Bakterien, Viren und andere Keime wimmeln unsichtbar in nächster Umgebung

Leider gibt es sie noch, die unangenehmen Zeitgenossen, die sich nach dem Toilettengang nicht die Hände waschen, rücksichtslos in die Gegend husten und niesen und nach dem Schneuzen prompt die Hand geben. Grippale Infekte und Magen-Darm-Probleme könnten leicht eingedämmt werden, wenn grundlegende Hygieneregeln beachtet würden. Dabei gilt: Einfach mal sauber machen!

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Bakterien


Wie viele Bakterien wachsen auf den Griffen von Einkaufswagen, Liftknöpfen oder WC-Türen? Auch am Arbeitsplatz und im eigenen Haushalt sind wir vor alltäglichen Keimfallen nicht gefeit.

  • Bereits in der Dusche können sich Keime verstecken. Wird das Warmwasser länger nicht aufgedreht, können sich zwischenzeitlich Bakterien ansiedeln, die beim nächsten Duschgang vernebelt und eingeatmet werden. Ursache hierfür sind vor allem Boiler, die aus Energiespargründen auf niedrige 45 Grad Celsius gestellt sind.
     
  • Obwohl Koffein antibakteriell wirken soll wurden 2015 in Kaffeemaschinen und Kaffeekapseln über 60 verschiedene Keime nachgewiesen. Spanische Forscher konnten darunter auch potentielle Krankheitserreger ausfindig machen. Alle untersuchten Maschinen stammten aus Privathaushalten. Für weitere Untersuchungen wählten die Forscher fabrikneue Geräte. Das Ergebnis: Ab dem zweiten Monat wimmelte es auch in den neuen Geräten vor Keimen. Reinigen Sie deshalb lieber öfter mal die Kaffeemaschine.
     
  • Die Küche bietet für die Vermehrung von Keimen grundsätzlich beste Voraussetzungen: Essensreste, Feuchtigkeit und Wärme. Auch wer regelmäßig und gründlich reinigt, ist sich der Haupt-Bakterienschleuder meist nicht bewusst: der Spülschwamm. Auf Schwämmen, Spültüchern und Lappen vermehren sich die Erreger nicht nur, sondern werden damit auch auf sämtlichen Flächen verteilt. Am besten den Schwamm alle zwei Tage austauschen oder in der Spülmaschine bei über 60 Grad waschen. Dasselbe gilt für Tücher in der Waschmaschine.
     
  • Aber auch Buffet- und Kantinenessen ist mit Vorsicht zu genießen. Auf Mahlzeiten, die länger warm gehalten werden oder lauwarm serviert werden, können sich Bakterien optimal vermehren. Deshalb sollten Speisen nicht länger als drei Stunden vorgehalten werden und auf mindestens 65 Grad Celsius erhitzt sein. Bei lauwarmen Gerichten vom Buffet besteht das Risiko eines anschließend verdorbenen Magens.
     
  • Was kaum jemand weiß: Die schlimmsten Keimfallen im öffentlichen Nahverkehr sind nicht die Metallgriffe, da sich die Bakterien und Krankheitserreger auf ihnen weniger vermehren können. Die größeren Brutstätten sind die Sitze in Bus und Bahn. 
    Die NDR TV-Sendung „Markt“ fand bei Hygieneproben in den DB-Zügen zahlreiche schmutzige Toiletten vor. An den Spülknöpfen der Toiletten, Wasserhähne und Türklinken entdeckten die Tester massenhaft Keime. Und Vorsicht, „Bakterienrasen“! hieß es für einige der ausklappbaren Tischchen in den Nahverkehrszügen. Wer damit unterwegs ist, sollte sein Essen eher nicht von diesen Unterlagen genießen, die für Keime den Tests zufolge einen guten Nährboden abgeben.
     
  • Ideale Bedingungen für unerwünschtes Keimwachstum fanden sich auch an Liftknöpfen in öffentlichen Gebäuden.
     
