Clever Sparen bei Kuren im EU-Ausland

Zur Kur ins tschechische Karlsbad oder an die polnische Ostseeküste und das zum halben Preis verglichen mit den Preisen in Deutschland – das klingt verlockend. Immer mehr Menschen nehmen außerhalb Deutschlands Massagen und andere Anwendungen auf Kosten ihrer Krankenkasse in Anspruch. Sie versprechen sich davon finanzielle Vorteile. Doch sind Kuren im Ausland immer zu empfehlen? Was ist zu beachten, bevor man die Gesundheitsreise ins Ausland antritt?

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Frau bekommt Kopfmassage

Wozu eine Kur?

Kuren haben das Ziel, die gesundheitliche Verfassung eines Menschen zu verbessern. Man könnte sie als Urlaub für die Gesundheit bezeichnen. Eine Kur basiert auf dem Prinzip, die körpereigenen Heilkräfte zu aktivieren. Dies wird erreicht durch ein gesundes Umfeld an erholsamen Orten und den Einsatz von Heilmitteln. Mineral- und Moorheilbäder wirken beispielsweise gut gegen Hauterkrankungen. Das Klima am Meer ist besonders gut bei Asthma und anderen Atemwegserkrankungen. Quellwasser in Kurorten wirkt heilsam bei Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes.

Während einer Kur ist man in der Regel im Hotel untergebracht und geht vor Ort zu den Anwendungen. Diese können etwa in einem Heilbad stattfinden oder man geht zu einzelnen Anwendungen. Kuren dauern in der Regel drei Wochen.

Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Vor Reiseantritt sollte man mit der Krankenkasse Kontakt aufnehmen. Eine Kur muss immer vorab schriftlich beantragt und von der Krankenkasse genehmigt werden. Der Hausarzt stellt einen Kurantrag. Er begründet darin, warum die Kur erforderlich ist und welche Behandlungen gemacht werden sollen. Die Kasse gibt nur dann ihre Bewilligung, wenn sämtliche Behandlungen zu Hause ausgeschöpft wurden und nicht den erwünschten Erfolg gebracht haben.

Begrifflich wird unterschieden zwischen Kur zur Vorbeugung von Krankheiten als Vorsorgemaßnahme und einer Rehabilitation zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation bei bestehender Krankheit. Im EU-Ausland werden überwiegend Vorsorgekuren durchgeführt, aber auch Rehabilitationen sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Auswahl des Kurortes

Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Kur in einem anderen Land der EU. Als Kassenpatient erhält man nämlich auch Geld von der Krankenkasse für eine Kur im Ausland Die Kassen beteiligen sich an den Kosten in der gleichen Höhe, wie sie es im Inland tun. Voraussetzung ist, dass man einen anerkannten Kurort für die Reise wählt. Besonders beliebt sind Kurorte in Tschechien, Polen, Ungarn, Italien und der Slowakei.

Auch die Krankenkassen profitieren von den niedrigeren Preisen im Ausland. Viele Kassen haben Verträge mit osteuropäischen Kurorten geschlossen. Dort ist eine Kostenübernahme problemlos möglich. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kasse, welche Kooperationen bestehen. Ist kein passendes Angebot dabei, kann man auch einen anderen Ort auswählen. Am besten bespricht man dies mit dem Arzt, der den Kurantrag stellt.

Wer sich für eine Einrichtung im Ausland entscheidet, mit der die Krankenkasse keinen Kooperationsvertrag geschlossen hat, sollte darauf achten, dass die Einrichtung am Kurort folgende Kriterien erfüllt:

  • Die Einrichtung am Kurort muss die medizinischen Anforderungen erfüllen. Die erforderlichen Therapiemöglichkeiten müssen vor Ort angeboten werden.
  • Behandlungsqualität und technische Ausstattung müssen so gut wie in Deutschland sein. Dazu gehört auch, dass man sich mit dem Personal verständigen kann. Der überwiegende Teil des Personals sollte deutsch sprechen.
  • Von Vorteil ist, wenn das Angebot vom deutschen Medizinischen Dienst der Krankenkassen begutachtet wurde oder andere Referenzen aufweisen kann.

