Stress lass‘ nach!

Berge an Arbeit, Klausuren über Klausuren, wenig Schlaf, zu viele Verabredungen und Termine in der Freizeit, Kinder und Haushalt –wer zu viel Stress hat, kann krank werden. Doch was kann ich tun, wenn mir der Stress über den Kopf wächst?

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Mann bekommt zu viele Aufgaben zugeteilt und fasst sich erschöpft an den Kopf

Stress – eigentlich fürs Überleben wichtig

Als Stress wird die körperliche und psychische Reaktion des Körpers auf Belastungen bezeichnet. Diese Antwort des Organismus auf bestimmte Situationen ist eigentlich ein natürlicher Verteidigungsmechanismus aus Zeiten unserer Vorfahren.

Bei drohender Gefahr geben die Sinnesorgane die Informationen ans Gehirn weiter. Dort erteilt das Emotionszentrum nach ausreichender Bewertung dem Körper den Befehl Stresshormone wie Noradrenalin, Adrenalin und Cortisol zu produzieren. Die Hormone sorgen dafür, dass Puls, Blutdruck und Atemfrequenz steigen und Blut vermehrt in die Muskulatur von Armen und Beinen fließt, um diese besser mit Energie und Sauerstoff auszurüsten. Die Schmerztoleranz wird kurzfristig erhöht und unnötiger Energieverbrauch - wie die Verdauung - wird eingestellt, um sämtliche Energie für Kampf oder Flucht bereitzustellen. Der Körper ist in Alarmbereitschaft und kann blitzschnell reagieren.

Früher  war diese Stressreaktion ein praktischer und zugleich lebensrettender Mechanismus. Heutzutage müssen wir in den seltensten Fällen vor etwas weglaufen oder gar kämpfen. Es stressen uns eher der Job, die Kinder, der Straßen- und Pendlerverkehr und leider auch oft die Freizeit. Hier können wir den angestauten inneren Druck und die freiwerdenden Energien nicht kanalisiert loswerden.
Nicht selten richtet der Körper diese Energien gegen sich selbst und gerät zunehmend in einen dauerhaften Alarmzustand. Folgen davon können von ernsthaften organischen Erkrankungen bis hin zum Burnout reichen.

Ist Stress immer ungesund?

Wie bei vielen Dingen kommt es beim Stress auf die Dosis an. So kann Stress in einem gewissen Rahmen die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit erhöhen. Er kann motivieren, die Produktivität ankurbeln und nach einer gemeisterten Herausforderung das Selbstvertrauen stärken.

Ist die Plackerei überstanden, reagiert der Körper mit Entspannung. Das Belohnungssystem im Gehirn sorgt dafür, dass keine Stresshormone mehr produziert werden. Während dieser Runterregulierung bildet sich körpereigenes Morphium, das dazu beiträgt, dass sich der Mensch wieder wohl fühlt.

In die Kategorie des positiven Stresses gehören zum Beispiel die Planung einer Hochzeit oder Vorbereitungen für die Geburt eines Kindes.Positiver Stress macht meist sogar Spaß, wird mit einer gewissen Hingabe erledigt und führt zu keiner größeren seelischen und körperlichen Belastung.

Aufgepasst bei negativem Stress!

Verwenden wir das Wort „Stress“ meinen wir allerdings eher die Art von Anspannungen und Belastungen, welche als bedrohlich und überfordernd wahrgenommen werden. Besonders dann, wenn Zeit-, Leistungsdruck, Ängste um den Arbeitsplatz und zunehmende Reizüberflutung hinzukommen und es keinen körperlichen Ausgleich gibt. Der Körper bildet Stresshormone, welche nicht mehr richtig abgebaut werden und krank machen.

Woran erkenne ich Stress?

Erste Anzeichen für zu viel Stress können Erschöpfung, sinkende Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, Albträume, Gereiztheit, Schlafstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Nervosität, Tränen, Bluthochdruck und Magen-Darm-Probleme sein. Hält der Stress weiterhin an, sind häufig auch Immunsystem und Herz-Kreislauf-System betroffen.

Cortisol schwächt das Immunsystem, so dass der Körper anfälliger für Infektionen, Depressionen, Diabetes oder Magen-Darm-Geschwüre wird. Außerdem können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis oder die Entstehung von Krebs durch zu viel Stress begünstigt werden.

Was kann ich tun?

Wer feststellt, dass er einer zu hohen Stressbelastung ausgesetzt ist, sollte schnellstmöglich handeln. Der Hausarzt oder die Krankenkasse helfen bei Fragen und im Akutfall gerne weiter!

  • Entspannungstraining: Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Traumreise, Meditation – es gibt mittlerweile viele Angebote für angeleitete Kurse. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, im Sportverein, Fitness- oder Yoga- Studio oder bei der Volkshochschule. Zudem gibt es Traumreisen- oder Meditationsübungen auch auf CD, als MP3 oder im Internet abzurufen.
  • Sport: Sportliche Betätigungen wie Joggen, Nordic Walking, Tanzen, Yoga, Schwimmen oder ein Mannschaftssport eignen sich hervorragend, um überschüssige Energien und somit Stress abzubauen. Besonders für Personen, die hauptsächlich sitzende Tätigkeiten ausüben und geistig gefordert sind, bietet Bewegung einen wichtigen Ausgleich.
  • Frische Luft tut gut: Wie wäre es mit einem Spaziergang in der Mittagspause oder nach Feierabend? Bereits die Vorfreude darauf kann das Belohnungszentrum aktivieren.
  • Rituale helfen: Kleine Angewohnheiten, die täglich eingebaut werden, können Ruheoasen im stressigen Alltag sein und entlastend wirken, da kaum ein Gedanke an sie verschwendet werden muss. Einige Beispiele: Eine Tasse Tee am Nachmittag auf dem Balkon, ein kurzer Abendspaziergang nach dem Abendbrot, die Zeitung lesen oder Gedankengänge vor dem Einschlafen in einem Tagebuch festhalten.
  • Smartphone-Pause: Gleiches gilt für Fernsehen oder Internet – schalten Sie einfach mal ab. Wenn Sie sich doch fürs Fernsehen entscheiden, versuchen Sie bewusst einen Film auszusuchen und sich aktiv fürs Fernsehschauen zu entscheiden. Machen Sie den Fernseher aus, wenn der Film, den Sie sehen wollten, zu Ende ist.
  • Ausschlafen: Suchen Sie sich einen Tag am Wochenende aus, an dem Sie so gut es geht auf den Wecker morgens verzichten.
  • In der Ruhe liegt die Kraft: Nehmen Sie sich Zeit für die alltäglichen Dinge wie beispielsweise Essen und Trinken. Versuchen Sie an ein bis zwei Tagen in der Woche sich bewusste Zeit zum Kochen zu nehmen. Vermeiden Sie es, vor dem Computer oder dem Fernseher zu essen.

Stand: Januar 2019