Finger weg von Hautbleichmitteln

Sommersprossen, Altersflecken und andere Pigmentierungsstörungen werden oft als Beeinträchtigung der äußeren Erscheinung wahrgenommen. Abhilfe versprechen sogenannte Hautbleichmittel, die eine Bildung von Farbpigmenten (Melanin) in der Haut verhindern sollen oder gar deren Abbau. Das Hessische Landeslabor hat diese Mittel untersucht.

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Hand mit Creme

Hautbleichmittel mit hochaktiven Wirkstoffen:

Vor allem in asiatischen und afrikanischen Ländern, in denen helle Haut ein Schönheitsideal darstellt, sind diese Kosmetika sehr beliebt. Sie werden als Pflegecremes und Lotionen großflächig auf der Haut verwendet, um die natürliche Pigmentierung nachhaltig einzuschränken. Die Wirkung beruht auf der Hemmung der Neubildung des Pigments Melanin in den Hautzellen. Als hochaktive Wirkstoffe werden die Substanzen Hydrochinon und Kojisäure eingesetzt. Von solchen Produkten können durchaus unerwünschte Wirkungen ausgehen. Die gesundheitlichen Risiken werden aber von Verbrauchern häufig unterschätzt.

Hydrochinon in der EU verboten

Gemäß der europäischen Kosmetikverordnung ist der Einsatz von Hydrochinon in Hautcremes verboten, da diese Substanz als krebserzeugend eingestuft ist. Umso bedenklicher ist es, dass Hydrochinon-haltige Bleichcremes zur Erzielung der gewünschten Wirkung (Depigmentierung) mindestens zwei bis vier Monate angewandt werden und als sogenannte „Leave-on Produkte“ zur Erzielung des gewünschten Effekts auf der Haut verbleiben. Daher sind kosmetische Mittel, die Hydrochinon enthalten, in der Europäischen Union nicht erlaubt.

Kojisäure im Kosmetikrecht nicht geregelt

Der hautbleichende Wirkstoff Kojisäure ist im Kosmetikrecht derzeit noch nicht geregelt. Allerdings stellte der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbraucherprodukte SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety) in seiner Beurteilung zur Sicherheit von Kojisäure fest, dass der Einsatz von Kojisäure in Hautbleichmitteln nur sicher ist, wenn die maximale Einsatzkonzentration von einem Gramm (g) pro 100g nicht überschritten wird und die Anwendung auf Gesicht und Hände begrenzt wird. Typische unerwünschte Wirkungen bei der Verwendung von Hautbleichmitteln mit Kojisäure sind Hautirritationen und Kontaktdermatitis.

BB-Cremes („Blemish Balm“- englisch für: „Makel beseitigen“)

In westlichen Ländern zielt die Anwendung solcher Pflegeprodukte auf das Abdecken von Pigmentflecken - wie Altersflecken, Leberflecken und Sommersprossen - oder die Verbesserung des Hautbilds mit dem Ziel eines makellosen, ebenmäßigen Teints. BB-Cremes besitzen in der Regel hautpflegende Eigenschaften ohne unerwünschte Wirkung.

Hessisches Landeslabor untersucht Inhaltsstoffe

Das Hessische Landeslabor, das auch der Betreiber des Internetportals „Verbraucherfenster“ ist, hat im Jahr 2018 insgesamt 36 Cremes untersucht. Davon waren 15 aus dem regulären Handel und weitere 21 die über das Internet im Ausland bestellt und vom Zoll beschlagnahmt wurden. Die Proben wurden auf die Inhaltsstoffe Hydrochinon und Kojisäure untersucht sowie auf korrekte Kennzeichnung überprüft.

Produkte mangelhaft gekennzeichnet und nicht sicher

Von den untersuchten Proben wurden 22 als nicht sicher beurteilt: Sechs Proben aufgrund des verbotenen Gehalts an Hydrochinon (maximal 6 g/100g) und 16 weitere Proben aufgrund hoher Gehalte an Kojisäure, die eine sichere Einsatzkonzentration von 1 g/100g (bei Anwendung nur auf Gesicht und Händen) deutlich überschritten.

Abgesehen davon haben sämtliche der 36 untersuchten Hautbleichmittel die Anforderungen an die Kennzeichnungsvorschriften nicht erfüllt. Hierbei handelte es sich hauptsächlich um fehlende oder fehlerhafte Angaben bezüglich des Herstellers, der Chargennummer, des Mindesthaltbarkeitsdatums und der Auflistung der Inhaltsstoffe. Weiterhin wurde bei einigen Produkten nicht in deutscher Sprache auf die besonderen Vorsichtsmaßnahmen für den Gebrauch hingewiesen. Bei 34 untersuchten Proben wurde zudem die vorgeschriebene Notifizierung nicht vorgenommen. Nach Artikel 13 Absatz 1 der EU-Kosmetikverordnung VO (EG) 1223/2009 muss die verantwortliche Person vor dem Inverkehrbringen des kosmetischen Mittels eine Notifizierung der Produkte im CPNP-Portal (Cosmetic Products Notification Portal) vornehmen. (schl)

Stand: August 2019