Welche Kosten müssen Patienten selbst tragen?

Die Reisekosten und die Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung müssen Patienten selbst tragen. Die Kasse beteiligt sich allerdings mit einem Zuschuss in Höhe von bis zu 16 € pro Tag. Für chronisch kranke Kleinkinder beträgt der  Zuschuss bis zu 25 € täglich. Die genaue Höhe ist in der Satzung der jeweiligen Kasse geregelt.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für ärztliche Untersuchungen und Behandlungen sowie für Anwendungen wie Massagen, Packungen, Bäder, Trinkkuren und vieles mehr. 10 € für jede ärztliche Verordnung sowie einen Eigenanteil von zehn Prozent der Kosten der einzelnen Anwendungen zahlen die Patienten selbst.

Achtung: Nicht alle Anwendungen in der Kur bezahlt die Krankenkasse. Ayurveda-Behandlungen oder Wellnessmassagen sind zum Beispiel keine Kassenleistungen und müssen selbst gezahlt werden.

Wer im Ausland zur Kur geht, muss die Rechnungen der Ärzte oder Physiotherapeuten zunächst selbst bezahlen. Die Belege reicht man bei der Krankenkasse ein und diese erstattet den gleichen Betrag wie im Inland, abzüglich 10 Prozent.  

Wer ein pauschales Angebot in einem Hotel bucht, muss darauf achten, dass er für die spätere Abrechnung mit der Krankenkasse eine detaillierte Rechnung erhält. Darauf müssen die Anzahl der ärztlich verordneten Maßnahmen, der Umfang der Behandlungen und die Kosten im Einzelnen aufgeschlüsselt sein. Verlangen Sie eine solche Aufstellung vom Hotel oder Reisebüro.

Wie gut ist die Qualität?

Besonders deutsche Anbieter und der Deutsche Heilbäderverband stellen in Frage, dass die Qualität von ausländischen Kurorten mit denen deutscher Kurorte gleichwertig ist. Moniert wird, dass es im Ausland häufig keine Vorschriften darüber gibt, wie rein die Luft sein muss. Auch hinsichtlich der Anforderungen an landschaftliche Reize und die Infrastruktur bestünden Unterschiede.

Krankenkassen prüfen jedoch vor einem Vertrag mit Einrichtungen in ausländischen Kurorten laut eigenen Angaben immer die Qualität der Behandlungen vor Ort. An der Qualität müssen Patienten meist keine Einbußen hinnehmen. Die Qualifikation der Ärzte und Therapeuten entspricht in den osteuropäischen EU-Ländern in der Regel den deutschen Anforderungen.

Die Erfahrungen von Kurpatienten im Ausland sind überwiegend positiv. Umfragen einzelner Krankenkassen ergaben, dass mehr als die Hälfte der Patienten zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem Aufenthalt und der medizinischen Versorgung im Ausland waren. Besonders positiv wird der preisliche Vorteil beurteilt, aber auch kürzere Wartezeiten für Behandlungstermine.

Konkreter Ablauf

Am Kurort meldet man sich zunächst bei einem Kurarzt. Dieser muss von der Krankenkasse anerkannt sein und die Bezeichnung „Kurarzt“ oder „Badearzt“ tragen.

Der Arzt nimmt eine Untersuchung vor und erstellt einen Behandlungsplan. Er verschreibt die Anwendungen (Physiotherapie, Bäder und anderes).

Am Ende der Kur wird eine Abschlussuntersuchung durchgeführt. Der Kurarzt erstellt einen Kurbericht mit Empfehlungen für weitere Maßnahmen.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung unter 09001 97 20 13, montags 10 bis 14 Uhr. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Verbraucherservice: (069) 97 20 10 - 900, Mo bis Do 10 - 16 Uhr, Fr 10 - 15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de 

Diese Verbraucherinformation gibt den Stand zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wieder.

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: März 2019