IGeL, die besonders häufig vorkommen

Einige Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) werden besonders häufig angeboten. Die Verbraucherzentrale Hessen stellt diese vor und gibt einen Überblick über den Stand der aktuellen Bewertungen.

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Frau beim Augenarzt

Nachfolgend werden häufige IGeL näher betrachtet

Glaukom-Früherkennung

Was wird gemacht?
Messung des Augeninnendrucks, Spiegelung des Augenhintergrundes, eventuell Gesichtsfeldbestimmung

Zweck der Untersuchung:

Früherkennung eines Glaukoms – also einer Erkrankung, die den Sehnervenkopf schädigt und zu einer Einschränkung des Gesichtsfelds bis hin zur Erblindung führen kann. Vielfach, aber nicht immer, geht ein Glaukom mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks einher. Eine Messung des Augeninnendrucks allein ist daher für die Erkennung eines Glaukoms nicht ausreichend.

Kosten: 20 bis 40 Euro

Was zahlt die Krankenkasse?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn Beschwerden oder Hinweise auf eine Glaukomerkrankung vorliegen oder ein erhöhtes Risiko für eine Glaukomerkrankung besteht. Die Glaukom-Früherkennung ist daher Kassenleistung bei Patienten:

  • mit Beschwerden oder Hinweisen auf eine Glaukomerkrankung,
  • mit länger dauernder Cortisontherapie,
  • mit Diabetes, wenn bereits Veränderungen am Auge bestehen,
  • mit sehr starker Kurzsichtigkeit,
  • mit Augenverletzungen, Entzündungen des Augeninneren und vor Augenoperationen, wenn der Ausschluss einer Glaukomerkrankung notwendig ist.

Bewertung:

In der Leitlinie der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands wird die Untersuchung für 40- bis 64-Jährige alle drei Jahre und für ab 65-Jährige alle ein bis zwei Jahre empfohlen.

Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen bewertet die Glaukom-Früherkennung mit `tendenziell negativ`, weil die Wissenschaftler keine Studien gefunden haben, die den Nutzen der Untersuchung belegen würden. Im Einzelfall kann die Glaukom-Früherkennung aber sinnvoll sein, vor allem für Risikopatienten. Dann sollte die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse auf jeden Fall abgeklärt werden.
 

Sonographie (Ultraschalluntersuchung) der Brust

Was wird gemacht? Untersuchung der Brust mit Schallkopf

Zweck der Untersuchung: Früherkennung von Brustkrebs

Kosten: 26 bis 60 Euro

Was zahlt die Krankenkasse?
Wenn unklare Mammographiebefunde abgeklärt werden müssen, ist die Ultraschalluntersuchung als zusätzliche Untersuchung eine Kassenleistung.

Bewertung

Ob die Sonographie als alleinige Methode zur Früherkennung von Brustkrebs geeignet ist, ist nicht gesichert. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) fordert, dass Ultraschall zur Früherkennung von Brustkrebs eingesetzt werden soll, und zwar bereits ab einem Alter von 40 Jahren.

Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen bewertet die Ultraschalluntersuchung der Brust mit „unklar“, da die Wissenschaftler weder Studien fanden, die einen Nutzen für die Frauen belegen, noch Studien, die Schäden belegen.

Der Krebsinformationsdienst beschreibt, dass die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen statistisch von der „Durchschnittsfrau“ ausgehen. Das individuelle Risiko kann höher sein, z.B. bei Frauen mit vererbtem erhöhtem Risiko für Brustkrebs, Frauen mit gutartigen Veränderungen der Brust, die regelmäßig kontrolliert werden müssen und Frauen, die wegen einer früheren Krebserkrankung bereits Bestrahlungen im Bereich der Brust erhalten haben. Bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko können die Untersuchungen angepasst werden, auch Ultraschall- und Magnetresonanztomograpie als gesetzliche Leistungen angewendet werden.

Sonographie (Ultraschalluntersuchung) der Eierstöcke

Was wird gemacht?

Untersuchung der Eierstöcke mit Schallkopf durch die Bauchdecke und/oder durch die Scheide

Zweck der Untersuchung: Früherkennung von Eierstockkrebs

Kosten: 25 bis 53 Euro

Was zahlt die Kasse?

Zur Früherkennung von Eierstockkrebs wird für Frauen ab dem 20. Lebensjahr einmal jährlich das Abtasten bezahlt. Bei Verdacht auf Eierstockkrebs ist die Ultraschalluntersuchung Kassenleistung.

Bewertung

Der IGeL-Monitor bewertet die Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke mit "negativ". Eine 2011 veröffentlichte große Studie zeigte, dass mit Ultraschalluntersuchung gleich viele Frauen an Eierstockkrebs sterben wie ohne Untersuchung. Die Frauen werden zudem häufig durch Fehlalarm beunruhigt und es werden sogar gesunde Eierstöcke entfernt. Auch ärztliche Fachgesellschaften empfehlen ein generelles Screening nicht.

