Johanniskraut - Heilpflanze für Seele und Haut

Das Johanniskraut ist eine Heilpflanze, die schon die Germanen als Symbol für die Sonne verehrten. Dem Johanniskraut wird eine stimmungsaufhellende Wirkung zugesprochen, weshalb es bei Depressionen eingesetzt wird. Johanniskraut verträgt sich jedoch nicht immer mit anderen Arzneimitteln, weshalb mögliche Wechselwirkungen zu beachten sind.

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Johanniskraut

Früher schrieb man dem Johanniskraut magische Kräfte zu, denn die strahlend gelben Blüten symbolisieren die Sonne, die die bösen Geisterabwehren. Heutzutage wird Johanniskraut bei leichten bis mittleren Depressionen verabreicht. Als Öl eingesetzt soll Johanniskraut Entzündungen hemmen und die Wundheilung fördern.

Das Johanniskraut ist eine typische Mittsommerpflanze, sogar ihr Name stammt vom Johanni-Tag, dem 24. Juni, ab. In den Tagen um die Sommersonnenwende fängt das Johanniskraut gelb an zu blühen, wobei die Blütezeit bis in den August reicht. Es ist an Waldrändern, Wegen, Böschungen, Magerwiesen, Brachflächen, Waldlichtungen und auch auf Bahnschotter zu finden.

Sonnengelbe Blüten – blutrote Finger

Einer Legende nach soll das Johanniskraut aus dem Blut Johannes des Täufers entstanden sein. Die Namen und die Legende haben ihren Ursprung möglicherweise in folgendem Phänomen:
Beim Zerreiben der sonnengelben Blüten des Johanniskrauts mit den Fingern färbt der austretende Saft die Haut blutrot. Verantwortlich dafür ist der blutrote Farbstoff Hypericin, der neben den ätherischen Ölen und Gerbstoffen an den Wirkungen des Johanneskrautes beteiligt sein soll.

Welche gesundheitlichen Wirkungen hat Johanniskraut?

Johanniskraut beeinflusst das seelische Wohlbefinden positiv, da es stimmungsaufhellend und antidepressiv wirkt. Auch soll es eine allgemein stärkende Wirkung haben, weshalb es auch bei geistiger Erschöpfung oder zur Rekonvaleszenz nach schweren Krankheiten eingesetzt wird. Äußerlich angewendet wird Johanniskraut als Wundheilmittel geschätzt, da es schmerzstillend, entzündungshemmend und heilend wirkt.

Johanniskrautöl – wo wird es eingesetzt?

In der Volksheilkunde wird Johanniskrautöl seit vielen Jahrhunderten verwendet, um damit schlecht heilende Wunden, Verbrennungen und Geschwüre zu behandeln. Auch bei schmerzenden Nervenverletzungen wie Hautquetschungen soll das ätherische Öl helfen, ebenso bei leichten Verbrennungen und Blutergüssen.

Weiterhin ist es geeignet bei trockener und beschädigter Haut, bei Sonnenbrand, gegen Insektenstiche, bei Krampfadern, gegen Neurodermitis und Abschürfungen.

Johanneskraut und Depression

Johanniskrautpräparate helfen bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Eine Auswertung von 37 Doppelblindstudien ergab, dass dieses Pflanzenmittel ähnlich wirksam ist wie eine herkömmliche Arzneimittelherapie mit so genannten trizyklischen Antidepressiva. Der Vorteil von Johanniskrautpräparaten ist deren bessere Verträglichkeit.

Bei Johanniskrautpräparaten ist jedoch zu unterscheiden zwischen den in den Apotheken erhältlichen Trockenextrakt-Produkten und den deutlich schwächeren Pulverpräparaten, die in Drogerien erhältlich sind.

Auch wenn die Wirksamkeit von Johanniskraut bei leichten und mittelschweren Depressionen belegt ist: Da die Depression eine ernst zu nehmende Erkrankung ist, ist von einer Selbstbehandlung dringend abzuraten. Wer an Depressionen leidet, sollte unbedingt Hilfe beim Hausarzt oder Facharzt suchen. 

Vorsicht: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Johanniskraut beeinflusst die Wirksamkeit von vielen Medikamenten. Das liegt daran, dass Johanniskraut beim Menschen die Bildung bestimmter Enzyme, der so genannten P 450-Cytochrome, verstärkt. Diese Enzyme sind beim Abbau vieler Medikamente beteiligt. Wird nun infolge der Johanniskrauteinnahme ein Medikament schneller abgebaut, ist die Wirkung des Medikaments nicht mehr ausreichend vorhanden.

Da Johanniskraut die Wirksamkeit von Wirkstoffen verringert, ist gegebenenfalls eine Dosisanpassung der beteiligten Wirkstoffe und Medikamente durch den Arzt notwendig. Dies gilt vor allem für Arzneimittel mit folgenden Wirkstoffen:

  • Digitoxin: enthalten in Herzmitteln
  • Theopyhllin: enthalten in Asthmamitteln
  • Verapamil: enthalten in Blutdrucksenker
  • Midazolam: enthalten in Beruhigungsmitteln
  • Tacrolimus: enthalten in Immunsuppresssiva zur Unterdrückung der körpereigenen Abwehr)
  • Warfarin: enthalten in Gerinnungshemmern
  • Östrogen-Gestagen-Kombination: „Pille“ (Empfängnisschutz nicht mehr ausreichend gewährleistet)

Wer also bereits Arzneimittel einnimmt, sollte den Arzt oder Apotheker fragen, ob das Johanniskrautpräparat sich mit den einzunehmenden Arzneimitteln verträgt.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut
    Im Beipackzettel von Johanniskrautpräparaten steht, dass während der äußerlichen wie innerlichen Anwendung auf intensive UV-Bestrahlung wie lange Sonnenbäder, Höhensonne oder Solarium verzichtet werden soll. Der Grund ist, dass Johanniskraut die Haut empfindlicher für Licht machen kann, wofür der Wirkstoff Hypericin des Johanniskrautes verantwortlich gemacht wird.

    Allgemein gilt: Eine intensive Sonneneinstrahlung ist grundsätzlich zum Schutz der Haut zu meiden, unabhängig von der Einnahme eines Johanneskrautpräparates.
     
  • Verhütung unsicher
    Wenn Johanniskrautpräparate als Tabletten oder Kapseln aufgenommen werden, also innerlich angewendet werden, sind zusätzliche Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung erforderlich, da die Wirkung der hormonellen Mittel („Pille“) beeinträchtigt ist.
     
  • Ungeeignet für Kinder
    Johanniskrautpräparate zur inneren Anwendung sind für Kinder unter zwölf Jahren nicht geeignet.
     
  • Verschreibungspflichtig
    Johanniskraut-Arzneimittel zur Behandlung einer mittelschweren Depression sind verschreibungspflichtig. 

Stand: Januar 2019