffnet haben, dafür aber am Wochenende und feiertags erst ab 8 Uhr. Manche ÄBD-Zentren haben auch samstags und/oder montags von 0 Uhr bis 7 Uhr geöffnet.

Was mache ich, wenn ich zwischen 0 Uhr und morgens um 7 Uhr ärztliche Hilfe brauche?

Bei gesundheitlichen Problemen wie Ohrenentzündung oder Zeckenbiss, bei denen ich tagsüber den Hausarzt aufsuchen würde, ist die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 zu wählen, da hier Ansprechpartner rund um die Uhr, also 26 Stunden täglich und 7 Tage die Woche, erreichbar sind. Diese helfen dann beim gesundheitlichen Problem weiter und schicken bei Bedarf einen Arzt nach Hause.

Tritt eine lebensbedrohliche Situation wie Herzinfarkt oder Bewusstlosigkeit ein, ist der Notarzt unter der Nummer 112 zu rufen.

Und wohin gehe ich bei heftigen Zahnschmerzen?

Löst sich am Wochenende eine Zahnkrone oder es stellen sich heftige Zahnschmerzen ein, ist der zahnärztliche Notdienst aufsuchen.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen bietet eine Notdienst-Suchfunktion in ihrem Internetportal an, bei der nach Eingabe der Postleitzahl oder des Wohnortes der aktuelle Notfallvertretungsdienst angegeben wird.

Stand: März 2020

In Zeiten von Corona - Bitte beachten Sie:

Wegen des Coronavirus rufen sehr viele Menschen bei der 116117 an; deshalb kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Bitte rufen Sie die Nummer nur an, wenn Sie medizinische Hilfe benötigen oder Rat zu medizinischen Themen suchen. Im Internet finden Sie Antworten auf viele Fragen zum Coronavirus, informieren Sie sich möglichst zuerst hier, bevor Sie zum Telefon greifen.