Digitale Praxis - Videosprechstunde in Coronazeiten

In die Arztpraxis mag man derzeit wegen der Ansteckungsgefahr, oder um Ärzte und medizinisches Personal jetzt nicht mit Bagatellerkrankungen zusätzlich zu belasten, nicht gehen. Patienten mit leichten Erkrankungen der oberen Atemwege können sich telefonisch vom Arzt für bis zu sieben Tage, bei einem Corona-Verdacht bis zu 14 Tage - zunächst bis 23. Juni befristet - krankschreiben lassen. Kann man vom Arzt eine Krankmeldung und Beratung auch über eine Videosprechstunde bekommen?

stethoscope-2617701_1920.jpg

Stethoskop und Laptop

Die Digitalisierung macht nicht vor dem Gesundheitswesen Halt und hat das Kommunikationsverhalten der Patienten verändert. Inzwischen ist die Videosprechstunde eine kassenärztliche Regelleistung und steht den Versicherten aller gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung. Privatpersonen sollten mit ihrer Versicherung klären, ob diese zahlt.

Wie funktioniert eine Videosprechstunde?

Bei einer Online-Videosprechstunde muss der Patient nicht in die Arztpraxis kommen, sondern wird per Videoschaltung über den Laptop, das Smartphone oder Tablet direkt mit dem Arzt verbunden. Die Verbindung wird dabei nur über zertifizierte Videoanbieter geschaltet, die das Signal verschlüsseln. Somit ist es für Dritte nicht möglich Daten abzufangen.

Die Videosprechstunde ist eine ideale Alternative um lange Wege und Wartezeiten zu umgehen, um etwa nur Untersuchungsergebnisse zu besprechen. Auch für den ländlichen Raum bedeutet dies eine enorme Verbesserung. Ein weiter Vorteil ist, dass die Ansteckungsgefahr durch Viren im Wartezimmer durch erkrankte Menschen nicht mehr besteht.

Was darf diagnostiziert werden?

Zurzeit dienen die Online-Videosprechstunden hauptsächlich dazu Verlaufskontrollen zu einer bereits bestehenden Behandlung durchzuführen. Es ist von Vorteil, wenn die Krankheit und die Therapiemaßnahmen zuvor vom Arzt in der Praxis diagnostiziert beziehungsweise verordnet werden. Mediziner dürfen Patienten in den meisten Bundesländern inzwischen aber auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt per Videosprechstunde behandeln. Generell funktioniert die Behandlung per Video aber nur, wenn sie ärztlich vertretbar ist. Rezepte und Krankmeldungen können noch nicht online ausgestellt werden.

Allerdings gibt es schon Pilotprojekte von Krankenkassen, in denen das Untersuchungsspektrum erweitert wird. Über die Videoverbindung werden Symptome gecheckt, AU-Bescheinigungen und Rezepte ausgestellt. Die Krankschreibungen gehen elektronisch direkt an die Krankenkasse und den Arbeitgeber, die Rezepte auf das Handy des Patienten.

Wann sollte man in die Arztpraxis?

Nicht alle Krankheiten können per Video diagnostiziert werden. In der Praxis hat der Arzt mehr Untersuchungsmöglichkeiten, um Symptome einzuordnen. Dazu zählen das Abtasten, Abhören, Blut abnehmen, Ultraschall und vieles mehr.

Wie findet man Praxen mit Videosprechstunden?

Am besten fragt man beim Hausarzt nach, ob er diesen Service bereits anbietet. Bei Angeboten aus dem Internet sollte man Vorsicht walten lassen. Manche Angebote werden nicht von der Krankenkasse übernommen und gelten nur für Privatpatienten. (schl)

Stand: März 2020