Bestimmung des PSA-Wertes (Prostata-spezifisches Antigen) bei Männern

Was wird gemacht?
Blutabnahme und Bestimmung der PSA-Konzentration

Zweck der Untersuchung: Frühzeitige Erkennung eines Prostatakarzinoms

Kosten: 25 bis 35 Euro

Was zahlt die Kasse?

Die Bestimmung des PSA-Wertes ist dann eine Kassenleistung, wenn der Verdacht auf ein Prostatakarzinom vorliegt oder der Verlauf eines Prostatakarzinoms kontrolliert werden soll.

Bewertung

Erhöhte PSA-Werte können ein Hinweis auf Prostatakrebs sein, sie können aber auch bei anderen Erkrankungen der Prostata erhöht sein. Durch einen PSA-Test und die nachfolgende Diagnostik mittels Gewebeproben (Biopsien) soll ein Tumor in einem frühen Stadium entdeckt und gegebenenfalls geheilt werden.

Allerdings gibt es bei dieser Untersuchung häufig „Fehlalarm“, mindestens zwei von drei Männern mit einem auffälligen PSA-Wert haben keinen Krebs, sind aber Ängsten und weiteren diagnostischen Maßnahmen ausgesetzt.

Ein weiteres Problem ist, dass Prostatakrebs zwar häufig auftritt, vielfach aber latent verläuft, also sehr langsam und ohne für seinen Träger lebensbedrohend zu sein. Der PSA-Test und weitere Untersuchungen können nicht mit Sicherheit zwischen latentem und aggressivem Krebs unterscheiden. Für manche Männer kann das eine unnötige und nebenwirkungsreiche Übertherapie zur Folge haben.

Ob einem Mann diese Leistung zu empfehlen ist, hängt von seinem Alter ab. In der Regel wird der PSA-Test Männern zwischen 50 und 75 Jahren angeboten, bei familiärer Belastung ab 45 Jahren. Ob ein Mann diese Leistung in Anspruch nimmt, ist Abwägungssache. Auf jeden Fall sollte vor einem PSA-Test eine gute und ausführliche Aufklärung über Nutzen, Risiken und weitere Folgen der Untersuchung erfolgen.

mehr Infos: „Patientenleitlinie Früherkennung von Prostatakrebs“

Professionelle Zahnreinigung

Was wird gemacht?

Reinigung der Zähne und Zahnzwischenräume von weichen Zahnbelägen und hartem Zahnstein mit Hilfe eines Ultraschallgerätes, Polieren der Zähne, um das Anhaften von Bakterien zu erschweren, eventuell Bestreichen mit Fluorid. Die Arbeiten werden in der Regel nicht vom Zahnarzt selbst, sondern einer sogenannten Prophylaxehelferin durchgeführt.

Zweck der Untersuchung: Durch die Entfernung weicher und harter Zahnbeläge sollen in der Mundhöhle hygienische Verhältnisse geschaffen werden, um Zahnbetterkrankungen und Karies zu vermeiden.

Kosten

Die Kosten variieren mit der Einführung einer neuen Abrechnungsziffer in der Gebührenordnung der Zahnärzte sehr stark, je nachdem, wie viele Zähne behandelt werden und welcher Steigerungssatz verwendet wird. Bei 28 Zähnen und Anwendung des 2,3 fachen Satzes kostet die Zahnreinigung 101 Euro.

Was zahlt die Kasse?

Die Krankenkassen bezahlen im Rahmen der Vorsorge einmal jährlich eine einfache Zahnreinigung (Entfernung von Zahnstein). Viele Krankenkassen bezuschussen darüber hinaus die professionelle Zahnreinigung als freiwillige Satzungsleistung. Die Angebote der Krankenkassen reichen von einem Zuschuss in Höhe von 10 Euro bis zur Kostenübernahme, zum Teil bei festgelegten Anbietern.

Bewertung

Ob die jährliche Vorsorgeleistung der Krankenkasse ausreichend ist oder nicht, hängt unter anderem von einer gewissenhaften Zahnpflege, der persönlichen Veranlagung zur Zahnsteinbildung und dem Vorhandensein von Zahnfleischentzündungen ab. Der tatsächliche Nutzen einer professionellen Zahnreinigung bei Erwachsenen ohne Parodontitis wird vom IGeL-Monitor als unklar bewertet, da es kaum Studien dazu gibt. Möglicherweise führe bereits eine jährliche Anleitung zur richtigen Zahnpflege dazu, dass das Gebiss besser gepflegt wird.
 

Weitere Informationsquellen

Informationen aus anderen Quellen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: Februar 2019