Zahnersatz: Nicht der Preis allein entscheidet

Viele ärztliche Leistungen werden nicht oder nur zu einem geringen Teil von den Krankenkassen übernommen. Zuzahlungen der Patienten sind je nach Behandlung enorm hoch. Immer mehr Menschen lassen sich daher ihren Zahnersatz in Polen oder Ungarn fertigen. Doch worauf sollten Patienten achten, die eine zahnärztliche Behandlung im Ausland planen?

RS6603_Zahnarzt Sandor Kacso © www. Fotolia.de_.jpg

Zahnuntersuchung im Mund

Zahnersatz aus dem Ausland – warum?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt bei Zahnersatz, insbesondere für Kronen, Brücken und Implantate, nur noch geringe Festzuschüsse – und zwar einen Zuschuss zu den Kosten der einfachsten Versorgung, unabhängig davon, welche Behandlung man wählt. Wer sich also für ein Implantat entscheidet, erhält von seiner Kasse einen Zuschuss, der sich am deutlich günstigeren Preis für eine Krone oder Brücke orientiert.

Im Ausland wird Zahnersatz oft mit bis zu 70 Prozent niedrigeren Kosten angeboten. Die niedrigeren Lohn- und Betriebskosten in ost- und südeuropäischen Ländern wie Ungarn, Polen und Tschechien oder Spanien machen dies möglich. Den festgelegten Zuschuss zur einfachsten Versorgung zahlen die Kassen auch, wenn die Behandlung in einem Land der Europäischen Union erfolgt – allerdings nach Abzug einer Pauschale für Verwaltungskosten in Höhe von bis zu zehn Prozent. Zu Erstattungszwecken muss die Rechnung des Zahnarztes bei der Kasse eingereicht werden.

Stimmt die Qualität?

Hinsichtlich der Qualität von Zahnersatz aus dem Ausland gibt es unterschiedliche Einschätzungen, jedoch wenig repräsentative Studien. Insbesondere von deutschen Zahnärzten und Dentallaboren kommen kritische Aussagen. Auch Patienten berichten von mangelhaften Behandlungen im Ausland. Ähnliche Beschwerden gibt es aber auch nach Behandlungen im Inland. Zahlreiche Patienten berichten wiederum, dass sie mit den Leistungen der Zahnärzte im Ausland sehr zufrieden seien.

Eine schlechtere Qualität von Zahnersatzleistungen aus anderen europäischen Ländern lässt sich allgemein nicht bestätigen. Ausbildung, Qualität der Labore und der zahnärztlichen Behandlung sind insbesondere in osteuropäischen Ländern grundsätzlich mit dem deutschen Niveau vergleichbar und entsprechen damit größtenteils EU-Standards.

Einen guten Zahnarzt im Ausland finden

Der Erfolg einer Auslandsbehandlung hängt in erster Linie von einer gründlichen Vorbereitung, insbesondere der sorgfältigen Auswahl des Zahnarztes ab. Ebenso wichtig sind gute Vertragskonditionen und das sorgfältige Abwägen sämtlicher Vor- und Nachteile.

Einen guten Zahnarzt zu finden, ist oft schon am Wohnort nicht einfach. Im Ausland dürfte dies noch schwieriger sein. Gleichzeitig ist dies der wichtigste Teil der Vorbereitung. Es gibt eine Fülle von Angeboten im Internet. Doch ein ansprechender Internetauftritt ist keine Garantie für eine gute Qualität. Empfehlungen von Freunden und Bekannten sind eine gute Orientierungsmöglichkeit. Besser ist es, wenn man sich vor Ort einen Eindruck verschaffen kann. Manche Krankenkassen haben spezielle Verträge mit Zahnärzten oder Zahnkliniken im europäischen Ausland abgeschlossen, beispielsweise die Techniker Krankenkasse. Dem ist eine Qualitätsprüfung vorausgegangen, an der sich Versicherte orientieren können.

