Was Sie über HIV wissen sollten

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts leben in Deutschland etwa 85 000 Menschen mit einer diagnostizierten HIV-Infektion. Über 90 Prozent der Neuinfektionen gehen auf sexuelle Übertragung zurück. Verunsicherung, Angst und Verurteile in der Bevölkerung sorgen dafür, dass Menschen mit einer HIV-Erkrankung ausgegrenzt und diskriminiert werden. Am 1.12. ist Welt-Aids-Tag, höchste Zeit sich über HIV zu informieren, sich zu schützen und Vorurteile abzubauen.

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Hände halten rote Schleife

Was ist der Unterschied zwischen HIV und Aids?

HIV ist eine Abkürzung und steht für Human Immunodeficiency Virus, übersetzt: menschliches Immunschwäche-Virus. Bei der Erkrankung schädigt das sogenannte HI-Virus die körpereigenen Abwehrkräfte, welche normalerweise vor Krankheitserregern schützen sollen. In Folge dessen kann der Körper eindringende Bakterien, Viren oder Pilze nicht mehr bekämpfen.

Bleibt die HIV-Erkrankung unbehandelt, können lebensbedrohliche Krankheiten auftreten, wie etwa eine bestimmte Form der Lungenentzündung oder Tumore. Derlei Erkrankungen sind charakteristisch für eine fortgeschrittene HIV-Erkrankung und man spricht ab diesem Zustand von dem erworbenen Abwehrschwäche-Syndrom, kurz: Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrom). Die HIV-Infektion kann über Jahre symptomlos bleiben, bis sie in Aids übergeht.

Ist HIV/Aids tödlich?

Wird die Krankheit erfolgreich behandelt, kann man HIV heutzutage wie eine chronische Krankheit sehen. In diesem Fall ist auch die Lebenserwartung nicht anders als bei Menschen ohne HIV. Des Weiteren können HIV-positive Menschen durch die Medikamenteneinnahme ein fast ganz normales Leben führen und Alltag, Beruf und Freizeit meistern, wie jeder andere Mensch auch.

Wie steckt man sich mit HIV an?

Eine HIV-Ansteckung ist über infizierte Körperflüssigkeiten möglich, etwa bei offenen Wunden oder ungeschütztem Geschlechtsverkehr.
Auch während der Geburt oder über die Muttermilch ist eine Ansteckung des Kindes bei der Mutter möglich.
Menschen in einer Drogenabhängigkeit haben außerdem ein erhöhtes Risiko sich mit HIV zu infizieren, wenn sie Spritzbesteck, Nadel und Tupfer teilen.
Infektionen über Bluttransfusionen sind zwar nicht ausgeschlossen, aber in Deutschland mittlerweile sehr unwahrscheinlich, aufgrund bestimmter Aufbereitungsverfahren und entsprechender Tests vor der Verwendung von Spenderblut.

… und wobei nicht?

HIV ist ein nur schwer übertragbares Virus. Das bedeutet, dass eine ausreichende Menge an Viren in den Körper gelangen muss, wie etwa bei offenen Wunden oder Geschlechtsverkehr.

Bei gemeinsamen Aktivitäten wie Spaziergängen, Kino oder Sport, Anhusten oder Niesen, Insektenstichen, Küssen oder engerem Hautkontakt wie beim Kuscheln besteht hingegen kein Übertragungsrisiko.

Ist HIV heilbar?

Zwar gibt es bereits viele wirksame Medikamente, welche nach der Infektion mit dem HI-Virus die Ausbreitung aufhalten, aber eine Heilung von HIV ist bisher leider noch nicht möglich.

Gibt es einen Impfstoff gegen HIV?

Schon lange suchen Forscher nach einem Impfstoff gegen HIV, doch leider ist die Entwicklung von Impfstoffen kompliziert, da das Virus ständig seine Form verändert. Daher ist es den Wissenschaftlern bisher nicht gelungen einen wirksamen und langfristigen Impfschutz herzustellen.

Wie wird HIV behandelt?

Gegen das HI-Virus gibt es heutzutage sehr wirkungsvolle Medikamente, die die Vermehrung des Virus im Blut aufhalten. Häufig werden hierzu drei verschiedene Wirkstoffe gleichzeitig eingenommen, da das Virus sich ständig verändert und dadurch resistent gegen einzelne Wirkstoffe wird. Durch die gezielte Kombination der Wirkstoffe kann man diesen Veränderungsprozess jedoch lange Zeit hinauszögern. Manchmal reicht für die Behandlung bereits pro Tag eine Pille, die die Wirkstoffkombination enthält.

Die Medikamente unterdrücken die Virusvermehrung im Körper, wodurch die Krankheit nicht weiter fortscheiten kann. Der Ausbruch von Aids lässt sich durch die Medikamenteneinnahme verhindern oder rückgängig machen. Allerdings müssen diese Medikamente für den Rest des Lebens eingenommen werden. Mittlerweile verspüren die meisten Infizierten kaum noch oder aber nur sehr leichte Nebenwirkungen der Medikamente.

Je früher mit der HIV-Therapie begonnen wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten!

Hilft die HIV-Behandlung das Ansteckungsrisiko zu verringern?

Wenn die Behandlung wirkt und die Medikamente regelmäßig und mit großer Sorgfalt eingenommen werden, kann die Vermehrung des Virus so weit unterdrückt werden, dass es sogar nach einiger Zeit in den Körperflüssigkeiten und Schleimhäuten nicht mehr nachweisbar ist. Sind seit mehr als sechs Monaten keine Viren mehr im Blut festzustellen, wird die Ansteckung einer anderen Person höchst unwahrscheinlich.

Was kann ich tun, um nicht an HIV zu erkranken?

Die sicherste Methode, sich nicht mit HIV zu infizieren, ist die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr.

Sind HIV-negative Personen einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt, besteht zudem die Möglichkeit einer Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Bei richtiger Einnahme schützt die PrEP vor einer HIV-Infektion. Allerdings kann die Einnahme teilweise schwere Nebenwirkungen mit sich bringen und sollte daher nur unter ärztlicher Aufsicht stattfinden. Derzeit werden die Kosten für die PrEP nicht von der Krankenkasse übernommen.

Wichtig: Die PrEP ist keine Alternative zum Kondom, denn sie schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Darum sollten Kondome auch während einer Einnahme der PrEP weiterhin verwendet werden.

Was tun, wenn doch etwas schief geht?

Sollte es beispielsweise zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem HIV-positiven Menschen kommen, kann unter ärztlicher Aufsicht eine Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) verschrieben werden. Hierfür ist es jedoch wichtig, schnell zu handeln und möglichst innerhalb von 24 Stunden mit der Behandlung zu beginnen.

Bei der PEP-Behandlung werden über einen vierwöchigen Zeitraum Medikamente eingenommen, die nach einem Risikokontakt eine mögliche Ansteckung mit dem HI-Virus verhindern sollen. Meistens funktioniert dies, doch es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Besteht der Verdacht einer möglichen Infektion, wird die PEP von der Krankenkasse bezahlt.

Auch hier gilt: Die PEP ist keine Alternative zum Kondom, sondern eine aufwendige medizinische Behandlung!

Adressen von Kliniken, die eine solche PEP durchführen, kann man bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung telefonisch unter 0221 89 20 31 erfragen oder aber im Internet unter: www.aidsberatung.de

Stand: Januar 2019