Legal Highs

Dass Drogen wie Ecstasy oder Crystal Meth gefährlich sind, weiß heute jedes Kind. Doch immer mehr Jugendliche greifen zu den sogenannten „Legal Highs“. Die harmlos als Kräutermischung oder Badesalze angepriesenen Produkte sind dabei aber alles andere als gesundheitsförderlich. Warum man diese Substanzen auf keinen Fall konsumieren sollte, erklärt der Pressesprecher des Hessischen Landeskriminalamtes, Christoph Schulte, im Gespräch mit VerbraucherFenster-Redakteurin Birke.

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Kollaps durch Drogen

VF: „Legal Highs“ – was steckt hinter diesem Namen?

Schulte: Die neuen psychoaktiven Stoffe beziehungsweise Substanzen, die oft als „Legal Highs“ bezeichnet werden, werden als „Kräutermischungen“ oder „Badesalze“ verkauft, und sollen schon vom Namen her den Eindruck vermitteln, gesetzlich nicht verboten zu sein. Diese Kräutermischungen und Badesalze enthalten jedoch keine Kräuter oder harmlose Stoffe, sondern chemische Zusätze, die teilweise durch das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) verboten sind.

VF: Und das ist legal?

Schulte: Der Name „Legal Highs“ kommt daher, dass manche der Wirkstoffe durch geringe Veränderungen der chemischen Struktur zeitweise nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fielen. Daher trat am 26.11.2016 das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG)  in Kraft. Das Gesetz verbietet unter anderem, die meisten dieser Stoffe zu besitzen, herzustellen, jemandem zu geben oder zu verkaufen.

VF: Die meisten? Das heißt „Legal Highs“ sind weiter legal?

Schulte: Mit dem NpSG werden erstmals Verbindungen mit den beiden häufigsten für neue psychoaktive Stoffe genutzten Stoffgruppen der synthetischen Cannabinoide und der 2-Phenylethylamine verboten. Wobei nicht ihr Konsum verboten ist, sondern der Erwerb, der Besitz und der Handel. Das Gesetz stellt daher nun ganze Wirkstoffgruppen unter Strafe.

VF: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt …

Schulte: Leider nein. Veränderungen in den Rezepturen könnten dieses Gesetz also umgehen. Die Gefahr ist auch, dass noch gefährlichere Substanzen aus anderen Substanzgruppen nachdrängen könnten.

VF: Wo werden „Legal Highs“ verkauft?

Schulte: Primär über das Internet.

VF: Wie erkenne ich sie?

Schulte: „Legal Highs“  tragen fantasievolle Namen wie Cloud Nine, Jamaican Gold, Spice oder Orange High und werden als Badesalze, Pulver, Lufterfrischer,  Reiniger, Tabletten oder Kapseln sowie Kräutermischungen verkauft. Bunte Verpackungen und kreative Bezeichnungen sollen einen harmlosen Eindruck vermitteln. Das Gesundheitsrisiko ist damit jedoch unkalkulierbar. „Eine Auszeit nehmen und sich entspannen, wer wünscht sich das nicht? Wir helfen Ihnen dabei, die Freizeit oder das Wochenende stimmungsvoll zu genießen.“ So werben die Anbieter der „Legal Highs“ im Internet, die den sorgenfreien Kick versprechen. Oder auch: „Unsere Räuchermischungen bringen Sie in die richtige Stimmung, so dass Sie den stressigen Alltag getrost hinter sich lassen.“ „Träumen Sie von Orten, wo andere Urlaub machen.“

VF: Das klingt nach Rundum-Sorglos-Tabletten.

Schulte: Das klingt so, doch das Gegenteil ist der Fall. Bei den Substanzen handelt es sich nicht um Kräutermischungen, sondern um chemische Substanzen, die gezielt im Labor hergestellt werden und in ihrer Wirkung herkömmlichen Betäubungsmitteln wie Cannabis, Speed oder Kokain ähneln sollen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Die Wirkstoffkonzentration der künstlich erzeugten Substanzen liegt häufig ein Vielfaches über der von „natürlichen“ Drogen. Ergebnis: Der Rausch fällt unkalkulierbar aus.

VF: Das heißt im Klartext?

Schulte: Wer die „Legal Highs“ raucht, schluckt oder schnupft, riskiert lebensgefährliche Vergiftungen. Folgen des Konsums können Kopfschmerzen, Übelkeit, Herzrasen,    Muskelkrämpfe, Angstzustände, Bewusstlosigkeit, Kreislaufversagen, Ohnmacht,   Psychosen/Wahnvorstellungen und im schlimmsten Fall der Tod sein.

VF: Was macht die Drogen so gefährlich?

Schulte: Das Problem besteht darin, dass die Kunden oft nicht wissen, was sie eigentlich kaufen, da auf die Angabe der Wirkstoffe in den meisten Fällen verzichtet wird. Selbst wenn man auf der Packung entsprechende Angaben findet, gibt es natürlich keine Garantie, dass das auch stimmt. Die Zusammensetzung der „Legal Highs“ ändert sich ständig: Dadurch gibt es keine Garantie, dass ein „Legal High“ beim nächsten Konsum genauso wirkt wie beim ersten Mal. Daher  ist es unmöglich abzuschätzen, welche Wirkungen bei der Einnahme der Rauschmittel entstehen. Im Prinzip sind „Legal Highs“ also eine Art „Russisches Roulette“ mit der eigenen Gesundheit.

VF: Was raten Sie?

Schulte: Ganz klar: Finger weg von „Legal Highs“, „Kräutermischungen“ (neue psychoaktive Stoffe) oder ähnlichen Substanzen. Wer „Legal Highs“ konsumiert hat, sollte bei Kreislaufversagen, Ohnmacht oder Wahnvorstellungen sofort den Notarzt rufen oder hoffen, dass ein anwesender Bekannter dies tut. Denn das können Anzeichen einer Überdosierung sein. Und diese kann mitunter tödlich verlaufen.

VF: Haben Sie Zahlen darüber, wie viel Menschen in Hessen durch „Legal Highs“ Schaden genommen haben?

Schulte: In ihrem Drogen- und Suchtbericht für 2017 geht die Bundesregierung davon aus, dass fast 500.000 Deutsche 2016 psychoaktive Stoffe konsumiert haben. Besonders unter den 18- bis 30-Jährigen sind die Drogen beliebt.

2016 gab es in Hessen zwei Todesfälle im Zusammenhang mit sogenannten Legal Highs. Anfang März verstarb ein 34-jähriger Mann in Kassel. Ende April verstarb ein 26-jähriger Mann in Gelnhausen nach dem Konsum von "Legal Highs". Die jeweiligen toxikologischen Gutachten ergaben, dass die verstorbenen vorher "Legal Highs" konsumiert hatten und diese einmal ausschließlich und einmal mit todesursächlich waren.

VF. Das sollte anderen eine Warnung sein. Vielen Dank fürs Gespräch.

Christoph Schulte

Christoph Schulte

Stand: Juli 2018