Medizinische Rehabilitation – wem steht sie zu und wie bekommt man sie?

Es gibt viele Gründe, warum jemand eine medizinische Rehabilitation (Reha) benötigt. Doch nicht jeder weiß, wann er darauf einen Anspruch hat. Wieder andere haben Schwierigkeiten diesen Anspruch durchzusetzen.

RS10751_Mann bei der Physiotherapeutin © Walter Luger - Fotolia.com_.jpg

Krankengymnastik

Was ist eine medizinische Rehabilitation (Reha)?

Eine medizinische Rehabilitation soll dazu dienen, die körperlichen und/oder geistigen Fähigkeiten eines Patienten im Anschluss an eine schwere Erkrankung oder Operation soweit wie möglich wieder herzustellen. Die individuellen Fähigkeiten zur Bewältigung einer Erkrankung sollen gefördert und eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit möglichst vermieden werden.

Doch auch als Vorsorgeleistung kann eine Rehabilitation notwendig sein, zum Beispiel bei Eltern-Kind-Kuren oder bei älteren Patienten, um deren Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.

Wer kann der Träger der Reha sein?

Abhängig von der beruflichen Situation und der Ursache der Erkrankung, zahlen entweder die Renten-, die Unfall- oder die Pflegeversicherung die Kosten der Reha. Aber auch die Alterssicherung der Landwirte, die Träger der Kriegsopferversorgung, das Jugendamt oder der Sozialhilfeträger können in Betracht kommen.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Reha nur, wenn kein anderer Rehabilitationsträger zuständig ist. Grundsätzlich haben aber alle Versicherten gesetzlicher Krankenkassen, also auch Rentner, mitversicherte Ehepartner, Kinder und Jugendliche Anspruch auf medizinische Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen.

Übernommen werden in der Regel nicht nur die Behandlungs- und Unterbringungskosten der Reha, sondern auch die Kosten für die An- und Abreise und den Gepäcktransport.

Tipp: Wenn Sie nicht wissen, welcher Rehabilitationsträger zuständig ist, können sie sich bei einer örtlichen Gemeinsamen Servicestelle für Rehabilitation erkundigen, wer zuständig ist. Außerdem muss jeder Rehabilitationsträger beim Eingang eines Antrags prüfen, ob er zuständig ist und den Antrag innerhalb von 14 Tagen an den zuständigen Leistungsträger weiterleiten.

Wer eine Reha beantragt, muss folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Rehabilitationsbedürftigkeit: aufgrund von körperlichen, geistigen oder seelischen Schädigungen liegen Beeinträchtigungen von alltagsrelevanten Aktivitäten vor, die nicht nur vorübergehend sind.
  • Rehabilitationsfähigkeit: Patienten besitzen die notwendige Belastbarkeit und Motivation für die medizinische Rehabilitation.
  • Rehabilitationsziel: alltagsrelevante Beeinträchtigungen sollen beseitigt, vermindert oder vermieden werden. Das Ziel kann sein, einen Ausgangszustand möglichst wieder herzustellen oder – falls das nicht möglich ist – eine Ersatzstrategie zu erlernen.

Außerdem sollen in der Regel die therapeutischen Maßnahmen vor Ort ausgeschöpft sein. Wenn dies der Fall ist oder aus bestimmten Gründen nicht möglich ist, ist es wichtig, dies im Antrag zu formulieren.

Antrag auf  Reha

Den Antrag müssen Patienten selbst stellen. Antragsformulare erhält man u.a. bei den Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation, bei den Beratungsstellen der Rentenversicherungsträger, den Krankenkassen und Versicherungsämtern. Auch ein formloser Antrag ist möglich. Dann erhält man vom Rehabilitationsträger die entsprechenden Formulare, die man dann allerdings doch ausfüllen und zurückschicken muss.

Ist eine Anschlussheilbehandlung unmittelbar nach einer Behandlung im Krankenhaus notwendig, ist die Klinik für die Antragsstellung zuständig, in der Regel übernimmt diese Aufgabe der Sozialdienst der Klinik.

Seit Oktober 2017 haben gesetzlich Versicherte einen gesetzlich verankerten Anspruch auf ein „strukturiertes Entlassmanagement“ der Klinik. Werden Leistungen benötigt, die die Krankenkasse vorab genehmigen muss, wie zum Beispiel Rehabilitation, soll die Klinik diese umgehend, noch während des Klinikaufenthaltes beantragen.

Tipp: Sprechen Sie in diesem Fall die behandelnden Ärzte im Krankenhaus direkt darauf an und fragen nach der Möglichkeit einer Reha als Anschlussheilbehandlung.

