Zahnersatz: Vorteile erkennen, Risiken vermeiden

Die medizinische Versorgung in Deutschland ist gerade, wenn es um hochwertigen Zahnersatz geht, für viele Patienten mit hohen Kosten verbunden. Zahnbehandlungen insbesondere bei Ärzten in Osteuropa sind deutlich günstiger. Doch wie bereitet man eine Zahnbehandlung im Ausland vor? Worauf sollte man achten? Welche Vor- und Nachteile gilt es gegeneinander abzuwägen?

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Gebiss

Die Kosten einschätzen

Wer eine Auslandsbehandlung in Erwägung zieht, sollte die Kosten der Behandlung im In- und Ausland sorgfältig gegenüberstellen. In die Berechnung müssen auch die Kosten für Anfahrt, Unterbringung und Verpflegung einbezogen werden. Sitzt der Zahnersatz später nicht richtig oder treten Mängel daran auf, wird eine Nachbehandlung vor Ort notwendig. Weitere Reise- und Hotelkosten können einen möglichen Preisvorteil schnell zunichtemachen.

Um den Heil- und Kostenplan des eigenen Zahnarztes und die damit verbundenen Kosten einschätzen zu können, sollte man zunächst innerhalb Deutschlands Preisvergleiche anstellen. Vielleicht findet man auf diese Weise auch einen  günstigeren Zahnarzt in der Nähe des Wohnortes oder einen in Deutschland ansässigen Zahnarzt, der mit Laboren im Ausland zusammenarbeitet und deshalb  den Zahnersatz günstiger als andere anbieten kann. Hilfreich sind Bietportale für Zahnärzte. Für Patienten ist deren Nutzung meist kostenfrei oder mit geringen Kosten verbunden. Wer dort seinen Heil- und Kostenplan einstellt, kann von verschiedenen Zahnärzten Preisgebote erhalten. Auf Portalen wie www.medikompass.de oder www.2te-zahnarztmeinung.de kann man sich hierzu informieren.

Die Dauer der Behandlung ist ein wichtiger Faktor bei der Kostenkalkulation: je länger die Behandlungsdauer, desto höher die Reise- und Übernachtungskosten. Je nach Umfang der beabsichtigten Behandlung kann es bis zur Eingliederung des Zahnersatzes mehrere Wochen dauern. Bei Zahnersatz, der auf ein Implantat gesetzt wird, muss man mit zwei Reisen im Abstand von etwa sechs Monaten rechnen. Zuerst werden Implantate in den Kiefer eingesetzt. Nach deren Ausheilung kann darauf der Zahnersatz befestigt werden.

Bei sehr aufwändigen Maßnahmen mit absehbar länger andauerndem Betreuungsbedarf ist von einer Auslandsbehandlung abzuraten. Bei kleineren Maßnahmen, etwa einer Krone, dürfte sich der Aufwand einer Auslandsbehandlung nicht lohnen, da eine mögliche Ersparnis bei den Behandlungskosten von etwa 250 bis 350 € nach Abzug der Reisekosten nicht erheblich ins Gewicht fällt. Hingegen kann sich für Menschen, die nahe an der Grenze wohnen (zu Polen etwa), eine Auslandsbehandlung durchaus lohnen.

Für den Fall, dass der Zahnersatz Mängel hat…

…lässt sich Vorsorge treffen. Zwar lassen sich mögliche Mängel am Zahnersatz nicht ausschließen. Mit vorausschauenden Regelungen im Vertrag können Verbraucher aber einen möglichen finanziellen Schaden in Grenzen halten. Wichtig: Alle Vereinbarungen sollten schriftlich und in deutscher Sprache getroffen werden.

Deutsches Recht vereinbaren
Ärzte haften grundsätzlich nicht für den Heilerfolg der von ihnen durchgeführten Maßnahmen. Bezogen auf Zahnersatz und die damit verbundenen handwerklichen Leistungen müssen sich Zahnärzte jedoch an die gesetzlichen Gewährleistungspflichten halten. Das gilt grundsätzlich auch für ausländische Ärzte. Doch ohne besondere Vereinbarung gilt das Recht des Staates, in dem die Behandlung durchgeführt wird. Das erschwert die Durchsetzung von Ansprüchen, denn eventuell erforderliche Gerichtsprozesse müssten im Land der Behandlung in der jeweiligen Landessprache geführt werden. Nur wenn am Wohnort des Patienten für die Behandlung geworben wurde, per Zeitungsannonce beispielsweise, ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirk der Patient wohnt. Zahnärzte, die deutsches Recht und den deutschen Gerichtsstand vertraglich vereinbaren, sind daher zu bevorzugen.

Die Einbeziehung der Landesärztekammer vereinbaren
Kommt es zum Rechtsstreit, muss unter Umständen ein Gutachten angefertigt werden, um etwaige Mängel des Zahnersatzes festzustellen. Auch bei Streitigkeiten mit einem Zahnarzt im Ausland kann grundsätzlich eine deutsche Landeszahnärztekammer ein solches Gutachten anfertigen oder ein Schlichtungsverfahren durchführen. Dies geht aber nur, wenn sich der Zahnarzt damit einverstanden erklärt.

Achtung: Die Krankenkassen können die bei ihnen versicherten Patienten bei der Durchsetzung ihrer Rechte nicht unterstützen.

Kooperationspartner in Deutschland festlegen
Von Vorteil ist es, wenn eine Kooperation mit einem deutschen Zahnarzt vereinbart wird. Sollten Mängel am Zahnersatz auftreten, beispielsweise das Material zerbrechen oder eine Verblendung abplatzen, kann ein kooperierender Zahnarzt in Deutschland die erforderliche Nachbehandlung ausführen. Andernfalls wird in der Regel kein deutscher Zahnarzt eine kostenfreie Nachbesserung übernehmen. Dazu ist nur der Zahnarzt verpflichtet, der den Zahnersatz eingesetzt hat. Nur bei akuten Schmerzen muss jeder Zahnarzt eine Notfallbehandlung vornehmen. Aber auch innerhalb Deutschlands kann der Weg zur Kooperationspraxis für Patienten mit Reisekosten verbunden sein.

Längere Gewährleistungsfrist vereinbaren
Innerhalb der Europäischen Union gilt eine Gewährleistungsfrist auf Material und die zahntechnischen Laborarbeiten von zwei Jahren. Eine Gewährleistungsfrist, die über diesen Zeitraum hinausgeht, ist von Vorteil. Manche Praxen im Ausland räumen eine Frist von drei oder auch fünf Jahren ein.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung unter 09001 97 20 13, montags 10 bis 14 Uhr. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Verbraucherservice: (069) 97 20 10 - 900, Mo bis Do 10 - 16 Uhr, Fr 10 - 15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de 


Verfasser; Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Diese Verbraucherinformation gibt den Stand zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wieder.

Stand: März 2019