Gutes Bauchgefühl: Ernährung bei Divertikeln im Darm

Kleine Ausstülpungen der Darminnenwand sind nicht selten. Die Ernährung kann zur Vorbeugung beitragen und bei Entzündung unterstützen.

Bauchschmerzen Mann stomach-pain-2821941_1920 - Darko Djurin - pixabay.com_.jpg

Darko Djurin

Jede zehnte Person unter 50 Jahren entwickelt kleine Ausstülpungen der Darminnenwand. Viele Menschen sind von dieser Veränderung betroffen ohne es zu wissen, da die Ausstülpungen nicht zwingend mit Beschwerden einhergehen. Nehmen die Ausstülpungen zu und entzünden sie sich, können Symptome wie Durchfall, Blähungen und Übelkeit sowie Krämpfe auftreten. Die Ernährung kann zur Prävention von Divertikeln beitragen sowie in einer akuten Entzündungsphase unterstützen.

Divertikel – kleine Ausstülpungen der Darmwand

Bei etwa zehn Prozent der Menschen unter 50 Jahren können durch die Darmmuskulatur besonders in der Dickdarmwand kleine Ausstülpungen, sogenannte Divertikel, entstehen. Die Entstehung von Divertikeln nimmt mit zunehmendem Alter zu. Bei über 70-Jährigen kommen die Ausstülpungen etwa bei der Hälfte der Personen vor, wobei Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind. Wölbt sich die Darminnenwand an mehreren Stellen nach außen, spricht man von einer Divertikulose.

Wenn Beschwerden auftreten

Menschen mit Divertikeln können beschwerdefrei sein, sodass eine Divertikulose oft unerkannt bleibt. Erst wenn die Ausstülpungen in der Darmwand zu Beschwerden führen, spricht man von der Divertikelkrankheit. Sie kann sich durch Symptome wie Schmerzen im (zumeist linken) Unterbauch, Blähungen, Verstopfungen oder Durchfälle zeigen. Während die Beschwerden durch das Essen verstärkt werden, können sie nach dem Stuhlgang abklingen. Zudem kann es zu Darmblutungen kommen, die insbesondere für Menschen gefährlich werden können, die blutverdünnende Mittel einnehmen.

Ausstülpungen können sich entzünden

Plötzlich eintretende, dumpfe Schmerzen, Übelkeit, Krämpfe oder Fieber können auch Anzeichen einer Divertikelentzündung (Divertikulitis) sein. Diese ist in der Regel gut behandelbar, kann aber ernste Folgen haben, wenn sich beispielsweise die Entzündung ausbreitet. Etwa ein Prozent aller Menschen mit Divertikulose ist innerhalb von zehn Jahren von einer Divertikelentzündung betroffen.

Zu einer Entzündung kann es kommen, wenn sich an den ballonförmigen Ausstülpungen grobe Nahrungsbestandteile oder Stuhlreste ansammeln. Die Entzündungen sollten stets ärztlich abgeklärt und schnell behandelt werden, um ein Platzen der Divertikel und eine Ausweitung der Entzündung sowie die Bildung von Abszessen und Fisteln zu vermeiden.

Ballaststoffe und ein reger Darm helfen

Ballaststoffe tragen nicht nur zur Sättigung bei und helfen, den Cholesterinspiegel zu regulieren, sie regen auch die Darmtätigkeit an. Bei einer ballaststoffreichen Ernährung wird der Stuhl schneller durch den Darm transportiert. Auf diese Weise werden Verstopfungen und ein intensiver Druck auf die Darmwand vermieden und so das Risiko für die Entstehung von Divertikeln verringert.

Im Rahmen einer ballaststoffreichen Ernährung sollten zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse pro Tag verzehrt werden. Zudem sollte bei Getreide und Getreideprodukten vermehrt auf die Vollkornvariante wie Vollkornbrot, -nudeln, -haferflocken und -mehl zurückgegriffen werden. Getrocknetes Obst wie Feigen, Aprikosen oder Apfelringe eignen sich gut als ballaststoffreiche Süßigkeit und unterstützen zudem die Darmbewegung.

Ballaststoffzufuhr langsam steigern

Der Darm braucht etwas Zeit, um sich an die neuen Ernährungsgewohnheiten anzupassen. Menschen, die den Ballaststoffgehalt ihrer Ernährung steigern möchten, sollten bei der Umstellung Schritt für Schritt vorgehen, um Beschwerden wie Blähungen zu vermeiden.

Bei der Ernährungsumstellung können qualifizierte Ernährungsberatungen unterstützen und den Prozess mit Informationen und Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl begleiten.