Ansonsten sind Hausarzt, Facharzt oder Betriebsarzt die ersten Ansprechpartner. Sie können abklären, ob die Voraussetzungen für eine Reha vorliegen. Ebenfalls zu klären ist, ob die Reha ambulant – in einer Reha-Klinik, aber von zu Hause aus – oder stationär – mit Unterbringung in einer Reha-Klinik – durchgeführt wird.

Der Befundbericht des Arztes ist dem Reha-Antrag beizufügen. Je besser und ausführlicher die medizinische Notwendigkeit begründet und dokumentiert ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Reha genehmigt wird. Es sollte deutlich werden, inwieweit sich die medizinischen Befunde auf die alltäglichen Aktivitäten auswirken. Unterstützen Sie Ihren Arzt, indem Sie die notwendigen Angaben machen und Ihre Einschränkungen im Alltag beschreiben.

Tipp: In der Regel empfiehlt es sich, den Schwerpunkt auf eine bestimmte Diagnose und deren Reha-Ziel zu legen. Werden viele Erkrankungen angegeben, kann das Ziel der Rehabilitation unklar sein und sie wird möglicherweise deswegen abgelehnt.

Ein Reha-Antrag hat eine viel größere Chance genehmigt zu werden, wenn Patienten den Selbstauskunftsbogen sorgfältig ausfüllen und ausführlich darlegen, warum die Reha aus ihrer Sicht notwendig ist, welche Erwartungen sie von der Reha haben und ob sie motiviert sind, Ihren Anteil am Gelingen der Reha beizutragen.

Wunsch- und Wahlrecht

Jeder Patient hat die Möglichkeit, Wünsche und Anforderungen an die Reha zu formulieren, zum Beispiel zu dem Ort und dem Beginn der Reha. Das ist im Sozialgesetzbuch IX gesetzlich verankert. Die persönliche Lebenssituation, das Alter, das Geschlecht, die Familie, sowie die religiösen und weltanschaulichen Bedürfnisse des Patienten sind hier zu berücksichtigen.

Einzige Einschränkung: die gewählte Einrichtung muss geeignet sein, die Erkrankung zu behandeln, und mit dem Rehabilitationsträger einen Versorgungsvertrag geschlossen haben. Anderenfalls müssten Sie, wenn die gewählte Einrichtung teurer ist, die Mehrkosten selbst tragen.

Zuzahlungen

Versicherte gesetzlicher Krankenkassen müssen ab dem 18. Lebensjahr bei ambulanten und stationären Reha-Maßnahmen ohne zeitliche Begrenzung 10 Euro pro Tag zuzahlen. Bei einer Anschlussheilbehandlung sowie bei einigen Krankheitsbildern, deren Behandlung länger dauert als die üblichen drei Wochen, ist die Zuzahlung auf 28 Tage innerhalb eines Kalenderjahres begrenzt.

Hinweis: die Belastungsgrenze für alle Zuzahlungen (also auch Medikamente, Heilmittel wie Krankengymnastik, etc.) beträgt bei gesetzlich Versicherten pro Kalenderjahr 2 Prozent der Brutto-Einnahmen zum Lebensunterhalt, bei chronisch Kranken – nach Antragstellung! – 1 Prozent.

Ist die Deutsche Rentenversicherung Träger, sind bei ambulanten Reha-Leistungen keine Zuzahlungen zu leisten. Bei stationären Leistungen richtet sich die Höhe der Zuzahlungen nach dem Einkommen (0 bis 10 Euro/Tag) und ist auf 42 Tage pro Kalenderjahr begrenzt.

Ablehnung der Reha und Widerspruch

Lehnt die Rentenversicherung oder ein anderer Kostenträger die Reha ab, kann ein schriftlicher Widerspruch hilfreich sein. Dieser muss innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids beim Kostenträger eingehen. Prüfen Sie den Ablehnungsgrund und reichen gut begründete Stellungnahmen behandelnder Ärzte ein.

Falls die Reha danach noch immer nicht genehmigt wird, kann innerhalb eines Monats nach Zugang des Ablehnungsbescheides Klage vor dem Sozialgericht erhoben werden. Das Verfahren ist für Verbraucher kostenfrei, dauert aber in der Regel lange. Deshalb kann es unter Umständen besser sein, die Ablehnung zu akzeptieren und einige Zeit später einen erneuten, besser begründeten Antrag zu stellen.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung immer montags von 10 bis 14 Uhr unter 0900 1 972013. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Persönliche Beratung der Verbraucherzentrale Hessen zu den Themen Gesundheit und Pflege. Kosten: 60 € / 45 Min. Terminvereinbarungen am Servicetelefon.
  • Servicetelefon / Auskunft: (069) 97 20 10 -900, Mo bis Do 10 – 16 Uhr, Fr 10 -15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13 – 17, 60313 Frankfurt am Main.

Stand: Januar 2019