Sicher im Krankenhaus und in der Arztpraxis

Dass Patienten nicht verwechselt, Operationen an den richtigen Stellen durchgeführt und keine Instrumente oder Tupfer im Patienten vergessen werden, liegt in erster Linie in der Verantwortung von Ärzten und medizinischem Personal. Patienten können aber auch selbst etwas für ihre Sicherheit tun, indem sie aufmerksam sind, mitarbeiten und gegebenenfalls Fragen stellen.

RS2364_Operation.jpg

Operation im Krankenhaus

Patientensicherheit – was ist das?

Ärzte und medizinisches Personal sollen während der Behandlung ihrer Patienten keine Fehler machen und unerwünschten Ereignissen vorbeugen. Unerwünschte Ereignisse sind zum Beispiel Wundheilungsstörungen. So etwas ist manchmal nicht zu vermeiden. Andere unerwünschte Ereignisse wie zum Beispiel Infektionen und Behandlungsfehler ließen sich hingegen vielfach vermeiden, wenn alle Sorgfaltsregeln beachtet würden.

Häufigkeit von Behandlungsfehlern

Der deutsche Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen legte 2007 eine Auswertung von 184 Studien vor. Demnach können für den Krankenhausbereich fünf bis zehn Prozent unerwünschte Ereignisse, zwei bis vier Prozent Schäden, ein Prozent Behandlungsfehler und 0,1 Prozent Todesfälle aufgrund von Fehlern angenommen werden. Hochgerechnet auf 19 Millionen Krankenhausbehandlungen kämen wir auf 19.000 Patienten pro Jahr in Deutschland, die infolge von Behandlungsfehlern sterben. Eine aktuellere Auswertung gibt es leider genauso wenig wie ein zentrales Register für Behandlungsfehler. Daher kann die Zahl der Behandlungsfehler pro Jahr in Deutschland nur geschätzt werden.

Gesetzliche Vorgaben und freiwillige Maßnahmen

Seit 2005 müssen Kliniken in Deutschland jährlich strukturierte Qualitätsberichte veröffentlichen. Die Berichte werden auf der Internetseite des Gemeinsamen Bundesausschusses veröffentlicht, außerdem auf den Internetseiten der jeweiligen Kliniken. Daten aus den Qualitätsberichten fließen in Kliniksuchportale, zum Beispiel in die Weiße Liste der Bertelsmann-Stiftung ein.

Ärzte, Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen sind außerdem gesetzlich verpflichtet, in ihrer Einrichtung ein Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln. In Kliniken gehört dazu auch die Verpflichtung zur Durchführung eines patientenorientierten Beschwerdemanagements. Das Engagement, mit dem Ärzte und Kliniken die gesetzlichen Vorgaben umsetzen, ist nicht überall gleich. Kliniken, die sich an einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesystemen beteiligen, erhalten als Anreiz Vergütungszuschläge.

Es gibt außerdem viele Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlern, die nicht verpflichtend vorgeschrieben sind. Manche Kliniken bieten solche Maßnahmen freiwillig an. Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Methoden zur sicheren Identifikation von Patienten, Maßnahmen gegen Eingriffsverwechslungen in der Chirurgie (Markieren des zu operierenden Körperteils), die Verwendung von Checklisten und Zählkontrollen im OP und Simulationstraining von Notfallsituationen.

Tipp: Fragen Sie bei der Suche nach einer geeigneten Klinik auch danach, welche freiwilligen Maßnahmen zur Patientensicherheit die Klinik durchführt. Aus der Antwort können Sie auch schließen, welchen Stellenwert die Patientensicherheit in der Klinik hat.

Sicher in der Arztpraxis

Tipps vor dem Arztbesuch:

  • Bereiten Sie sich auf den Arztbesuch vor. Notieren Sie Ihre Fragen, bzw. das, was Sie mit dem Arzt/der Ärztin besprechen wollen,
  • halten Sie wichtige Informationen bereit,
  • nehmen Sie den aktuellen Medikationsplan mit,
  • sowie Befunde und Laborergebnisse anderer Ärzte, Impfpass, Allergiepass, Schlaganfall- oder Implantate-Pass
  • nehmen Sie bei Bedarf eine Person Ihres Vertrauens mit.