Sehr wichtig ist zudem, dass sich der Patient mit dem Zahnarzt verständigen kann. Er oder sie sollte entweder deutsch sprechen oder eine Übersetzung gewährleisten können. Eine Zahnersatzbehandlung setzt Vertrauen zu dem behandelnden Arzt voraus. Ein Vertrauensverhältnis entsteht schwerlich, wenn man sich nicht verständigen kann.

Tipp: Es spricht für die ausländische Zahnarztpraxis, wenn sie für etwaige Vor- oder Nachbehandlungen mit einem deutschen Zahnarztkollegen kooperiert. Eventuell erforderliche Nachbesserungsarbeiten können dann im Inland ausgeführt werden. 

Die richtige Vorgehensweise

Wer sich für eine zahnärztliche Behandlung im Ausland entschieden hat, sollte einige Dinge beachten:

  • Zunächst sollte ein Heil- und Kostenplan als Kostenvoranschlag von einem deutschen Zahnarzt eingeholt werden. Damit wird auch geklärt, ob zunächst vorbereitende Behandlungsmaßnahmen notwendig sind. Der Voranschlag ist eine Kassenleistung und kostet nichts.
     
  • Dieser Kostenplan wird dem ausländischen Zahnarzt vorgelegt. Dieser sollte ebenfalls einen Heil- und Kostenplan – am besten in deutscher Sprache, zumindest in englischer Sprache – erstellen. Der Kostenplan muss den deutschen Bestimmungen entsprechen. Er kann vom Zahnarzt per Brief, Email oder Fax an den Patienten geschickt werden. Sind Röntgenbilder vorhanden, können diese dem ausländischen Zahnarzt vorher vorgelegt werden. Der deutsche Arzt muss sie leihweise herausgeben.
     
  • Der Kostenplan muss der Krankenkasse vor Behandlungsbeginn vorgelegt werden. Diese muss stets die Behandlung genehmigen, bevor sie durchgeführt wird.
     
  • Leistungen, Materialien und Preise sollten genau verglichen werden. Hierbei kann man sich gegebenenfalls bei der Verbraucherzentrale Hessen oder seiner Krankenkasse beraten lassen. Klären Sie, ob sämtliche Kosten in dem Angebot enthalten sind, auch solche für eventuelle Nacharbeiten. Insbesondere bei geplanten Implantatbehandlungen ist es wichtig, dass die Kosten für den chirurgischen Eingriff, für Röntgenbilder und Betäubung im Preis inbegriffen sind. Bei umfangreicheren Behandlungen kann es sich lohnen, weitere Preis- und Leistungsvergleiche anzustellen. Preisunterschiede gibt es nicht nur zwischen den verschiedenen europäischen Ländern, sondern auch innerhalb desselben Landes.
     
  • Agenturen, die sich auf die Vermittlung von Zahnärzten im Ausland spezialisiert haben, findet man im Internet oder auch in Zeitungsannoncen. Doch Vorsicht: diese Agenturen wollen mitverdienen.
     
  • Bei Einsatz von Zahnersatz sollte ein Legierungspass ausgehändigt werden. Darin sind die verwendeten Materialien aufgeführt.

Bei Implantatbehandlungen sollten:

  • bestehende Vorerkrankungen diagnostiziert und therapiert werden (insbesondere Paradontalbehandlungen)
     
  • eine Operationsschablone angefertigt werden (im Frontalzahnbereich ein Muss), um das Implantat exakt zu platzieren
     
  • eine Röntgenschablone erstellt werden, um genaue Entfernungen zu wichtigen anatomischen Strukturen festzulegen (Unterkiefernerv, Kieferhöhle beispielsweise)
     
  • gängige Implantate gesetzt werden, damit auch andere Zahnärzte später (nach)behandeln können
     
  • Bei Implantaten sollte ein Implantatpass ausgehändigt werden, der die Marke, das Material und die Maße der Implantate enthält.

 Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung unter 09001 97 20 13, montags 10 bis 14 Uhr. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Verbraucherservice: (069) 97 20 10 - 900, Mo bis Do 10 - 16 Uhr, Fr 10 - 15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de 


Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: März 2019