Ausreichend Flüssigkeit ist wichtig

Neben der Auswahl ballaststoffreicher Lebensmittel trägt eine ausreichende Trinkmenge zu einem weicheren Stuhl und einer regen Verdauung bei. Sie ist insbesondere bei einer ballaststoffreichen Ernährung wichtig, um Verstopfungen vorzubeugen. Ballaststoffe benötigen zum Aufquellen viel Flüssigkeit, um ihre positive Wirkung zu entfalten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt eine Trinkmenge von mindestens 1,5 Litern pro Tag, wobei Wasser sowie ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung bevorzugt werden sollten. Weil im Alter die Häufigkeit von Divertikeln zunimmt, sollten ältere Menschen besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

Essen, was den Darm bewegt

Unterstützen kann man die Darmbewegung auch durch eine gezielte Lebensmittelauswahl und auf diese Weise der Divertikelbildung vorbeugen. Saure Milchprodukte wie Joghurt, Sauermilch, Buttermilch oder Kefir beugen Verstopfungen vor und tragen zu einer gesunden Darmflora bei. Bananen, Weißmehlprodukte, Schwarztee und Kakao wirken verstopfend und sollten nur selten verzehrt werden. Auch frischgebackene Brote und frische Hefeteigwaren sind nicht zu empfehlen. Sie sollten aufgrund ihrer blähenden Wirkung entweder vom Vortag verzehrt oder vor dem Verzehr getoastet werden, damit die Feuchtigkeit entweichen kann und das Lebensmittel bekömmlicher wird.

Faserige, kernige und grobe Lebensmittel meiden

Bei bekannter Divertikelerkrankung sollte in Phasen von Beschwerden und nach einer Divertikelentzündung auf faserige, kernige und grobe Lebensmittel verzichtet werden, da sich diese Lebensmittel in den ballonförmigen Divertikeln ansammeln und Entzündungen auslösen können. Dazu zählen beispielsweise grobkörniges (Vollkorn-) Brot, grobes Müsli oder Mais sowie Sesam, Mohn, Nüsse und Kerne wie Sonnenblumen- oder Kürbiskerne. Auch Beerenobst, Weintrauben, Tomaten und Gurken sollten aufgrund ihrer Beerensamen beziehungsweise Kerne, die mitverzehrt werden, gemieden oder entkernt werden. Krautgemüse wie Kohl, Artischocken, Spargel und Kohlrabi sowie Rhabarber und Ananas weisen eine besonders faserige Struktur auf und sollten daher ebenfalls nur selten verzehrt und stets gut gekaut werden.

Zeit zum Essen nehmen und gut kauen

Wer sich Zeit zum Essen nimmt und ausreichend kaut, verringert die Möglichkeit, dass grobe Lebensmittelbestandteile in den Darm gelangen. Zudem trägt ein Essen in Ruhe dazu bei, die eigene Sättigung besser zu bemerken, unterstützt auf diese Weise eine bedarfsgerechte Ernährung und kann so indirekt Übergewicht vorbeugen.

Auf ausreichend Bewegung und ein gesundes Gewicht achten

Neben dem Alter und erblichen Risikofaktoren stehen auch starkes Übergewicht und wenig körperliche Bewegung im Verdacht, die Entstehung von Divertikeln zu begünstigen. Eine ausgewogene, vollwertige Ernährung und regelmäßiger Sport tragen zu einem gesunden Gewicht und einer guten Verdauung bei. Ein aktiver Alltag durch Spaziergänge, die Treppe statt den Lift zu nehmen oder den Einkauf mit dem Rad statt mit dem Auto zu erledigen unterstützen dabei, ein gesundes Körpergewicht zu halten und die Verdauung anzuregen.

Auf rotes Fleisch verzichten

Ein übermäßiger Verzehr von rotem Fleisch kann eine Divertikulose begünstigen. Die DGE empfiehlt maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche. Rotes Fleisch und entsprechende Fleischwaren von Tieren wie Rind, Schaf, Ziege oder Schwein sollten nur selten verzehrt werden. (Kup)

    Stand: März 2022

    Das Wichtigste in Kürze

    Ernährung bei Divertikelentzündung (Divertikulitis)

    Bei einigen Menschen können sich die Ausstülpungen der Darminnenwand entzünden. In der Akutphase einer Entzündung sollte der Darm nach ärztlicher Abklärung durch ein bis zwei Fastentage geschont werden. Danach sollte sich unter ärztlicher Begleitung ein ballaststoffarmer Kostaufbau anschließen. Über eine Phase der leichten Vollkost kann nach und nach wieder zu einer ballaststoffreichen Ernährung übergegangen werden.
    Ernährung und körperliche Aktivität können vorbeugend und auch begleitend eine wichtige Rolle bei einer Divertikulose spielen. Gleichzeitig kann sie im Bedarfsfall keine Medikation oder andere Therapieformen ersetzen, weshalb in jedem Fall stets ärztlicher Rat eingeholt werden sollte.

    • Ballaststoffzufuhr und Trinkmenge erhöhen
    • Faserige und grobe Lebensmittel meiden
    • Rotes Fleisch in Maßen verzehren
    • Speisen ausreichend kauen
    • Täglich gesäuerte Milchprodukte in den Speiseplan aufnehmen
    • Verstopfend wirkende Lebensmittel reduzieren
    • Auf ausreichend Bewegung und ein gesundes Gewicht achten
    • Auf das Rauchen verzichten