  • Ganz oben auf der Ekel-Skala stehen, wie nicht anders zu erwarten, die Türgriffe bei WC-Anlagen. Kaum eine der öffentlichen Toiletten, bei dem die Tester nicht auf eine massive Keimbelastung, auch mit Fäkalkeimen, stießen. Dort also besonders gründlich die Hände waschen und beim Verlassen die Tür besser mit dem Ellbogen aufstoßen.
     
  • Hygiene fängt beim Händewaschen an – hört aber beim Händetrocknen angeblich noch lange nicht auf. Forscher haben herausgefunden, dass Händetrockner, die mit Druckluft betrieben wurden, wahre Bakterienschleudern sein können: In deren Nähe wurden 27-mal mehr Keime gefunden als bei Papierhandtuchspendern. Allerdings wurde die Studie von Papierhandtuch-Herstellern in Auftrag gegeben.
     
  • Unbestritten dagegen ist, dass sich der Nutzer an der PC-Tastatur eher einen Krankheitserreger einfängt als einen Computer-Virus. Fakt ist, dass sich auf der  Tastatur fast 70 mal so viele Keime tummeln wie auf einem Toilettensitz.
     
  • Auch die Computer-Maus kann eine Bakterienbrutstätte sein. Arbeiten verschiedene Personen an einem Schreibtisch, sollten die Kollegen sich einen Gefallen tun und die Maus öfter desinfizieren. In jedem Drogeriemarkt sind geeignete Sprays erhältlich.
     
  • Ebenso wimmelt es auf Smartphones und Tablets vor Keimen. Das Wall Street Journal stellte bei acht stichprobenartig ausgewählten Smartphones zwischen 2.700 und 4.200 Durchfallerreger fest. Das Touch-Display lässt sich mit einem Mikrofasertuch und einem speziellen Reinigungsmittel am gründlichsten reinigen.
     
  • Durchfallerreger befinden sich sogar auf den Griffen von Einkaufswagen. Tests zufolge überstieg hier die Bakterienzahl sogar die auf dem Handlauf von Rolltreppen.
     
  • Auch nach der Arbeit gibt es noch Keimfallen, zum Beispiel im Fitnessstudio. Selbst wenn man bei der Benutzung von Geräten ein Handtuch unterlegt, schützt dies nicht vor dem Kontakt mit Keimen. Viele Studios bestehen deshalb darauf, dass das Fitnessgerät nach der Benutzung an den Kontaktstellen desinfiziert wird.
     
  • Sogar beim Feierabend-Bier lauert die Gefahr am Flaschenhals: In Kneipen weiß man meist nicht, wie und wo Getränke gelagert werden. Oft kommen die Flaschen während des Transports auch mit Schmutz in Kontakt. Wer also direkt vom Flaschenhals trinkt, ist eher auf der sicheren Seite. Vorsicht ist dagegen an den Stellen geboten, die nicht vom Kronkorken geschützt wurden.

Wirksamster Schutz gegen potentielle Krankheitserreger ist immer noch das gründliche Händewaschen. Die wichtigsten Tipps rund um saubere Hände hat Dr. Christine Reichardt. Sie ist Fachärztin am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Berliner Charité.
Reichardt: "Um einen keimreduzierenden Effekt zu erzielen, muss man die Hände gründlich waschen. Zum einen ist dabei die Zeit ein wichtiger Faktor - etwa 30 Sekunden, bei starker Verschmutzung auch mehr - sowie das gründliche Einreiben der Fingerkuppen, Nagelbetten und Fingerzwischenräume mit Seife. Dort finden wir in der Regel die höchsten Keimzahlen. Durch heißes Wasser wird die Haut eher geschädigt. Man sollte lauwarmes Wasser verwenden. Der keimreduzierende Effekt beim Händewaschen ist eher ein mechanischer, wenn die Keime von der Hand abgespült werden. Wichtig ist es, gerade auch in der kalten Jahreszeit, die Hände gut zu pflegen. Das Waschen mit Wasser und Seife schädigt die Schutzbarriere der Haut und Fette werden aus der Haut ausgespült. Deshalb sollten die Hände auch regelmäßig eingecremt werden."

Stand: Dezember 2019