Legionellen: Gefahr aus der Dusche

Jedes Jahr erkranken tausende Menschen an einer Legionellen-Infektion – einer gefährlichen und bisweilen tödlichen Erkrankung. Legionellen sind Bakterien, die sich in warmem Wasser vermehren und durch feinste Tröpfchen beispielsweise beim Duschen in die Atemwege gelangen können. Was kann man tun, um das Risiko zu minimieren?

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Legionellen

Wie kommen Legionellen ins Trinkwasser?

Die Keime kommen im Boden, in sämtlichen Oberflächen-Gewässern – auch im Salzwasser - und in geringerem Umfang im Grundwasser vor. Deshalb können Legionellen, wenn auch in sehr niedrigen Konzentrationen, in das Trinkwasser gelangen. Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die sich in 30 bis 45 Grad Celsius warmem Wasser pudelwohl fühlen. Dort vermehren sie sich besonders stark, vor allem, wenn das Wasser länger in den Leitungen steht.

In den menschlichen Organismus können die Bakterien beispielsweise über eingeatmeten Sprühnebel, der beim Duschen entsteht, eindringen.

Übrigens: Auch schlecht gewartete Klimaanlagen oder Luftbefeuchter können mögliche Infektionsquellen sein.

Welche Krankheiten können Legionellen hervorrufen?

Die Bakterien verursachen zwei verschiedene Erkrankungen, deren Begleiterscheinungen sich ähneln. Zu den Symptomen zählen Gliederschmerzen, Fieber, Kopf- und Brustschmerzen, Reizhusten und Durchfälle sowie Verwirrtheitszustände.

Eher harmlos: Pontiac-Fieber

In rund 90 Prozent aller Fälle tritt nach einer Inkubationszeit von bis zu 48 Stunden das so genannte „Pontiac-Fieber“ mit grippeähnlicher Symptomatik und Fieber auf. Diese Erkrankung heilt meistens innerhalb von wenigen Tagen von selbst ab. Eine Lungenbeteiligung erfolgt in der Regel nicht. Schätzungen besagen, dass in Deutschland etwa 100.000 Menschen pro Jahr an Pontiac-Fieber erkranken.

Gefährlich bis tödlich: Legionärskrankheit

Etwa zehn Prozent aller Legionellen-Erkrankungen haben eine schwere Lungenentzündung zur Folge. Bleibt diese unbehandelt, verläuft sie in 15-20 Prozent tödlich. Bei diesem Krankheitsverlauf  ist die Inkubationszeit meist länger. Sie beträgt zwei bis zehn Tage und kann in seltenen Fällen sogar bis zu zwei Wochen betragen. Bei dieser auch „Legionärskrankheit“ bezeichneten Verlaufsform einer Legionellen-Infektion muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. In der Regel lässt sich die Erkrankung mit Antibiotika behandeln. Ältere und immungeschwächte oder chronisch kranke Personen sowie Raucher erkranken häufiger an dieser schweren Verlaufsform, Kinder vergleichsweise selten.

Menschen können sich untereinander übrigens nicht anstecken, und auch über Nahrungsmittel kann man sich praktisch nicht infizieren. Selbst Wundinfektionen kommen nur äußerst selten vor.

Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Wassertemperatur erhöhen

Unterhalb von etwa 20 Grad und oberhalb von 50 Grad Celsius findet kaum eine Keimvermehrung statt. Die Kaltwassertemperatur sollte daher 25 Grad nicht überschreiten. Ab etwa 60 Grad sterben die Keime ab. Die sichere Abtötung erfolgt bei mindestens 70 Grad Celsius über einen Zeitraum von mindestens drei Minuten.

Verbraucher sollten daher darauf achten, dass bei der Wassererwärmung und auch im Verteilersystem möglichst hohe Temperaturen von mindestens 60 Grad erreicht werden und 50 Grad nicht unterschritten werden. Ideal ist dem Bauherren-Schutzbund e. V. zufolge ein Heizungssystem, das frisches Trinkwasser „…mittels Wärmetauscher im Durchflussprinzip über einen vorhandenen Pufferspeicher oder direkt am Wärmeerzeuger auf die notwendige Temperatur“ bringt. Nachteilig kann allerdings der in diesem hohen Temperaturbereich einsetzende Kalkausfall sein, dem man in Gegenden mit sehr kalkhaltigem Wasser mit dem Einbau von Entkalkungsanlagen begegnen kann.

Wasser muss fließen

Um das Infektionsrisiko zu verringern, sollte darauf geachtet werden, dass Trinkwasser nicht länger als 72 Stunden in den Leitungen steht. Entscheidend sind die letzten Meter vor der Zapfstelle. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit empfiehlt daher, bei nur gelegentlicher Benutzung oder nach längerer Nichtbenutzung die ersten Liter ablaufen zu lassen. Dies gilt auch und insbesondere in Gäste- oder Ferienwohnungen.

Warmwasseraufbereitungsanlage regelmäßig warten

Eine regelmäßige Wartung und Reinigung der Warmwasseraufbereitungsanlage ist ebenfalls geeignet, den Bakterien auf den Leib zu rücken. Gerne siedeln sie sich nämlich in Ablagerungen von unzureichend gewarteten Warmwasserspeichern an. Zudem sollte überprüft werden, ob die Wassertemperatur an den Zapfstellen ausreichend hoch und das Kaltwasser nicht zu warm ist. Eine Erhitzung des Warmwassersystems auf 70 Grad sollte ebenfalls in regelmäßigen Abständen erfolgen.

Klimaanlagen reinigen

Auch Klimaanlagen in Autos und Wohn- oder Geschäftsräumen sowie Luftbefeuchter bedürfen einer regelmäßigen Wartung und Reinigung, damit sich Legionellen (sowie Schimmelpilze) nicht vermehren können: Denn Reste von Wasser in defekten Klimaanlagen sind optimale Nährböden für viele Keime.

Stand: Dezember 2019