Tipps beim Arztbesuch:

  • Sprechen Sie über den Anlass, als auch über Allergien, Unverträglichkeiten, etc.,
  • lassen Sie sich Untersuchungsergebnisse und Behandlungsvorschläge erläutern,
  • lassen Sie sich einen Medikationsplan ausstellen,
  • fragen sie nach Risiken, Wechsel- und Nebenwirkungen,
  • wiederholen Sie Hinweise und Empfehlungen,
  • fragen Sie, was Sie selbst tun können,
  • achten sie darauf, nicht verwechselt zu werden,
  • fragen Sie bei Unklarheiten nach,
  • holen Sie eine zweite Meinung ein, wenn Sie unsicher sind.

Quelle: Aktionsbündnis Patientensicherheit

Sicher im Krankenhaus

  • Lassen Sie sich - wenn möglich - von einer Person ihres Vertrauens begleiten,
  • teilen sie alle wichtigen Informationen zu Ihren Erkrankungen mit,
  • beteiligen Sie sich aktiv an allen Entscheidungen,
  • geben Sie sofort Rückmeldung, wenn Sie mit dem falschen Namen angesprochen werden oder befürchten, eine falsche Behandlung, falsche Medikamente oder falsche Nahrung zu erhalten,
  • waschen und desinfizieren Sie sich regelmäßig die Hände, leiten Sie Ihre Angehörigen dazu an und achten Sie darauf, ob das Klinikpersonal die Hygieneregeln einhält,
  • teilen Sie mit, wenn Sie Schmerzen haben oder Veränderungen bemerken,
  • geben Sie alle wichtigen Informationen über Ihre häusliche Situation und informieren Sie sich über das weitere Vorgehen nach der Entlassung,
  • fragen Sie bei Unklarheiten und Unsicherheiten immer nach.

Quelle: Aktionsbündnis Patientensicherheit

Sicherheit im Umgang mit Medikamenten

  • Bestehen Sie auf einer guten Aufklärung über Wechsel- und Nebenwirkungen,
  • geben Sie bei unerwünschten Wirkungen sofort Rückmeldung,
  • sprechen Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin bei Krankheitsveränderungen,
  • bei Verdacht auf Verwechslung, vor allem in der Klinik: fragen Sie nach,
  • informieren Sie Ärzte und Apotheker über alle Medikamente, die Sie einnehmen, auch über frei verkäufliche und
  • informieren Sie Ärzte und Apotheker über Unverträglichkeiten und Allergien,
  • wenn Sie ein älterer Patient sind, sprechen Sie Ihren Arzt auf die Priscus-Liste und die Forta-Liste an.

Quelle: Aktionsbündnis Patientensicherheit

Hinweis: In der Priscus-Liste sind Medikamente genannt, die für ältere Patienten nicht geeignet sind, weil sie zum Beispiel Schwindel und Sturzgefahr auslösen können, . Die Forta–Liste („Fit for the Aged“) ist eine Positiv-Liste von Medikamenten, die für ältere Patienten als geeignet gelten.

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung immer montags von 10 bis 14 Uhr unter 0900 1 972013. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Persönliche Beratung im Bereich Gesundheit und Pflege ist in den Beratungsstellen Frankfurt, Darmstadt, Fulda, Kassel und Wiesbaden möglich. Kosten: 20 € / 15 Min. Terminvereinbarungen am Servicetelefon.
  • Servicetelefon / Auskunft: (069) 97 20 10 -900, Mo bis Do 10 – 16 Uhr, Fr 10 -15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de

Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13 – 17, 60313 Frankfurt am Main.

Stand: Dezember 2018

Weitere Informationen

Aus anderen Quellen

www.aps-ev.de - Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. besteht seit 2005 und ist ein bundesweites interdisziplinäres Netzwerk von Einzelpersonen, Berufsverbänden und vielen Organisationen im Gesundheitswesen. Der Verein will eine neue Kultur des offenen Umgangs mit Fehlern anregen und hat das Ziel, die Sicherheit von Patienten zu erhöhen. Da viele Fehler ihren Ursprung in Kommunikations- und Koordinationsabläufen haben, widmet sich das Aktionsbündnis der Auffindung dieser Fehlerquellen und erarbeitet Handlungsempfehlungen sowohl für Krankenhaus- und Praxismitarbeiter, als auch für Patienten.